2026年9月1日 星期二

城市‧土地‧文化敘事(二十七) 易北河的午後散步

易北河的午後散步

地圖會說話。那些曾經被我圈選過的地方,很多年以後重新打開,還是會一個一個浮現。

2008 年剛到 Dresden 的時候,我身上總帶著一張地圖,那是第一天報到時學校國際學生事務處交到我手裡的城市地圖。後來翻爛了,換了一張又一張,新的地圖最後還是會被我畫滿。學校、宿舍、電車路線、公園、河岸、皇宮、花園,還有那些尚未抵達、卻已經先被螢光筆圈起來的地方。

現在重新看,那些線條比照片更接近當時的生活,它們沒有特別要記錄什麼,只是很誠實地留下我曾經怎麼在一座陌生城市裡,把自己的生活邊界一點一點往外推。那時候德文還沒有真正掌握,街上的每一個站名、路牌、招牌,都成了增加語彙的方法,走路也是學習,坐錯一次車,下一次就知道方向,多繞過一條街,那一塊城市也就熟悉一點。

Blasewitzer Straße 我住在醫學院旁邊的學生宿舍,離大學頗遠,記憶裡常常是搭著 6 號電車,再轉82號公車,從城市的東北一端移動到西南端。那些路當時只是日常,現在回頭卻像一條一條慢慢長進身體裡的線,哪一站之後城市會安靜下來,哪一個轉角會往河邊靠近,哪一段開始出現大片樹林,住久了以後,很多事情已經不需要再看地圖,城市開始長進記憶裡。
下課之後往易北河走,是我很喜歡的日常。十月短暫經過秋天,樹葉才剛變色,冬天很快就壓下來,記憶裡碰過零下二十多度的酷寒。雪很美,可是真正生活在雪裡和旅行時看雪完全不同,路會變得難走,身體會疲倦,有時候連出門都需要多一點決心。風景依然存在,人卻未必每天都有動力抵達。現在想起來,能夠在下課之後沿著河散步、看風景、想事情,本身就是一種很奢侈的日常,只是當時並不知道。

我會沿著易北河走去公園、花園、皇宮,也會故意把路拉長,往城市東邊走,去 Pillnitz 的夏宮,去看那座跨過河谷的 Blaues Wunder,再從 Loschwitz 往山坡上走,搭那條懸在半空中的 Bergschwebebahn

現在回想,那些其實都是有點奢侈的行程。路途不近,冬天也不好走,可是我總還是想去,像是在確認地圖外面究竟還有什麼。我想那時候的自己,對城市有一種很單純的好奇,只要地圖上還有一個地方沒有抵達,就覺得那裡還留著一小塊未知邊界。

很多年後重新理解 Dresden 的城市歷史,當時走過的那條路,其實正好穿過十九世紀末這座城市很重要的一段發展。易北河原本是一道天然邊界,1893 年 Blaues Wunder 把 Blasewitz 與 Loschwitz 接起來,城市跨過了河,可是跨過河之後,後方又是陡峭的 Elbe 山坡。於是 1895 年 Standseilbahn 開始把人送往 Weißer Hirsch,1901 年 Bergschwebebahn 再把交通推向 Oberloschwitz。城市遇到河,就造橋;遇到坡,就重新發明一種往上的方法。

第一次搭那條山城纜車的時候,我當然沒有想到這些,只覺得車廂掛在軌道下面,沿著山坡慢慢往上很迷人。那是一百多年前就被實踐出來的工程技術,也說明 Dresden 當時有足夠強的工業能力與技術野心,把原本難以抵達的地方重新接進城市。

這些歷史事件也許與多年後和我自己的那段生活重疊在一起。那時候的我其實也沒有現成的路,語言還不熟,生活還沒有穩定,不知道最後會不會留下來,也不知道這段經歷最後會把我帶到哪裡。

我能做的事情很簡單,就是每天把生活半徑再往外推一點,多走一條街,多學一個字,多坐一段沒有坐過的車,多去一個已經圈在地圖上、卻還沒有真正看過的地方。現在看起來很普通,可是在完全陌生的環境裡,這些事情其實都需要一點勇敢。那個勇敢沒有什麼英雄的樣子,只是一個人願意一直往外走,哪怕前面還不熟悉。

Bergschwebebahn 往上升的時候,我最記得的是視野的變化。山腳下看到的是街道、房子和局部的城市,慢慢往上之後,房子往腳下退,易北河重新出現在遠處,原本分散的東西忽然開始連在一起。同一座 Dresden,在下面看到是一種樣子,站到高處又變成另一種樣子。

人生很多時候也是這樣,身在其中的時候,只知道今天很冷,只知道去學校的路很遠,只知道有些晚上很孤單,只知道語言還不夠好,只有多年以後再回頭,才看到那些零散的片段原來早就連成一條完整的路。

易北河畔散步只能獨白的時刻,有時候眼前風景很好,很想找個人分享,卻沒有適合的窗口。那還沒有今天這樣隨手就能把生活立刻傳出去的社群媒體,那些畫面只能先留在自己身上,沒有被即時消耗,反而在多年之後還能被某個地名、某張地圖、某條河重新叫回來。

我後來一直喜歡有河流的城市,大概也和這些時刻有關。河流讓我感覺時間正在移動,橋讓兩個原本分開的地方產生關係,纜車則像是在提醒,有些地方沿著原本的平面一直走,也未必能夠抵達,你有時候必須換一種方法,甚至改變自己的高度。

Dresden Elbe Valley 曾經被列入 UNESCO 世界文化遺產,又因為新的橋梁與交通需求在 2009 年失去這個身分。城市要保存什麼、要改變什麼、願意為一條新的道路失去多少東西,居民一直都在選擇。

現在看來,人生也一直在做類似的事情。你選擇一條路,就會失去其他可能;你留下來,會得到一種生活;你離開,也會因此遇到另外一些事情。我最後沒有留在 Dresden,現在回頭也沒有太多遺憾。有些城市適合長久生活,有些城市只是讓你經過,它在某一段時間把你打開,給你一群人、一些風景、一套新的觀看方法,然後再把你送到下一站。

Dresden 對我大概就是這樣,一個冬天、一個夏天,幾條熟悉的電車路線,很多沿著易北河走過的午後,一座藍色鐵橋,一條沿著山坡慢慢往上的纜車,還有一個總是拿著地圖、想知道下一個圈起來的地方究竟長什麼樣子的自己。現在重新想到那條 Bergschwebebahn,我記得的已經不只是它有一百多年歷史。我想到的是開路。城市面對易北河,造了一座橋;面對山坡,又替自己找出新的抵達方式。

那一年的我其實也在做同樣的事情,用地圖、走路、電車、語言,還有那些當時的小小勇敢,把一個完全陌生的世界慢慢走成自己的生活。那時候只是想看看地圖外面還有什麼,回頭才知道,那些曾經被螢光筆畫過的線,最後都變成今天的我。有些路當時看起來只是日常,時間久了才知道它們有多重要。就像那條山坡上的纜車,每天只是沿著一百多年前開出的軌道慢慢往上,真正到了高處再回頭,才知道原來自己已經走了那麼遠。

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Ein Nachmittagsspaziergang an der Elbe.

Karten sprechen. Die Orte, die ich einst eingekreist hatte, tauchen auch viele Jahre später einer nach dem anderen wieder auf, wenn ich die Karte erneut entfalte.

Als ich 2008 in Dresden ankam, trug ich immer eine Karte bei mir. Es war der Stadtplan, den mir das Akademische Auslandsamt am ersten Tag gegeben hatte. Irgendwann war er zerfleddert und ich ersetzte ihn immer wieder, doch auch jede neue Karte war am Ende vollgezeichnet: Hochschule, Wohnheim, Straßenbahnlinien, Parks, Ufer, Schlösser, Gärten und all jene Orte, die ich noch nicht erreicht, aber bereits mit dem Textmarker eingekreist hatte.

Heute erscheinen mir diese Linien näher am damaligen Leben als Fotografien. Sie sollten nichts Besonderes dokumentieren, sondern bewahrten einfach und ehrlich, wie ich in einer fremden Stadt die Grenzen meines Lebens Stück für Stück nach außen verschob. Mein Deutsch war noch nicht wirklich sicher, deshalb wurde jeder Haltestellenname, jedes Straßenschild und jede Aufschrift zu einer Möglichkeit, den Wortschatz zu erweitern. Gehen war Lernen. Nach einer falschen Fahrt kannte ich beim nächsten Mal die Richtung; nach einem zusätzlichen Umweg wurde ein weiteres Stück Stadt vertraut.

In der Blasewitzer Straße wohnte ich in einem Studentenwohnheim neben der medizinischen Fakultät, ziemlich weit von der Hochschule entfernt. Oft fuhr ich mit der Straßenbahn 6 und stieg dann in den Bus 82 um, vom Nordosten der Stadt bis in den Südwesten. Damals waren diese Wege bloß Alltag. Im Rückblick wirken sie wie Linien, die langsam in meinen Körper hineingewachsen sind: nach welcher Haltestelle die Stadt stiller wurde, welche Ecke zum Fluss führte und wo große Waldflächen begannen. Nach längerer Zeit brauchte ich für vieles keine Karte mehr; die Stadt begann, in die Erinnerung hineinzuwachsen.

Nach dem Unterricht zur Elbe zu gehen, gehörte zu meinen liebsten Gewohnheiten. Der Oktober streifte nur kurz den Herbst; kaum hatten sich die Blätter verfärbt, drückte schon der Winter herab. Ich erinnere mich an bittere Kälte von mehr als zwanzig Grad unter null. Schnee ist schön, doch im Schnee zu leben ist etwas ganz anderes, als ihn auf einer Reise zu betrachten. Wege werden beschwerlich, der Körper wird müde und manchmal braucht schon das Verlassen des Hauses mehr Entschlossenheit. Die Landschaft bleibt, aber nicht jeden Tag besitzt man die Kraft, sie zu erreichen. Heute erscheint es mir als großer Luxus, nach dem Unterricht am Fluss spazieren, die Landschaft betrachten und nachdenken zu können; damals wusste ich das nicht.

Ich folgte der Elbe zu Parks, Gärten und Schlössern und verlängerte absichtlich meinen Weg nach Osten: zum Lustschloss Pillnitz, zum Blauen Wunder über dem Flusstal und von Loschwitz den Hang hinauf zur in der Luft schwebenden Bergschwebebahn.

Im Rückblick waren das beinahe luxuriöse Ausflüge. Die Wege waren weit und im Winter schwer zu gehen, dennoch wollte ich hin, als müsste ich überprüfen, was außerhalb der Karte lag. Ich glaube, meine Neugier auf die Stadt war damals ganz einfach: Solange ein Ort auf der Karte noch nicht erreicht war, blieb dort ein kleines unbekanntes Grenzgebiet.

Als ich Dresdens Stadtgeschichte viele Jahre später neu verstand, erkannte ich, dass mein damaliger Weg genau durch eine bedeutende Entwicklungsphase der Stadt am Ende des neunzehnten Jahrhunderts führte. Die Elbe war eine natürliche Grenze gewesen. 1893 verband das Blaue Wunder Blasewitz und Loschwitz; die Stadt überquerte den Fluss, doch dahinter erhoben sich die steilen Elbhänge. 1895 brachte die Standseilbahn Menschen zum Weißen Hirsch, 1901 erweiterte die Bergschwebebahn das Verkehrsnetz nach Oberloschwitz. Traf die Stadt auf einen Fluss, baute sie eine Brücke; traf sie auf einen Hang, erfand sie einen neuen Weg nach oben.

Bei meiner ersten Fahrt mit der Bergbahn dachte ich natürlich an nichts davon. Ich fand es einfach faszinierend, wie der Wagen unter der Schiene hing und langsam den Hang hinauffuhr. Diese Technik war vor mehr als hundert Jahren verwirklicht worden und zeigte, dass Dresden über genügend industrielle Stärke und technischen Ehrgeiz verfügte, um schwer erreichbare Orte erneut an die Stadt anzubinden.

Vielleicht überschnitten sich diese historischen Ereignisse viele Jahre später mit meinem eigenen Leben dort. Auch ich hatte keinen fertigen Weg. Die Sprache war noch fremd, das Leben nicht stabil, und ich wusste weder, ob ich bleiben würde, noch wohin mich diese Erfahrung führen sollte.

Ich konnte nur etwas Einfaches tun: meinen täglichen Radius ein wenig erweitern, eine Straße mehr gehen, ein Wort mehr lernen, ein unbekanntes Verkehrsmittel nehmen und einen bereits eingekreisten, aber noch nie wirklich gesehenen Ort besuchen. Heute wirkt das gewöhnlich, doch in einer vollkommen fremden Umgebung verlangte jeder dieser Schritte ein wenig Mut. Dieser Mut hatte nichts Heldenhaftes. Er bestand nur darin, immer weiter nach außen zu gehen, auch wenn das Kommende noch unbekannt war.

Während die Bergschwebebahn aufstieg, blieb mir vor allem die Veränderung des Blicks in Erinnerung. Am Fuß des Hangs sah ich Straßen, Häuser und Ausschnitte der Stadt. Mit zunehmender Höhe sanken die Häuser unter meine Füße, die Elbe erschien wieder in der Ferne und zuvor verstreute Dinge verbanden sich plötzlich. Dasselbe Dresden sah unten auf eine Weise aus und verwandelte sich von oben in eine andere Stadt.

Im Leben ist es oft ebenso. Solange wir mittendrin sind, wissen wir nur, dass der Tag kalt ist, der Weg zur Hochschule weit, manche Abende einsam und unsere Sprache noch nicht gut genug. Erst Jahre später erkennen wir beim Zurückblicken, dass sich die verstreuten Fragmente längst zu einem vollständigen Weg verbunden hatten.

Spaziergänge an der Elbe waren manchmal reine Monologe. Die Aussicht war schön und ich hätte sie gern mit jemandem geteilt, doch es gab kein passendes Gegenüber. Soziale Medien ermöglichten noch nicht, das eigene Leben jederzeit sofort hinauszusenden. Die Bilder mussten zunächst in mir bleiben. Weil sie nicht augenblicklich verbraucht wurden, können ein Ortsname, eine Karte oder ein Fluss sie viele Jahre später noch immer zurückrufen.

Dass ich Städte mit Flüssen bis heute liebe, hängt wohl auch mit diesen Augenblicken zusammen. Ein Fluss lässt mich spüren, dass die Zeit sich bewegt; eine Brücke schafft eine Beziehung zwischen zuvor getrennten Orten; eine Seilbahn erinnert daran, dass manche Orte nicht zu erreichen sind, wenn man auf derselben Ebene einfach weitergeht. Manchmal muss man die Methode wechseln, sogar die eigene Höhe verändern.

Das Dresdner Elbtal gehörte einst zum UNESCO-Welterbe, verlor diesen Status jedoch 2009 wegen einer neuen Brücke und veränderter Verkehrsbedürfnisse. Die Bewohnerinnen und Bewohner mussten immer entscheiden, was eine Stadt bewahren, was sie verändern und wie viel sie für einen neuen Verkehrsweg verlieren sollte.

Im Leben treffen wir offenbar fortwährend ähnliche Entscheidungen. Wer einen Weg wählt, verliert andere Möglichkeiten. Bleiben bringt ein bestimmtes Leben; Weggehen führt zu anderen Begegnungen. Ich blieb schließlich nicht in Dresden und empfinde im Rückblick kaum Bedauern. Manche Städte eignen sich für ein langes Leben, andere lässt man nur durch sich hindurchgehen. Für eine gewisse Zeit öffnen sie uns, schenken uns Menschen, Landschaften und eine neue Art zu sehen, und schicken uns dann zur nächsten Station weiter.

ist Dresden wohl für mich: ein Winter, ein Sommer, einige vertraute Straßenbahnlinien, viele Nachmittage an der Elbe, eine blaue Eisenbrücke, eine langsam den Hang hinauffahrende Bahn und eine Version meiner selbst, die stets eine Karte hielt und wissen wollte, wie der nächste eingekreiste Ort aussah. Wenn ich heute an die Bergschwebebahn denke, erinnere ich mich nicht nur an ihre mehr als hundertjährige Geschichte. Ich denke an das Eröffnen eines Weges. Vor der Elbe baute die Stadt eine Brücke; vor dem Hang fand sie eine neue Form des Ankommens.

In jenem Jahr tat ich eigentlich dasselbe. Mit Karten, zu Fuß, mit Straßenbahnen, Sprache und kleinen mutigen Schritten verwandelte ich eine völlig fremde Welt langsam in mein eigenes Leben. Damals wollte ich nur sehen, was außerhalb der Karte lag. Erst rückblickend weiß ich, dass die mit Textmarker gezogenen Linien schließlich zu meinem heutigen Ich wurden. Manche Wege wirkten damals bloß alltäglich; erst mit der Zeit verstand ich ihre Bedeutung. Wie bei der Bahn am Hang, die jeden Tag auf vor mehr als hundert Jahren eröffneten Schienen langsam aufwärtsfährt, erkennt man erst oben beim Zurückblicken, wie weit man bereits gekommen ist.

2026年8月31日 星期一

城市‧土地‧文化敘事(二十六) 一百年後Bauhaus 的遺產

一百年後Bauhaus 的遺產


很多事情回頭看,才會發現一個傳奇的形成,經常帶著某種時代被動推進的力量。有時候我甚至會想,那些腳本是不是早已安排好了。一座城市、一群人、一個政治環境、一場技術革命,在某個時間點剛好碰撞在一起。當下的人未必知道自己正在創造歷史,很多年以後,我們才替那個時刻命名。

Bauhaus 就是其中之一。

而我年輕時一次又一次的追逐與旅行,某種程度也像是在驗證那些曾經被灌輸給我的知識。那些課本裡被奉為經典的名字,真的如此重要嗎。那些被寫進藝術史與建築史的理念,究竟具有什麼力量,可以讓我們在一百年後還搭著火車,跑到德國東部一座不算繁華的城市,一棟一棟地尋找它留下來的建築。

我去了 Dessau 兩次。第一次比較接近朝聖。第二次是在 Wittenberg 的專題課程結束之後,安排回程時又繞進 Dessau。兩次的目的其實差不多。我想再深入看看,一百年前留下來的這套設計遺產,究竟還剩下什麼。

為什麼偏偏是這裡。為什麼 Bauhaus 會在 Dessau 成為傳奇。一百年以後,它所建立的設計教育依然成立嗎,或者我們只是習慣把它稱作經典。

學設計的人幾乎不可能對 Bauhaus 陌生。它早已滲透進我們對藝術與設計教育的理解。基礎構成、色彩學、材料實驗、工作坊、從理論走向實作、從手工走向生產、藝術與建築之間的跨領域合作,這些今天看來理所當然的事情,在當時都曾經是一場激烈的教育改革。

一九二五年,Bauhaus 受到 Weimar 政治環境改變與經費削減的壓力,被迫尋找新的落腳處。好幾座城市表示願意接手,最後接住它的是 Dessau。

當時的 Dessau 是正在成長的工業城市,由社會民主黨執政,市長 Fritz Hesse 願意支持這群激進的教育者,城市裡又有 Junkers 這樣的重要工業企業。Bauhaus 原本在 Weimar 已經開始推動「藝術與技術的新統一」,到了 Dessau,這套思想終於得到真正進入工業生產與城市建設的條件。

所以,為什麼是 Dessau。答案可能沒有我年輕時想得那麼浪漫。很多偉大的思想,需要的其實是一個願意讓它發生的地方。思想已經存在。人也已經聚集。真正稀有的是城市願意提供空間、資源、制度與容錯。Dessau 恰好成為那個容器。

於是一九二六年的 Bauhaus Building 與 Masters' Houses,以及後來的 Dessau-Törten 住宅區、職業介紹所、Kornhaus 陸續出現。短短七年,Dessau 幾乎變成一座可以直接拿來測試現代生活方式的城市實驗室。Bauhaus Dessau Foundation 今天仍將一九二五至一九三二年描述為學校最具生產力與成果最集中的階段。一九三二年,市議會在納粹黨的推動下決議停辦,學校搬到 Berlin,一九三三年解散。

這也是我拿著地圖,一棟一棟去找它們時慢慢理解的事情。那份地圖上的點位,我應該幾乎都走完了。有時候是好奇心。有時候像尋寶。有時候站在建築前面,心裡也會冒出一句:「就這樣。」然後又提醒自己,現在的「就這樣」,可能正是一百年前的「前所未見」。

有些 Bauhaus 建築帶著一種近乎潔癖的性格。白。乾淨。簡約。幾何。窗戶、牆體、樓梯、走廊,看起來都已經成為我們熟悉的現代建築語言。熟悉到甚至容易讓人困惑,因為我們已經看過太多類似的東西。

問題就在這裡。我們今天觀看 Bauhaus 最大的障礙,恰好是它影響得太成功。當一個革命性的語言被全世界使用了一百年之後,它就會逐漸變成背景。我們以為理所當然的視角,在一九二〇年代根本不存在。玻璃帷幕、自由平面、沒有裝飾的白牆、工業化家具、鋼管椅、功能性的學生宿舍、以人體與使用需求討論空間,今天甚至可能顯得過度乾淨。在一百年前,它們都在挑戰既有秩序。

所以我逐漸理解,去 Dessau 的目的其實很難只停留在「看 Bauhaus」。真正要看的,是某一種思想第一次取得實體形狀時,城市究竟提供了什麼條件。

這件事情和我的成長其實有一條很長的線。高中念美工時,Bauhaus 早就已經進入我的身體,只是十七歲的我還不知道。我們拿著廣告顏料,畫 Johannes Itten 的十二色色相環,研究三原色、補色、明度、彩度與色彩關係。Itten 在 Bauhaus 早期主持預備課程,這套訓練後來成為現代設計基礎教育的原型。

那是一個完全依靠手工的年代。調錯顏色,就重新來。畫歪了,就重畫。一格一格慢慢填。那時候我根本不知道 Johannes Itten 到底是誰,更無法理解,一位二十世紀初在歐洲教授基礎設計的老師,為什麼幾十年之後,會透過現代設計教育的傳播,進入台灣一個十七歲美工學生的顏料盤裡。當時只知道老師要我們畫,考試會考,色彩學就是這樣。

直到很多年後回頭看,才發現我們所接受的基礎構成、色彩與設計訓練,本身就帶著二十世紀現代設計教育漫長傳播之後的痕跡。思想的傳播有時候就是這麼奇怪。你甚至不知道它從哪裡來,它已經成為你的方法。

十七歲時聽到「Bauhaus」,感覺神秘、遙遠。課本裡只有幾張黑白照片。Walter Gropius、Johannes Itten、KandinskyKlee。名字記得住,世界卻拼不起來。大學念建築史時,Walter Gropius 又再度出現,這一次他的名字被放進現代建築史的重要節點。我們做研究、畫圖、做模型,知道那棟建築的重要性,也知道那一套形式語言代表什麼。可是離真正理解它,還是很遠。因為平面圖無法告訴你 Dessau 的風,立面圖無法告訴你建築與街道之間的距離,剖面圖也無法完整說明,為什麼一群人在那個年代突然相信,他們真的可以重新設計人的生活。

這就是我後來一次又一次旅行的原因。藝術史讀到最後,
還是得走進現場。建築史讀到最後,還是得用自己的身體去量一次。

後來我也去了 Weimar,這一次等於回到 Bauhaus 更早的起點。於是原本散落在課本裡的時間線,才慢慢拼起來。Weimar、Dessau、Berlin。它其實是一所不斷被政治、制度與時代推著移動的學校,十四年之間換過三位校長,每一次交接都伴隨路線與壓力的轉向。

我們今天看到的「Bauhaus 神話」,在當時可能只是一群人持續處理經費、政治、空間、課程、材料、生產與理想之間的衝突。傳奇經常是在事情結束以後才出現。活在裡面的人,大概只覺得每天都很麻煩。這反而讓我更喜歡它,因為真正的改革很少像宣言那麼乾淨。

一百年後重新走 Dessau,我也一直在問另外一個問題。這座城市現在還剩下多少實驗精神,還是只剩下 Bauhaus 這塊巨大的文化資產。

當一座城市擁有世界級文化遺產,最容易發生的事情,就是開始吃老本。保存。修復。導覽。博物館。紀念品。旅遊。然後一百年前的實驗,慢慢變成一百年後的展示品。Bauhaus 的建築群在一九九六年列入 UNESCO 世界遺產,這是所有文化遺產城市都會面臨的危險。

可是 Dessau 給我的另一個答案,反而出現在一棟和 Bauhaus 沒有直接關係的建築裡。德國聯邦環境署總部,Umweltbundesamt。這是我在 Dessau 除了 Bauhaus 建築群之外,印象最深的一棟建築。
它離中央車站很近。巨大的量體以彎曲的形式展開,彩色立面、公共中庭、環境控制、能源系統與景觀共同構成另一種完全不同於經典 Bauhaus 白色幾何的建築語言。

德國政府在一九九〇年代決定把 Umweltbundesamt 遷往 Dessau。車站附近曾經作為工業區的 Gasviertel 被選為基地,一九九八年,柏林的 Sauerbruch Hutton 贏得國際競圖,新的總部在二〇〇五年正式啟用。這塊土地原來帶著工業污染與廢棄廠房問題,建設過程包含土地與地下水整治,新的辦公建築則從競圖階段就被設定成聯邦生態建築的示範案例。

我突然覺得這件事情非常 Dessau。一九二〇年代,它讓一群藝術家、建築師與工匠在這裡測試「工業時代應該怎麼生活」。七十多年後,它又在舊工業土地上測試「環境時代應該怎麼建築」。

問題改變了。實驗場還在。Bauhaus 當年面對的是機器、量產、住宅與現代城市。Umweltbundesamt 面對的是能源、污染、土地再生、永續與環境治理。兩個時代的建築語言完全不同,背後其實有一條很有意思的共同線索。每一個時代,都需要重新回答:我們現在面對的問題是什麼,我們應該怎麼生活,建築可以做什麼,城市願意為新的思想提供多少空間。

所以一百年後,Bauhaus 還是最厲害的設計教育嗎。我現在反而不太想替它排名,因為這個問題本身已經透露出我們對經典的依賴。

真正值得保存的,可能沒有存在於白色建築裡,也沒有存在於那張十二色色相環裡。真正留下來的是一種態度。教育可以被重新設計。藝術可以離開畫布。設計可以進入生產。建築可以處理社會問題。城市可以成為實驗場。學生也可以參與一個正在形成的新世界。這些觀念到今天依然具有力量。

可是如果一百年後我們還只是照著 Bauhaus 教學生畫同樣的構成、談同樣的幾何、模仿同樣的字體,那麼曾經最激進的教育,也會變成最保守的教育。真正繼承 Bauhaus 的方式,應該是繼續推翻我們現在認為理所當然的東西。就像一九二五年的那些人一樣。

我有時候會想起那個十七歲拿著廣告顏料畫十二色色相環的自己。如果有人那時候告訴我,多年以後,我會真的站在 Dessau,沿著地圖一棟一棟尋找那些課本裡的建築,我大概很難想像。更不會知道自己有一天會重新問:「所以呢。」

這個「所以呢」可能比朝聖本身重要。朝聖是確認前人的偉大。旅行到最後,應該開始建立自己的判斷。

我走完那些點位,滿足了某些好奇心,也放下了一些神話。問自己,這座城市還有沒有留下遺憾。似乎沒有。該看的看了,該走的也走了。真正留下來的,反而是一個新的問題。

一九二〇年代的 Dessau,有 Gropius、Itten、Klee、Kandinsky、Moholy-NagyHannes MeyerMies van der Rohe,有地方政府、工業企業、工匠與學生,一起推著一座城市往前。到了二十一世紀,Umweltbundesamt、建築師、工程師、環境科學家與城市治理者,又接手了另一種形式的實驗。

那麼我們這個時代呢。一百年後的人回頭看二〇二六年,他們會記得哪些人。人工智慧、生態危機、自動製造、能源轉型、人口變化正在重新改寫我們對城市、藝術與設計的理解。

也許真正值得從 Bauhaus 帶走的,從來都不是某一種形式。是一種對時代的敏感。看見舊的方法已經無法回答新的問題之後,還願意重新設計一套方法。

一百年前,Dessau 剛好給了這群人一次機會。今天我站在這些建築之間,真正想問的已經不再只是 Bauhaus 留下了什麼。我在想的是,我們這一代準備留下什麼。

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Das Erbe des Bauhauses hundert Jahre später

Bei vielen Dingen erkennt man erst im Rückblick, dass die Entstehung einer Legende oft von einer passiv vorwärtstreibenden Kraft ihrer Zeit getragen wird. Manchmal frage ich mich sogar, ob das Drehbuch nicht längst feststand. Eine Stadt, eine Gruppe von Menschen, ein politisches Umfeld und eine technische Revolution treffen zu einem bestimmten Zeitpunkt zufällig aufeinander. Die Menschen dieses Augenblicks wissen vielleicht nicht, dass sie gerade Geschichte schaffen. Erst viele Jahre später geben wir diesem Moment einen Namen.

Das Bauhaus ist einer dieser Momente.

In gewisser Weise waren auch meine wiederholten Reisen und Nachforschungen in jungen Jahren ein Versuch, das mir vermittelte Wissen zu überprüfen. Waren die in Lehrbüchern zu Klassikern erklärten Namen wirklich so bedeutend? Welche Kraft besaßen die Ideen der Kunst- und Architekturgeschichte, dass wir noch hundert Jahre später in einen Zug steigen, in eine nicht besonders wohlhabende Stadt im Osten Deutschlands fahren und Gebäude für Gebäude nach ihren Spuren suchen?

Ich war zweimal in Dessau. Der erste Besuch glich eher einer Pilgerfahrt. Beim zweiten Mal machte ich nach einem Projektkurs in Wittenberg auf der Rückreise erneut einen Umweg über Dessau. Das Ziel war beide Male ähnlich. Ich wollte genauer sehen, was von diesem vor hundert Jahren entstandenen Designerbe noch übrig ist.

Warum ausgerechnet hier? Warum wurde das Bauhaus in Dessau zur Legende? Gilt die von ihm begründete Designausbildung hundert Jahre später noch immer, oder haben wir uns lediglich daran gewöhnt, sie einen Klassiker zu nennen?

Wer Design studiert, kann das Bauhaus kaum nicht kennen. Es hat unser Verständnis von Kunst- und Designausbildung längst durchdrungen. Grundlagen der Gestaltung, Farbenlehre, Materialexperimente, Werkstätten, der Weg von der Theorie zur Praxis und vom Handwerk zur Produktion sowie die interdisziplinäre Zusammenarbeit zwischen Kunst und Architektur – all das scheint heute selbstverständlich, war damals jedoch Teil einer heftigen Bildungsreform.

1925 musste das Bauhaus unter dem Druck des veränderten politischen Klimas und gekürzter Mittel in Weimar einen neuen Standort suchen. Mehrere Städte erklärten sich zur Aufnahme bereit. Schließlich war es Dessau, das die Schule aufnahm.

Dessau war damals eine wachsende Industriestadt unter sozialdemokratischer Regierung. Oberbürgermeister Fritz Hesse war bereit, diese Gruppe radikaler Pädagogen zu unterstützen, und mit Junkers verfügte die Stadt über ein bedeutendes Industrieunternehmen. Schon in Weimar hatte das Bauhaus die „neue Einheit von Kunst und Technik“ verfolgt. In Dessau erhielt diese Idee endlich die Voraussetzungen, tatsächlich in industrielle Produktion und Stadtentwicklung einzugreifen.

Warum also Dessau? Die Antwort ist vielleicht weniger romantisch, als ich sie mir in jungen Jahren vorgestellt hatte. Viele große Ideen brauchen vor allem einen Ort, der bereit ist, sie geschehen zu lassen. Die Idee war bereits vorhanden. Die Menschen hatten sich bereits versammelt. Wirklich selten war eine Stadt, die Raum, Ressourcen, Institutionen und Fehlertoleranz bereitstellte. Dessau wurde zufällig zu diesem Gefäß.

So entstanden 1926 das Bauhausgebäude und die Meisterhäuser, später folgten die Siedlung Dessau-Törten, das Arbeitsamt und das Kornhaus. In nur sieben Jahren wurde Dessau beinahe zu einem Stadtlabor, in dem sich moderne Lebensweisen unmittelbar erproben ließen. Die Stiftung Bauhaus Dessau bezeichnet die Jahre 1925 bis 1932 bis heute als die produktivste und ergebnisreichste Phase der Schule. 1932 beschloss der Stadtrat auf Betreiben der NSDAP die Schließung. Die Schule zog nach Berlin und löste sich 1933 auf.

Das verstand ich auch allmählich, als ich mit einer Karte in der Hand Gebäude für Gebäude suchte. Fast alle markierten Punkte dürfte ich abgelaufen sein. Manchmal trieb mich Neugier, manchmal fühlte es sich wie eine Schatzsuche an. Zuweilen stand ich vor einem Gebäude und dachte: „Das ist alles?“ Dann erinnerte ich mich daran, dass das heutige „Das ist alles?“ vor hundert Jahren vielleicht ein „So etwas hat es noch nie gegeben“ war.

Manche Bauhausbauten besitzen einen beinahe reinlichen Charakter. Weiß. Sauber. Schlicht. Geometrisch. Fenster, Wände, Treppen und Flure wirken wie die uns vertraute Sprache moderner Architektur. So vertraut, dass sie sogar verwirren kann, weil wir bereits zu viele ähnliche Dinge gesehen haben.

Genau darin liegt das Problem. Das größte Hindernis beim heutigen Betrachten des Bauhauses ist ausgerechnet der Erfolg seines Einflusses. Wenn eine revolutionäre Sprache hundert Jahre lang weltweit verwendet wird, wird sie allmählich zum Hintergrund. Die Perspektiven, die wir für selbstverständlich halten, existierten in den 1920er Jahren schlicht nicht. Glasfassaden, freie Grundrisse, schmucklose weiße Wände, industriell gefertigte Möbel, Stahlrohrstühle, funktionale Studentenwohnheime und die Diskussion von Raum ausgehend vom menschlichen Körper und seinen Nutzungsbedürfnissen mögen heute sogar übermäßig sauber erscheinen. Vor hundert Jahren stellten sie die bestehende Ordnung infrage.

So verstand ich allmählich, dass der Zweck einer Reise nach Dessau nicht beim „Bauhaus anschauen“ enden kann. Wirklich zu sehen ist, welche Bedingungen eine Stadt bereitstellte, als eine bestimmte Idee zum ersten Mal körperliche Gestalt annahm.

Zu meiner eigenen Entwicklung führt von hier eine lange Linie. Als ich an der Oberschule Gebrauchsgrafik lernte, war das Bauhaus längst in meinen Körper eingegangen, ohne dass ich es mit siebzehn wusste. Mit Plakatfarben zeichneten wir Johannes Ittens zwölfteiligen Farbkreis und untersuchten Primärfarben, Komplementärfarben, Helligkeit, Sättigung und Farbbeziehungen. Itten leitete am frühen Bauhaus den Vorkurs; diese Ausbildung wurde später zum Vorbild der modernen gestalterischen Grundlagenausbildung.

Es war eine Zeit, in der alles von Hand geschah. War eine Farbe falsch gemischt, begann man von vorn. War eine Linie schief, zeichnete man sie neu. Feld für Feld wurde langsam ausgemalt. Damals wusste ich überhaupt nicht, wer Johannes Itten war. Noch weniger verstand ich, warum ein Lehrer, der zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts in Europa gestalterische Grundlagen unterrichtete, Jahrzehnte später durch die Verbreitung moderner Designausbildung in der Farbpalette eines siebzehnjährigen taiwanischen Kunstschülers auftauchen würde. Ich wusste nur, dass die Lehrkraft uns zeichnen ließ, dass es geprüft wurde und dass Farbenlehre eben so funktionierte.

Erst viele Jahre später erkannte ich im Rückblick, dass unsere Ausbildung in Gestaltung, Farbe und Design bereits die Spuren der langen Verbreitung moderner Designpädagogik des zwanzigsten Jahrhunderts trug. Ideen verbreiten sich manchmal auf seltsame Weise. Noch bevor man weiß, woher sie kommen, sind sie bereits zur eigenen Methode geworden.

Mit siebzehn klang „Bauhaus“ geheimnisvoll und fern. Im Lehrbuch standen nur wenige Schwarzweißfotografien: Walter Gropius, Johannes Itten, Kandinsky, Klee. Die Namen ließen sich merken, doch die Welt dahinter nicht zusammensetzen. Im Architekturgeschichtsstudium tauchte Walter Gropius erneut auf, diesmal an einer entscheidenden Stelle der Geschichte moderner Architektur. Wir recherchierten, zeichneten und bauten Modelle. Wir kannten die Bedeutung des Gebäudes und wussten, wofür seine Formensprache stand. Vom wirklichen Verständnis waren wir dennoch weit entfernt. Ein Grundriss erzählt nichts vom Wind in Dessau, eine Ansicht nichts vom Abstand zwischen Gebäude und Straße, und ein Schnitt kann nicht vollständig erklären, warum eine Gruppe von Menschen damals plötzlich glaubte, das menschliche Leben tatsächlich neu entwerfen zu können.

Deshalb bin ich später immer wieder gereist. Am Ende der Kunstgeschichte

muss man den wirklichen Ort betreten. Am Ende der Architekturgeschichte muss man ihn einmal mit dem eigenen Körper vermessen.

Später fuhr ich auch nach Weimar und kehrte damit zu einem früheren Ausgangspunkt des Bauhauses zurück. Erst dann setzte sich die in den Lehrbüchern verstreute Zeitlinie langsam zusammen: Weimar, Dessau, Berlin. Tatsächlich war es eine Schule, die von Politik, Institutionen und Zeitumständen ständig weitergetrieben wurde. In vierzehn Jahren wechselte sie dreimal die Leitung, und jeder Übergang brachte eine Veränderung von Richtung und Druck.

Was wir heute als „Bauhausmythos“ sehen, war damals vielleicht nur eine Gruppe von Menschen, die fortwährend Konflikte zwischen Finanzierung, Politik, Raum, Lehrplan, Material, Produktion und Idealen bewältigte. Legenden entstehen oft erst, wenn alles vorbei ist. Wer darin lebte, fand den Alltag vermutlich einfach mühsam. Gerade deshalb gefällt mir das Bauhaus noch mehr, denn wirkliche Reformen sind selten so sauber wie ein Manifest.

Als ich Dessau hundert Jahre später erneut durchquerte, stellte ich mir immer wieder eine andere Frage: Wie viel Experimentiergeist ist heute noch in der Stadt vorhanden, und wie viel ist nur noch das gewaltige Kulturerbe namens Bauhaus?

Wenn eine Stadt über Kulturerbe von Weltrang verfügt, beginnt sie leicht, von der Vergangenheit zu leben. Bewahren. Restaurieren. Führungen. Museen. Souvenirs. Tourismus. So wird das Experiment von vor hundert Jahren allmählich zum Ausstellungsstück hundert Jahre später. Die Bauhausbauten wurden 1996 in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen. Dieser Gefahr begegnet jede Kulturerbestadt.

Eine andere Antwort Dessaus fand ich jedoch in einem Gebäude ohne direkte Verbindung zum Bauhaus: dem Hauptsitz des deutschen Umweltbundesamtes. Neben dem Bauhausensemble ist es das Gebäude in Dessau, das mich am stärksten beeindruckte.

Es liegt nahe am Hauptbahnhof. Der riesige Baukörper entfaltet sich in geschwungener Form. Farbige Fassaden, ein öffentliches Atrium, Umweltsteuerung, Energiesysteme und Landschaft bilden gemeinsam eine Architektursprache, die sich völlig von der klassischen weißen Geometrie des Bauhauses unterscheidet.

In den 1990er Jahren beschloss die Bundesregierung, das Umweltbundesamt nach Dessau zu verlegen. Als Standort wurde das Gasviertel nahe dem Bahnhof gewählt, ein ehemaliges Industriegebiet. 1998 gewann das Berliner Büro Sauerbruch Hutton den internationalen Wettbewerb; 2005 wurde der neue Hauptsitz eröffnet. Das Gelände war von industrieller Verschmutzung und verlassenen Fabriken geprägt. Die Baumaßnahmen umfassten die Sanierung von Boden und Grundwasser, während das neue Bürogebäude bereits im Wettbewerb als Modellprojekt ökologischer Bundesbauten konzipiert wurde.

Plötzlich erschien mir das sehr typisch für Dessau. In den 1920er Jahren ließ die Stadt Künstler, Architekten und Handwerker hier erproben, „wie man im Industriezeitalter leben sollte“. Mehr als siebzig Jahre später erprobte sie auf altem Industriegelände, „wie man im Umweltzeitalter bauen sollte“.

Die Fragen hatten sich verändert. Das Versuchsfeld war geblieben. Das Bauhaus beschäftigte sich einst mit Maschinen, Massenproduktion, Wohnungsbau und moderner Stadt. Das Umweltbundesamt befasst sich mit Energie, Verschmutzung, Flächenregeneration, Nachhaltigkeit und Umweltpolitik. Die Architektursprache beider Epochen ist völlig verschieden, doch dahinter verläuft eine interessante gemeinsame Linie. Jede Zeit muss neu beantworten: Vor welchen Problemen stehen wir? Wie sollen wir leben? Was kann Architektur leisten? Wie viel Raum ist eine Stadt bereit, neuen Ideen zu geben?

Ist das Bauhaus also hundert Jahre später noch immer die beste Designausbildung? Ich möchte es heute nicht mehr besonders gern in eine Rangfolge setzen, denn bereits die Frage verrät unsere Abhängigkeit von Klassikern.

Was wirklich bewahrenswert ist, steckt vielleicht weder in den weißen Gebäuden noch im zwölfteiligen Farbkreis. Geblieben ist eine Haltung. Bildung lässt sich neu gestalten. Kunst kann die Leinwand verlassen. Design kann in die Produktion eintreten. Architektur kann gesellschaftliche Probleme bearbeiten. Eine Stadt kann zum Versuchsfeld werden. Studierende können an einer neuen Welt teilnehmen, während sie erst entsteht. Diese Vorstellungen besitzen bis heute Kraft.

Wenn wir jedoch hundert Jahre später lediglich nach Bauhausvorbild dieselben Kompositionen lehren, dieselbe Geometrie besprechen und dieselben Schriften nachahmen, wird die einst radikalste Ausbildung zur konservativsten. Das Bauhaus wirklich zu beerben sollte bedeuten, weiterhin das umzustürzen, was wir heute für selbstverständlich halten – so wie die Menschen von 1925.

Manchmal denke ich an mein siebzehnjähriges Ich zurück, das mit Plakatfarben den zwölfteiligen Farbkreis malte. Hätte mir damals jemand gesagt, dass ich Jahre später wirklich in Dessau stehen und mit einer Karte Gebäude für Gebäude aus dem Lehrbuch suchen würde, hätte ich es mir kaum vorstellen können. Noch weniger hätte ich gewusst, dass ich eines Tages erneut fragen würde: „Und dann?“

Dieses „Und dann?“ ist vielleicht wichtiger als die Pilgerfahrt selbst. Eine Pilgerfahrt bestätigt die Größe der Vorgänger. Am Ende einer Reise sollte man beginnen, ein eigenes Urteil zu bilden.

Ich hatte alle Punkte abgelaufen, manche Neugier befriedigt und manche Mythen losgelassen. Ich fragte mich, ob diese Stadt noch irgendein Bedauern hinterlassen hatte. Offenbar nicht. Ich hatte gesehen, was zu sehen war, und war gegangen, wohin ich gehen musste. Was wirklich blieb, war eine neue Frage.

Dessau hatte in den 1920er Jahren Gropius, Itten, Klee, Kandinsky, Moholy-Nagy, Hannes Meyer und Mies van der Rohe, dazu Kommunalpolitik, Industrieunternehmen, Handwerker und Studierende, die gemeinsam eine Stadt vorantrieben. Im einundzwanzigsten Jahrhundert übernahmen Umweltbundesamt, Architektinnen und Architekten, Ingenieurinnen und Ingenieure, Umweltwissenschaft und Stadtverwaltung eine andere Form des Experiments.

Und was ist mit unserer Zeit? Wenn Menschen in hundert Jahren auf 2026 zurückblicken, an wen werden sie sich erinnern? Künstliche Intelligenz, ökologische Krise, automatisierte Fertigung, Energiewende und demografischer Wandel schreiben unser Verständnis von Stadt, Kunst und Design neu.

Vielleicht war das, was sich wirklich vom Bauhaus mitnehmen lässt, nie eine bestimmte Form. Es ist eine Sensibilität für die eigene Zeit: zu erkennen, dass alte Methoden neue Probleme nicht mehr beantworten, und dennoch bereit zu sein, eine neue Methode zu entwerfen.

Vor hundert Jahren gab Dessau dieser Gruppe von Menschen zufällig eine Gelegenheit. Wenn ich heute zwischen diesen Gebäuden stehe, frage ich nicht mehr nur, was das Bauhaus hinterlassen hat. Ich frage mich, was unsere Generation hinterlassen will.


2026年8月30日 星期日

城市‧土地‧文化敘事(二十五) 威尼斯的城市隙縫中找到光

 威尼斯的城市隙縫中找到光

這些年的書寫,對我而言越來越像一場關於自己人生的策展。我重新翻看曾經走過的城市、看過的建築、遇見的人,以及某些當年沒有特別意識到的重要瞬間。時間已經過去,真正能取回的往往只剩片段,我不可能完整重建當時的自己,也不可能再次看見那一天真正的光線,然而記憶的隙縫本身,也許就是一座寶庫。
漫長的時間裡,我總想從某個縫隙鑿回過去,讓那些曾經照亮我的光,再一次透進心裡那座沉睡已久的教堂。想到一件事,我就把其中一個盒子打開,看幾眼。有些盒子裡是一座城市,有些是一個人,有些只剩一道光。而在威尼斯的盒子裡,卡羅・斯卡帕(Carlo Scarpa)始終是一個關鍵人物,是喜歡,是佩服,也是某種仰望。只是要重新談他,我必須先縫補自己的記憶,因為我的威尼斯從來沒有只發生在一次旅行裡。
我曾經幾次去到威尼斯,每一次目的都不同。最早是好奇,後來是建築研究,再後來逐漸變成帶著問題去旅行,從單純觀看走到尋找線索,再走到試圖驗證自己對空間的理解。威尼斯建築雙年展,大概是每一個學建築的人都曾經想像過的朝聖行程,我也去了三次。然而多年之後,真正留在我腦海裡的,反而不完全是雙年展本身,是那些街道、廣場、窄巷、水面,是牆與牆之間留下的縫隙,以及一棟建築進入另一個空間之前,那個很難被畫在平面圖上的交會點。
我很喜歡在威尼斯沒有目的地走路。穿過狹窄的巷弄,再突然進入一座廣場,從陰暗空間走出來,一瞬間看見水面,在兩面高牆之間前進,天空只剩下一條細長的藍色裂縫。表面上是漫無目的的探險,其實我一直在驗證某些空間理論,從一口井、一座雕像或一座鐘塔望出去,走近之後空間轉折,新的視線再次打開,城市因此形成一連串視覺交會點。地圖畫得出這些節點的位置,卻畫不出巷弄的寬窄、牆面的高度、腳步的速度,以及從黑暗突然走進光裡的那個瞬間,這些細節後來我竟然也在斯卡帕的作品裡重新讀到。

他一九〇六年生於威尼斯,這座城市本身就是他最早也最完整的空間教育,不用巨大的軸線把城市一次攤開給你看,而是要求人移動、轉彎、靠近、等待,才揭露下一個畫面。他的建築也經常如此,牆面只打開一個洞口,門不一定放在正中央,階梯可能突然改變方向,兩種材料相遇時中間刻意留下一道縫,水、金屬、混凝土、石材、光線彼此保持距離,又被精準安排在同一個畫面裡。
一九六一到一九六三年,他在卡斯泰洛區的奎里尼・斯坦帕利亞基金會(Fondazione Querini Stampalia),把原本面向一條窄巷、常年被潮水灌進來的入口,改成一座跨越小水道的橋,讓人從聖瑪利亞福爾摩沙廣場直接走進來。他沒有把潮水擋在門外,反而設計了一整套黃銅與鐵柵組成的水門,漲潮時讓海水按照他規定的路線流進大廳,退潮時再退出去,整層地面因此變成一座會呼吸的淺水景觀。這件事我後來才真正想通,威尼斯教給他的不是怎麼防守,是怎麼把這座城市最麻煩的變動條件,也精準算進固定設計裡,讓潮水成為空間的一部分,不是空間要對抗的敵人。

我甚至會懷疑,這種近乎固執的觀看方式,是不是某種極度精準的數學公式。城市生活當然很難被計算,人的速度、情緒、目的與選擇每一天都不同,但場景可以被控制,洞口可以決定視野,牆可以改變動線,高度可以控制人看到多少天空。空間裡因此有兩種力量,一種是固定的,建築、牆體、洞口、階梯、尺度、材料,另一種是變動的,行走的人、水面的反光、天氣、聲音、植物、時間。這正是斯卡帕最吸引我的地方,他沒有試圖把所有事情完全控制,他精準設計固定的那一半,把變動的那一半交給時間。水會流動,光會移動,金屬會氧化,人的視線也會改變。建築因此永遠沒有真正完成。

其中一次威尼斯旅行,我遇見了一位正在米蘭理工讀建築的中國學生,我們只是旅途中萍水相逢的旅伴,卻剛好有相似的目的,像兩個建築學生進行自己的修行。後來我們一起去看斯卡帕設計的布里昂墓園,那趟行程原本甚至不在我的計畫裡,旅行有時候就是如此,真正影響你很久的事情,經常發生在計畫之外。這座墓園是斯卡帕一九六八年接下的委託,布里昂維加公司創辦人朱塞佩・布里昂過世後,遺孀奧諾莉娜委託他為家族擴建墓地,他花了整整十年,把一塊L形的用地做成一座密度極高的空間,直到一九七八年完工前夕,他自己在日本的一場意外中過世,最後依照遺願,站著葬在這座墓園圍牆外一個不起眼的角落,裹著亞麻布。
我們離開威尼斯,前往墓園,從城市裡密集的巷弄、水道與人群,進入另一個完全不同的世界,混凝土、水池、草地、幾何洞口與天空。在那裡,我再次感受到斯卡帕對觀看位置近乎偏執的控制,你必須站在某個地方,走到某個角度,透過某個洞口,完整的關係才會突然出現。這件事情後來也進入我的創作,我開始把空間視為一種需要被解碼的東西,觀看從來不是中性的,站在哪裡,看見什麼,被遮住什麼,又在走了幾步之後突然看見什麼,全部都會改變一件作品。

所以我開始思考一個問題,古典空間之所以令人感到舒服,究竟來自什麼,比例、尺度、視線、節奏,還是一代又一代人在城市生活中累積出的經驗法則。當一個觀看位置被精準設定之後,它是否就是最好的答案。我現在反而不敢這麼確定。斯卡帕的空間有時候甚至帶著一種強迫性,他像是在告訴觀看者,站到這裡,從這裡看,現在你才會看見我想讓你看到的畫面。這很迷人,也值得懷疑,因為空間腳本被最佳化的同時,也可能形成某種觀點的強制縫合。建築師設定了觀看方式,但人在城市裡總會逃離劇本,有人停下來,有人走錯方向,有人根本沒有發現那個洞口,有人只顧著和朋友說話。也許真正有趣的空間,就存在於設計者精準的意圖,與使用者不可預測的行動之間。

多年以後,我重新回想威尼斯,才發現自己當時其實一直在做同一件事,觀測。我帶著建築史、藝術史、城市史,以及事先整理好的資料走進城市,那些理論到底還有沒有作用。當真正站在街道裡,答案通常沒有書上那麼乾淨。有些歷史留下來了,有些城市焦點已經改變,過去的紀念物仍然站在那裡,但真正吸引我的,往往是當下正在發生的城市生活。有人在井邊聊天,有人推著菜車經過,孩子突然從巷子跑出來,水面反射著不知道從哪一扇窗照下來的光。我身上準備好的旅遊手冊、分析圖、建築史資料,到了那個時候都退到第二層,它們只是驗證的工具,真正讓我繼續往前走的,一直都是好奇心。

今天回頭看,我甚至覺得斯卡帕留給我的核心,也許已經超越了建築細節本身。他讓我理解了一種觀看城市的方法,不要急著看全貌,先看縫隙,不要急著理解一座城市,先觀察它如何讓你行走。不要只看一棟建築長什麼樣子,看看兩個材料如何相遇,一道牆如何結束,一束光如何進入,一個人走過之後又留下什麼。完整,有時候是一種幻覺,我們真正擁有的,本來就是片段。而我現在所做的這些書寫,也只是試著把散落在不同年份、不同城市、不同人生階段的片段重新排列,像斯卡帕留下的那些縫。縫沒有消失。光正是從那裡進來。

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Licht in den Zwischenräumen Venedigs finden

Mein Schreiben der vergangenen Jahre kommt mir immer mehr wie eine Ausstellungskuration meines eigenen Lebens vor. Ich betrachte noch einmal die Städte, durch die ich gegangen bin, die Gebäude, die ich gesehen habe, die Menschen, denen ich begegnet bin, und manche wichtigen Augenblicke, deren Bedeutung mir damals nicht besonders bewusst war. Die Zeit ist vergangen, und was sich wirklich zurückholen lässt, sind meist nur Fragmente. Ich kann mein damaliges Ich nicht vollständig rekonstruieren und auch das wirkliche Licht jenes Tages nicht noch einmal sehen. Doch vielleicht sind gerade die Lücken der Erinnerung eine Schatzkammer.

Im Lauf der langen Zeit wollte ich mich immer durch irgendeine Öffnung in die Vergangenheit zurückarbeiten, damit das Licht, das mich einst erhellte, wieder in jene seit Langem schlafende Kathedrale in meinem Inneren fällt. Wenn mir etwas einfällt, öffne ich eine der Schachteln und werfe einen Blick hinein. Manche enthalten eine Stadt, manche einen Menschen, in manchen ist nur noch ein Lichtstrahl geblieben. In der Schachtel Venedig ist Carlo Scarpa stets eine Schlüsselfigur: jemand, den ich mag, bewundere und zu dem ich in gewisser Weise aufblicke. Doch um erneut von ihm zu sprechen, muss ich zuerst meine Erinnerung vernähen, denn mein Venedig hat sich nie nur auf einer einzigen Reise ereignet.

Ich war mehrmals in Venedig, jedes Mal mit einem anderen Ziel. Zuerst war es Neugier, später Architekturforschung, und danach reiste ich zunehmend mit Fragen. Vom bloßen Schauen ging ich zum Suchen nach Spuren und schließlich zum Versuch über, mein eigenes Verständnis von Raum zu überprüfen. Die Architekturbiennale in Venedig ist wohl eine Pilgerfahrt, die sich jeder Mensch im Architekturstudium einmal vorgestellt hat; ich besuchte sie dreimal. Doch viele Jahre später ist mir nicht ausschließlich die Biennale selbst im Gedächtnis geblieben, sondern jene Straßen, Plätze, schmalen Gassen und Wasserflächen, die Zwischenräume von Wand zu Wand und jener schwer in einen Grundriss einzuzeichnende Berührungspunkt, bevor ein Gebäude in einen anderen Raum übergeht.

Ich gehe sehr gern ohne Ziel durch Venedig. Man durchquert eine schmale Gasse und tritt plötzlich auf einen Platz, kommt aus einem dunklen Raum und sieht im nächsten Augenblick das Wasser, bewegt sich zwischen zwei hohen Wänden, während vom Himmel nur ein schmaler blauer Riss bleibt. Oberflächlich ist es eine ziellose Erkundung, tatsächlich überprüfe ich dabei ständig bestimmte Raumtheorien. Von einem Brunnen, einer Skulptur oder einem Glockenturm blickt man hinaus; beim Näherkommen knickt der Raum ab und eine neue Sichtachse öffnet sich. So bildet die Stadt eine Folge visueller Kreuzungspunkte. Eine Karte kann die Lage dieser Knoten zeigen, nicht aber die wechselnde Breite der Gassen, die Höhe der Wände, das Tempo der Schritte oder jenen Augenblick, in dem man plötzlich aus der Dunkelheit ins Licht tritt. Später las ich zu meiner eigenen Überraschung genau diese Details in Scarpas Arbeiten wieder.

Er wurde 1906 in Venedig geboren. Die Stadt selbst war seine früheste und vollständigste räumliche Ausbildung. Sie breitet sich nicht entlang einer gewaltigen Achse auf einmal vor einem aus, sondern verlangt Bewegung, Wendung, Annäherung und Warten, bevor sie das nächste Bild enthüllt. Auch seine Architektur funktioniert häufig so. Eine Wand öffnet nur eine einzige Durchbrechung; eine Tür liegt nicht unbedingt in der Mitte; eine Treppe kann plötzlich ihre Richtung ändern; und wenn zwei Materialien zusammentreffen, bleibt bewusst eine Fuge zwischen ihnen. Wasser, Metall, Beton, Stein und Licht halten Abstand voneinander und werden dennoch präzise in demselben Bild angeordnet.

Zwischen 1961 und 1963 verwandelte Scarpa in der Fondazione Querini Stampalia im Stadtteil Castello einen Eingang, der zu einer engen Gasse lag und regelmäßig vom Hochwasser überspült wurde, in eine Brücke über einen kleinen Kanal. So konnte man direkt vom Campo Santa Maria Formosa eintreten. Er hielt die Flut nicht draußen, sondern entwarf ein ganzes System von Wassertoren aus Messing und Eisengittern. Bei Hochwasser strömt das Meer auf einer von ihm festgelegten Route in die Halle und zieht sich bei sinkendem Pegel wieder zurück. Der gesamte Boden wird dadurch zu einer atmenden, flachen Wasserlandschaft. Erst später verstand ich wirklich: Venedig lehrte ihn nicht, wie man sich verteidigt, sondern wie man selbst die schwierigsten veränderlichen Bedingungen dieser Stadt präzise in einen festen Entwurf einrechnet. Die Flut wird Teil des Raums und nicht zu einem Feind, gegen den der Raum kämpfen muss.

Manchmal frage ich mich sogar, ob diese beinahe eigensinnige Art des Sehens nicht einer äußerst präzisen mathematischen Formel gleicht. Städtisches Leben lässt sich natürlich nur schwer berechnen. Geschwindigkeit, Gefühle, Absichten und Entscheidungen der Menschen verändern sich täglich. Eine Szene jedoch lässt sich steuern: Eine Öffnung bestimmt das Blickfeld, eine Wand verändert den Weg, eine Höhe entscheidet, wie viel Himmel sichtbar ist. Im Raum wirken deshalb zwei Kräfte. Die eine ist fest: Gebäude, Wände, Öffnungen, Treppen, Maßstab und Materialien. Die andere verändert sich: gehende Menschen, Spiegelungen auf dem Wasser, Wetter, Klang, Pflanzen und Zeit. Genau das zieht mich an Scarpa besonders an. Er versuchte nicht, alles vollständig zu kontrollieren. Die feste Hälfte entwarf er präzise, die veränderliche übergab er der Zeit. Wasser fließt, Licht wandert, Metall oxidiert, und auch der Blick der Menschen verändert sich. Architektur ist deshalb niemals wirklich abgeschlossen.

Auf einer meiner Reisen nach Venedig begegnete ich einem chinesischen Studenten, der am Polytechnikum Mailand Architektur studierte. Wir waren lediglich zufällige Reisegefährten, hatten aber ähnliche Ziele, wie zwei Architekturstudenten auf einer eigenen Übung der Selbstdisziplin. Später besuchten wir gemeinsam die von Scarpa entworfene Brion-Grabstätte, obwohl dieser Ausflug ursprünglich nicht einmal vorgesehen war. Reisen funktionieren manchmal so: Was einen lange beeinflusst, geschieht häufig außerhalb des Plans. Scarpa erhielt den Auftrag für die Anlage 1968. Nach dem Tod von Giuseppe Brion, dem Gründer des Unternehmens Brionvega, beauftragte ihn dessen Witwe Onorina mit der Erweiterung der Familiengrabstätte. Zehn Jahre lang verwandelte er ein L-förmiges Grundstück in einen Raum von außerordentlicher Dichte. Kurz vor der Fertigstellung 1978 starb er selbst durch einen Unfall in Japan. Seinem Wunsch entsprechend wurde er schließlich, in Leinen gehüllt und aufrecht stehend, in einer unscheinbaren Ecke außerhalb der Friedhofsmauer beigesetzt.

Wir verließen Venedig und fuhren zur Grabstätte. Aus den dichten Gassen, Wasserwegen und Menschenmengen der Stadt gelangten wir in eine vollkommen andere Welt aus Beton, Wasserbecken, Rasen, geometrischen Öffnungen und Himmel. Dort spürte ich erneut Scarpas beinahe obsessive Kontrolle über den Standort des Blicks. Man muss an einer bestimmten Stelle stehen, einen bestimmten Winkel erreichen und durch eine bestimmte Öffnung schauen, bevor die vollständige Beziehung plötzlich sichtbar wird. Später ging dies auch in meine eigene Arbeit ein. Ich begann, Raum als etwas zu verstehen, das entschlüsselt werden muss. Sehen ist niemals neutral: Wo man steht, was man sieht, was verdeckt bleibt und was nach einigen Schritten plötzlich auftaucht, verändert ein Werk vollständig.

So begann ich über eine Frage nachzudenken: Woher kommt das angenehme Gefühl klassischer Räume? Aus Proportion, Maßstab, Blickführung und Rhythmus oder aus Erfahrungsregeln, die Generation um Generation im städtischen Leben gesammelt hat? Ist eine präzise festgelegte Blickposition automatisch die beste Antwort? Heute bin ich mir dessen weniger sicher. Scarpas Räume besitzen manchmal sogar etwas Zwingendes. Es ist, als sage er den Betrachtenden: Stell dich hierhin, schau von hier; erst jetzt siehst du das Bild, das ich dir zeigen will. Das ist faszinierend und zugleich hinterfragbar, denn mit der Optimierung des räumlichen Drehbuchs kann auch ein bestimmter Standpunkt gewaltsam festgeschrieben werden. Architektinnen und Architekten legen Sehweisen fest, doch Menschen in der Stadt entkommen dem Skript immer. Manche bleiben stehen, manche gehen in die falsche Richtung, manche bemerken die Öffnung gar nicht, und manche sprechen einfach nur mit Freunden. Vielleicht entsteht wirklich interessanter Raum zwischen der präzisen Absicht der Entwerfenden und dem unvorhersehbaren Handeln der Nutzenden.

Als ich viele Jahre später an Venedig zurückdachte, erkannte ich, dass ich damals eigentlich ständig dasselbe getan hatte: beobachten. Mit Architekturgeschichte, Kunstgeschichte, Stadtgeschichte und zuvor zusammengestellten Informationen ging ich in die Stadt und fragte, ob diese Theorien dort noch funktionierten. Sobald man tatsächlich auf der Straße steht, sind die Antworten gewöhnlich nicht so sauber wie in Büchern. Manche Geschichte ist geblieben, manche städtischen Schwerpunkte haben sich verschoben. Die Denkmäler der Vergangenheit stehen noch da, doch mich zog meist das gegenwärtige Stadtleben an. Menschen unterhielten sich an einem Brunnen, jemand schob einen Gemüsekarren vorbei, ein Kind rannte plötzlich aus einer Gasse, und das Wasser spiegelte Licht, das aus einem unbekannten Fenster fiel. Reiseführer, Analysediagramme und Architekturgeschichte, die ich vorbereitet hatte, traten nun in den Hintergrund. Sie waren nur Werkzeuge der Überprüfung. Was mich wirklich weitergehen ließ, war stets die Neugier.

Wenn ich heute zurückblicke, scheint mir sogar, dass das Wesentliche, das Scarpa mir hinterlassen hat, über die architektonischen Details selbst hinausgeht. Er lehrte mich eine Methode, Städte zu betrachten: nicht sofort das Ganze sehen wollen, sondern zuerst die Zwischenräume; nicht vorschnell eine Stadt verstehen wollen, sondern beobachten, wie sie einen zum Gehen bringt. Nicht nur anschauen, wie ein Gebäude aussieht, sondern wie zwei Materialien zusammentreffen, wie eine Wand endet, wie ein Lichtstrahl eintritt und was bleibt, nachdem ein Mensch vorübergegangen ist. Vollständigkeit ist manchmal eine Illusion. Was wir wirklich besitzen, sind von Anfang an Fragmente. Mein heutiges Schreiben versucht lediglich, Fragmente aus verschiedenen Jahren, Städten und Lebensphasen neu zu ordnen, wie jene Fugen, die Scarpa hinterließ. Die Zwischenräume sind nicht verschwunden. Genau dort tritt das Licht ein.

2026年8月28日 星期五

城市‧土地‧文化敘事(二十四) 閱讀維也納從一張郵票開始

閱讀維也納從一張郵票開始

奧托・華格納、郵政儲蓄銀行與我的城市座標


我與維也納的關係,早在真正抵達以前便已開始。最初的座標是一本《世紀末的維也納》。那本書讓我開始好奇,為什麼同一座城市、同一個時代,可以同時孕育如此多改變後世的思想與藝術。後來,我又遇見克林姆的畫冊。那些人物、金色、裝飾與慾望,讓維也納從書頁上的地名,逐漸變成一座我想親自走進去的城市。

我一直想知道,究竟是什麼樣的政治、社會與城市環境,才能讓克林姆、奧托・華格納,以及整個維也納現代主義在同一時代出現。好奇心慢慢變成一個願望:有一天,我一定要去看看。

多年後,我到德國留學。往後許多暑假,我都會前往維也納旅行、看展覽與步行。每一次停留都不算長,卻一次次累積成我與這座城市的關係。

每到一個陌生國家,我都有一項固定儀式:到當地郵局挑選郵票。郵票是一個國家正式發行的微型圖像。上面選擇什麼人物、建築、藝術、植物或歷史事件,都透露了這個國家如何理解自己。它比明信片更接近一種被認可的時代精神,也像一座可以放進口袋裡的小型博物館。

與郵票並列的另一個維也納座標,是奧托・華格納設計的奧地利郵政儲蓄銀行。念建築史時,我已經知道這棟建築的重要性。書本會告訴我它的年代、材料、玻璃大廳、鋁製構件,以及它如何站在維也納分離派與現代建築之間。然而,建築史只能提供名稱與知識,身體進入空間之後,閱讀才真正完成。

站在銀行大廳裡,我第一次直接感受到華格納如何處理光、尺度、秩序與人的移動。玻璃將光線柔和地帶入室內,鋁、大理石與金屬構件共同形成冷靜而明亮的空間。那裡曾經處理金錢、文件與行政流程,華格納卻讓這些日常機能擁有近乎神聖的氣氛。

也許這是念建築的人共有的習慣。到達一棟重要建築後,拍照、記錄、等待與停留都成了必要行為。我會反覆觀看光線如何移動,人在空間裡如何變小,材料如何因距離改變表情。那是一種略顯固執的測量,也是一種用身體記憶建築的方法。多年後,我已經記不清當時拍攝照片的順序,卻仍記得銀行大廳裡的光。它落在玻璃、鋁與白色表面上,像是建築仍保存著華格納留下的餘溫。

華格納對我的影響,留在一種創作方法裡。他將銀行的工作流程、採光、通風、耐用性與維護需求轉化為建築形式。一顆固定點、一張椅子、一個出風口與一片玻璃,都屬於同一套空間邏輯。

後來,當我以空間藝術家的身分處理公共藝術與場域創作時,也逐漸理解這種方法。我的工作同樣從基地、人流、觀看位置、尺度、材料與光線開始。華格納面對的是奧匈帝國的金融與行政系統;我面對的是當代台灣的公共空間、地方文化與使用者。課題不同,方法相通:先讀懂時代與場域,再讓形式出現。

一張郵票將國家的精神壓縮在幾平方公分之中;一棟郵政儲蓄銀行則把制度放大成人可以進入、行走與感受的空間。郵票與銀行因此產生一條隱約的連線,也串起我與維也納、華格納及建築之間的關係。

那些在維也納買下的郵票,最後沒有貼上信封,也沒有寄往遠方。我一直保存著它們,知道有一天,自己會為此書寫些什麼。那時的我仍未準備好,它們便像一封尚未完成的信,安靜等待十多年後的我回頭落筆。

當時也曾出現前往維也納交換學習的可能,命運最後沒有把我留在那裡。於是,我與維也納的關係,成為一次次短暫旅行、展覽觀看與城市探險的累積。

我總會先到旅遊中心索取一張城市地圖,再展開當天的行程。走過的路線用螢光筆標記,重要的建築、博物館與地點則畫圈、打叉。那張地圖被反覆展開、折疊與縫補,最後幾乎被我翻爛。

它已經失去作為普通地圖的完整性,卻逐漸變成一張屬於我的維也納。那些線條記錄我真正走過的地方,空白處則留下來不及抵達的選擇。短暫停留永遠伴隨取捨,每一次畫圈,也意味著放棄另一個方向。十多年後回頭看,那些選擇依然值得。

維也納對我而言,始終是一座尚未完成的城市。一本書開啟想像,一張郵票保存時代,一張被翻爛的地圖記錄身體走過的路,而奧托・華格納的郵政儲蓄銀行,則成為我理解建築、城市與自身創作方法的重要座標。

郵票仍然沒有寄出,地圖可能已經破損,銀行大廳裡的光卻依然留在心中。如今寫下這些文字,像是終於把那封等待多年的信寄回維也納,也把當年還沒有準備好的自己,交給現在的我。

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Wien lesen beginnt mit einer Briefmarke


Otto Wagner, die Postsparkasse und meine Koordinaten in der Stadt

Meine Beziehung zu Wien begann lange vor meiner tatsächlichen Ankunft. Der erste Bezugspunkt war ein Exemplar von Wien um 1900. Dieses Buch ließ mich fragen, warum dieselbe Stadt in derselben Epoche so viele Gedanken und Kunstformen hervorbringen konnte, die spätere Generationen verändern sollten. Später begegnete ich einem Bildband über Klimt. Seine Figuren, das Gold, die Ornamente und das Begehren verwandelten Wien allmählich von einem Ortsnamen auf einer Buchseite in eine Stadt, die ich selbst betreten wollte.

Ich wollte immer wissen, welche politische, gesellschaftliche und städtische Umgebung Klimt, Otto Wagner und die gesamte Wiener Moderne zur selben Zeit entstehen ließ. Aus Neugier wurde langsam ein Wunsch: Eines Tages musste ich selbst dorthin fahren.

Viele Jahre später ging ich zum Studium nach Deutschland. In zahlreichen Sommern reiste ich anschließend nach Wien, um Ausstellungen zu sehen und die Stadt zu Fuß zu erkunden. Kein Aufenthalt dauerte lange, doch jeder fügte meiner Beziehung zu dieser Stadt eine weitere Schicht hinzu.

Wenn ich in ein mir unbekanntes Land komme, folge ich stets demselben Ritual: Ich gehe zur örtlichen Post und suche Briefmarken aus. Eine Briefmarke ist ein offiziell von einem Staat herausgegebenes Bild im Kleinformat. Welche Personen, Gebäude, Kunstwerke, Pflanzen oder historischen Ereignisse darauf erscheinen, verrät, wie dieses Land sich selbst versteht. Mehr noch als eine Postkarte nähert sie sich einem anerkannten Zeitgeist, wie ein kleines Museum, das in eine Tasche passt.

Ein weiterer Wiener Bezugspunkt neben der Briefmarke ist die von Otto Wagner entworfene Österreichische Postsparkasse. Schon während des Studiums der Architekturgeschichte kannte ich die Bedeutung dieses Gebäudes. Bücher vermitteln sein Entstehungsjahr, seine Materialien, die Glashalle und die Aluminiumbauteile sowie seine Stellung zwischen Wiener Secession und moderner Architektur. Doch Architekturgeschichte liefert nur Namen und Wissen. Erst wenn der Körper den Raum betritt, ist die Lektüre wirklich vollendet.

In der Kassenhalle spürte ich zum ersten Mal unmittelbar, wie Wagner mit Licht, Maßstab, Ordnung und der Bewegung der Menschen umging. Glas führt das Licht sanft in den Innenraum; Aluminium, Marmor und Metallbauteile bilden gemeinsam einen ruhigen und hellen Raum. Dort wurden Geld, Dokumente und Verwaltungsvorgänge bearbeitet, doch Wagner verlieh diesen alltäglichen Funktionen eine beinahe sakrale Atmosphäre.

Vielleicht ist das eine gemeinsame Gewohnheit von Menschen, die Architektur studieren. Sobald man ein wichtiges Gebäude erreicht, werden Fotografieren, Dokumentieren, Warten und Verweilen zu notwendigen Handlungen. Immer wieder beobachte ich, wie das Licht wandert, wie Menschen im Raum kleiner werden und wie Materialien mit der Entfernung ihren Ausdruck verändern. Das ist eine etwas beharrliche Form des Messens und zugleich eine Methode, Architektur mit dem Körper zu erinnern. Viele Jahre später weiß ich nicht mehr, in welcher Reihenfolge ich die Bilder aufgenommen habe. An das Licht in der Kassenhalle erinnere ich mich jedoch noch immer. Es fiel auf Glas, Aluminium und weiße Flächen, als bewahre das Gebäude weiterhin die von Wagner hinterlassene Wärme.

Wagners Einfluss ist mir als künstlerische Methode geblieben. Er übersetzte Arbeitsabläufe, Tageslicht, Belüftung, Dauerhaftigkeit und Wartungsanforderungen der Bank in architektonische Form. Ein Befestigungspunkt, ein Stuhl, eine Lüftungsöffnung und eine Glasscheibe gehören derselben räumlichen Logik an.

Als ich später als Raumkünstler Kunst im öffentlichen Raum und ortsbezogene Arbeiten entwickelte, verstand ich diese Methode zunehmend. Auch meine Arbeit beginnt mit dem Ort, den Bewegungsströmen, den Blickpunkten, dem Maßstab, den Materialien und dem Licht. Wagner stand dem Finanz- und Verwaltungssystem der österreichisch-ungarischen Monarchie gegenüber; ich arbeite mit öffentlichen Räumen, lokalen Kulturen und Nutzenden im heutigen Taiwan. Die Aufgaben unterscheiden sich, die Methode ist verwandt: zuerst Zeit und Ort verstehen, dann die Form entstehen lassen.

Eine Briefmarke verdichtet den Geist eines Staates auf wenige Quadratzentimeter; eine Postsparkasse vergrößert eine Institution zu einem Raum, den Menschen betreten, durchqueren und erfahren können. Briefmarke und Bank bilden dadurch eine leise Verbindung, die mein Verhältnis zu Wien, Wagner und zur Architektur zusammenführt.

Die in Wien gekauften Briefmarken wurden nie auf Umschläge geklebt und nie in die Ferne geschickt. Ich bewahrte sie auf, weil ich wusste, dass ich eines Tages darüber schreiben würde. Damals war ich noch nicht bereit. Wie ein unvollendeter Brief warteten sie still darauf, dass ich mehr als zehn Jahre später zurückkehren und zu schreiben beginnen würde.

Damals bestand auch die Möglichkeit eines Austauschstudiums in Wien, doch das Schicksal ließ mich nicht dortbleiben. Meine Beziehung zu Wien wurde so zu einer Ansammlung kurzer Reisen, Ausstellungsbesuche und städtischer Erkundungen.

Zuerst holte ich mir stets in der Touristeninformation einen Stadtplan und begann dann den Tagesweg. Die zurückgelegten Strecken markierte ich mit einem Leuchtstift; wichtige Gebäude, Museen und Orte wurden eingekreist oder angekreuzt. Der Plan wurde immer wieder geöffnet, gefaltet und ausgebessert, bis ich ihn beinahe vollständig abgenutzt hatte.

Als gewöhnlicher Stadtplan hatte er seine Unversehrtheit verloren, doch allmählich wurde er zu meinem eigenen Wien. Seine Linien zeichneten die Orte auf, die ich tatsächlich durchquert hatte; die leeren Stellen bewahrten die Entscheidungen, für die keine Zeit geblieben war. Kurze Aufenthalte verlangen immer nach Auswahl und Verzicht. Jeder Kreis bedeutet zugleich, eine andere Richtung aufzugeben. Mehr als zehn Jahre später erscheinen mir diese Entscheidungen noch immer richtig.

Für mich ist Wien stets eine unvollendete Stadt geblieben. Ein Buch öffnete die Vorstellung, eine Briefmarke bewahrte eine Epoche, ein abgenutzter Plan zeichnete die Wege des Körpers auf, und Otto Wagners Postsparkasse wurde zu einer wichtigen Koordinate meines Verständnisses von Architektur, Stadt und meiner eigenen künstlerischen Methode.

Die Briefmarke ist noch immer nicht verschickt, der Stadtplan mag inzwischen beschädigt sein, doch das Licht in der Kassenhalle ist in meiner Erinnerung geblieben. Diese Worte jetzt zu schreiben fühlt sich an, als würde ich den lange wartenden Brief endlich nach Wien zurücksenden und zugleich das damalige, noch nicht bereite Selbst dem Menschen übergeben, der ich heute bin.

城市‧土地‧文化敘事(二十三) Albrecht Dürer五百年的餘溫

Albrecht Dürer五百年的餘溫

一座城市需要多久,才能長出自己的文化?

也許五十年,也許一百年。有些城市花了幾百年,讓一個人的名字、作品與生活痕跡慢慢滲進街道、建築、博物館、商店與日常,最後變成這座城市辨識自己的方式。
紐倫堡與阿爾布雷希特・杜勒 Albrecht Dürer,就是這種關係。
杜勒1471年生於紐倫堡,1528年4月6日也死在這裡。他從1509年到1528年居住與工作的房子,至今仍留在帝國城堡下方、Tiergärtnertor旁邊,是北歐少數還大致保存文藝復興原貌的藝術家住宅。

但我真正讀懂他,是在離開那座城市很多年以後。住在紐倫堡的時候,杜勒一直都在我身邊。街道、廣場、城市地圖、博物館、書店、紀念品、海報,連聖誕市集的熱紅酒杯上都印著他。當時我沒有特別意識到這件事,只覺得他本來就屬於這座城市。
回台灣以後,我開始做自己的空間藝術與公共藝術。也是在那個時候,我慢慢發現自己和這個五百年前的人之間,有一條奇怪的線。

最先把我拉回他身邊的,是觀看。杜勒長期研究比例、測量、透視與視覺修正。他想弄清楚一個物體如何被看見,眼睛的位置如何決定圖像,空間又如何透過幾何關係重新被建立起來。

這些問題我太熟悉了。我的作品處理的,同樣是人的觀看位置、空間尺度、造型與視覺修正。一件作品放進公共空間之後,決定它成不成立的,常常已經不在物件本身。人站在多遠看它、從哪個方向接近、移動時形體如何改變、周圍建築又如何參與這個畫面,這些才是真正的變數。

以前協助顏老師在松山火車站製作作品時,用的也是同一套方法。造型必須配合特定視點調整,有些角度甚至要刻意變形,等到人真正站到那個位置,視覺關係才重新對上。

多年後再讀杜勒,我才發現這個問題五百年前已經有人如此認真地處理過。歷史突然從藝術史課本裡走了出來。他研究的事情,正在我的工作裡重新發生一次。於是我開始收藏他的畫冊,重讀他的透視圖、測量方法與比例研究,也重新看見《祈禱之手》這種已經熟悉到失去感覺的圖像。

手因此變成另一個問題。雙手合攏,是祈禱。雙手張開,是迎接、展開、包覆。兩隻手圍成圓形,就可能轉成一種空間,一個入口,甚至一件公共藝術的結構。同一個形象離開原來的宗教脈絡之後,可以在不同時代重新長出意義。

我真正感興趣的東西,也從杜勒「畫了什麼」,慢慢移到他「如何建立觀看世界的方法」。這也讓我重新認識自己住過的紐倫堡。

2012那年紐倫堡藝術學院慶祝創校350週年。學院1662年創立,是德語區歷史最悠久的藝術學院之一。整座城市同時把2012年規劃成「Jahr der Kunst」藝術之年,Germanisches Nationalmuseum也舉辦了當時德國四十年來規模最大的杜勒早期作品展。我記得學校的海報和明信片上,又出現了杜勒那隻兔子。當下沒有任何特別的感覺。現在回頭看,那才是這篇文章真正的起點。
一個1502年畫下的圖像,五百多年後仍然活在一間當代藝術學院的視覺系統裡。學生拿著它,遊客買下它,城市印刷它,商店販售它,博物館重新策展它。它一次又一次離開原作,進入新的物件、新的世代、新的消費、新的記憶。

文化傳承有趣的地方就在這裡。文化認同、城市榮譽與商業價值在這裡纏在一起,很難拆乾淨。一座城市保存杜勒,有藝術史與文化的重量,同時也把他的名字換成觀光、出版、商品、展覽與城市形象。我自己就是這場交換的一部分。我買他的書,收藏他的圖像,走進他的房子,走過以他命名的街道,看他的作品,離開這麼多年之後還在台灣繼續談論他。

如果把文化影響想成一種能量,我覺得它很像餘溫。有一點像遠紅外線。熱源早就離開,能量還在持續向外傳遞。五百年前的一個人死了,他的圖像、方法、名字與思想仍然被這座城市反覆吸收,再重新釋放出去。而我竟然也在這個輻射範圍裡面。

在 St. Johannisfriedhof,聖約翰墓園,這種感覺最強烈。杜勒1528年下葬在這裡,墓園資料至今仍清楚標著墓號 Johannis I / 649。整座墓園本身也保存了大約五百年的紐倫堡記憶。我去過兩次。站在那裡,我真正感受到的其實是時間的尺度。一個人的生命大概只有幾十年。
一塊墓碑、一件作品、一個名字、一套思想,經過城市不斷保存、修復與重新解釋,可以活得比人久很多。那座墓園甚至比很多現代城市空間更精緻。石材、青銅墓誌、植物與路徑都沒有急著告訴你什麼,它們只是安靜地證明,這座城市願意花幾百年照顧自己的記憶。杜勒的墓到今天仍是訪客的重要目的地。十九世紀最早的杜勒紀念活動,甚至直接在他的墓前舉行,後來才慢慢發展成今天市中心的 Albrecht-Dürer-Denkmal。

於是我開始想另一個問題。一座城市的代表人物,究竟是怎麼形成的?我的答案是,那個人的成就只佔一半。另外一半,取決於一座城市願不願意記得他。住宅被留下來。墓地被維護。作品被收藏。研究持續進行。街道被命名。紀念碑被建立。學校重新引用他的圖像。博物館重新研究他的作品。Germanisches Nationalmuseum到今天仍把杜勒放在館藏與研究的核心,包括《查理曼大帝》、Michael Wolgemut 肖像,以及大量素描與版畫研究。

一個人的生命,就是這樣一層一層變成城市的共同記憶。以前讀文藝復興史,我也習慣記住那些巨大的名字。Leonardo、Michelangelo、Raphael、Dürer。

現在我更感興趣的,是名字與名字之間的線。杜勒與拉斐爾彼此知道對方,也欣賞對方的作品。現存史料顯示兩人的圖像確實曾經交流,Albertina 的研究也指出,可以從互相借用的圖像與同時代記錄看見這層關係。

文藝復興於是變成一個網絡。藝術家旅行。圖像移動。版畫流通。書籍交換。思想傳播。技術被模仿。一個人在義大利發明的方法,可能透過圖像抵達紐倫堡。另一個人在紐倫堡刻出的版畫,又流回整個歐洲。

真正被後世傳承下去的,因此是一套系統。觀看的方法。知識交換的方法。藝術家如何建立自己的位置。城市如何保存文化。圖像如何跨越地理。思想如何跨越時間。

而這些事情,最後又慢慢回到我自己身上。這幾年我開始重新整理過去的照片、旅行、作品與文字。我發現記憶和透視非常像。我們以為自己記得一件事。多數時候,我們只是站在某一個位置看它。

時間換了,位置換了,理解也跟著換。住在紐倫堡的時候,我看見的是一座正在生活的城市。離開之後,我看見的是一段人生。現在重讀杜勒,我又看見一套跟自己創作直接有關的方法。

城市沒有改變。改變的是我的觀看位置。所以我現在做的城市書寫,其實是一次重新測量。我在測量自己和一座城市之間的距離,校正那些曾經以為已經理解的事,重新整理散落在不同年份裡的記憶。

杜勒教我修正觀看。書寫讓我開始修正記憶。這兩條線重新交會的時候,我才明白,為什麼離開紐倫堡這麼多年,我還會一次又一次回到那座城市。一座城市真正留在一個人身上的東西,很難在居住的當下看見。有些影響需要離開很久,才會慢慢顯影。我曾經住在杜勒的城市。多年之後才發現,那座城市也參與了我的形成。

今天我重新研究他,同時也在重新閱讀自己。五百年前留下的那一點餘溫,穿過紐倫堡的街道、住宅、墓園、博物館與藝術學院,最後抵達了我的工作室。而我的作品,又會把它帶到哪裡?這才是我現在真正想繼續追下去的問題。

#Deutschland #德國 #紐倫堡 #Nürnberg #Dürer



2026年8月24日 星期一

風跡之庭 / Wind Trace Garden

風跡之庭 Wind Trace Garden

風經過之後不留下自己,只留下痕跡。足球場上最動人的部分同樣看不見。啟動的那半秒、轉身時重心的偏移、射門前身體與空氣短暫的拉扯,這些力量發生了,隨即消散。《風跡之庭》要留住的,正是這段消散。

球場本來就由線構成。邊線、中線、禁區線劃出秩序,也劃出突破與等待。這些線貼在草地上,看起來安靜,實際上規定了每一個人往哪裡跑、在哪裡停。《風跡之庭》把這些力量立起來,讓觀者用身體重新讀一次這座園區。

作品不描寫足球,不塑造球員與球門。它把速度從身體裡取出來,讓速度自己站著。高處的弧梁向前傾,像衝刺時身體離開地面的那一刻。中段的切面被風切開,薄而銳利,收住轉向的猶豫與決斷。低處的形體沉回草地,讓人坐下、倚靠、觀看、談話。動線不封閉,人從任何方向走進來,都會遇到不同的形。

白天,陽光滑過弧面,在草坡上拉出長長的影,像一道還沒落地的球路。日照移動,影子跟著改變,作品因此有了時間。夜裡,光沿著弧線由低而高緩緩亮起,像速度在空氣中留下的餘溫。
留住消散,本身違背消散。作品接受這個矛盾。正因為有一個沉重、不動、需要基礎的量體站在草地上,經過的東西才顯得經過。

足球園區因此多了一種身分。它承載比賽,也開始累積記憶。人從這裡走過、坐下、拍照、等一場雨停,這些日常會慢慢滲進作品裡。風不斷經過,形體留下來,意義由每一次穿越慢慢完成。


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Wind Trace Garden

Wind leaves nothing of itself behind, only traces. What moves us most on a football pitch is invisible in the same way. The half second in which a body sets off, the shift of weight in a turn, the brief pull between body and air before a shot. These forces happen and disperse at once. What Wind Trace Garden holds is exactly that dispersal.

A pitch is already made of lines. Touchline, halfway line and penalty area line draw order, and they draw the break and the wait as well. Lying flat on the grass they look quiet, yet they decide where every person runs and where every person stops. Wind Trace Garden stands these forces upright, so that visitors read this park once more with the body.

The work does not describe football. It builds no players and no goal. It takes speed out of the body and lets speed stand on its own. High up, arced beams lean forward, like the moment the body leaves the ground in a sprint. At mid height, the cut planes are opened by the wind, thin and sharp, holding the hesitation and the resolve of a change of direction. Low down, the forms sink back into the grass, where people sit, lean, watch, talk. The circulation stays open. Whichever direction you enter from, you meet a different form.

By day, sunlight slides across the curved surfaces and pulls long shadows over the grass slope, like the flight of a ball that has not yet come down. The sun moves, the shadows move with it, and in this way the work acquires time. At night, light rises slowly along the curves from low to high, like the warmth speed leaves behind in the air.

To hold dispersal is to go against dispersal. The work accepts this contradiction. Only because something heavy and immobile stands on the grass, resting on its foundation, does what passes appear to pass.

The football park gains another identity. It carries the matches, and it begins to accumulate memory. People walk through, sit down, take photographs, wait for the rain to stop, and this ordinary life seeps slowly into the work. The wind keeps passing, the forms stay, and meaning is completed slowly by every crossing.


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Deutsch

Garten der Windspuren

Der Wind hinterlässt nichts von sich selbst, nur Spuren. Auch auf dem Fußballplatz ist das Bewegendste unsichtbar. Die halbe Sekunde des Antritts, die Verlagerung des Schwerpunkts in der Drehung, das kurze Zerren zwischen Körper und Luft vor dem Schuss. Diese Kräfte entstehen und lösen sich sogleich wieder auf. Was der Garten der Windspuren festhalten will, ist genau dieses Sich-Auflösen.

Ein Spielfeld besteht ohnehin aus Linien. Seitenlinie, Mittellinie und Strafraumgrenze zeichnen die Ordnung, und sie zeichnen ebenso den Durchbruch und das Warten. Flach im Gras liegend wirken sie still, dabei bestimmen sie, wohin jeder läuft und wo jeder stehen bleibt. Der Garten der Windspuren richtet diese Kräfte auf und lässt den Betrachter dieses Gelände noch einmal mit dem Körper lesen.

Die Arbeit beschreibt den Fußball nicht und bildet weder Spieler noch Tor. Sie nimmt die Geschwindigkeit aus dem Körper heraus und lässt sie für sich selbst stehen. Oben neigen sich die Bogenträger nach vorn, wie im Augenblick, in dem sich der Körper beim Sprint vom Boden löst. In mittlerer Höhe sind die Schnittflächen vom Wind aufgeschnitten, dünn und scharf; sie halten das Zögern und die Entschlossenheit der Richtungsänderung fest. Unten sinken die Formen zurück ins Gras, wo man sitzt, sich anlehnt, zusieht, spricht. Die Wegführung bleibt offen. Von welcher Seite man auch eintritt, man trifft auf eine andere Form.

Tagsüber gleitet das Sonnenlicht über die Bogenflächen und zieht lange Schatten über den Grashang, wie die Flugbahn eines Balls, der noch nicht gelandet ist. Die Sonne wandert, die Schatten wandern mit, und so erhält die Arbeit Zeit. Nachts steigt das Licht langsam an den Bögen empor, wie die Restwärme, die Geschwindigkeit in der Luft zurücklässt.

Das Vergehen festhalten zu wollen, widerspricht dem Vergehen selbst. Die Arbeit nimmt diesen Widerspruch an. Erst weil etwas Schweres und Unbewegliches auf seinem Fundament im Gras steht, erscheint das Vorüberziehende als vorüberziehend.

Das Fußballgelände erhält dadurch eine weitere Identität. Es trägt die Spiele und beginnt zugleich, Erinnerung zu sammeln. Menschen gehen hier vorbei, setzen sich, machen Fotos, warten einen Regen ab, und dieser Alltag sickert allmählich in die Arbeit ein. Der Wind zieht immer weiter vorüber, die Formen bleiben, und die Bedeutung vollendet sich langsam mit jeder Durchquerung.