2026年10月27日 星期二

城市‧土地‧文化敘事(壹一七)Zwickau聽見落花的聲音

Zwickau聽見落花的聲音

舒曼與春末的城市記憶落花有聲音嗎?

我想是有的。只是那聲音太過細微,需要一座足夠安靜的城市,也需要一個願意停下腳步的人,才能察覺。那是多年以前,一次前往茨維考(Zwickau)的小旅行,記憶中應該是假日。對於出生在這座城市的羅伯特・舒曼(Robert Schumann),當時的我其實並不熟悉。雖然曾聽過他的《夢幻曲》,對那段溫柔而略帶憂傷的旋律有些印象,卻沒有特別深入認識這位浪漫主義音樂家。當初會來到這裡,或許只是德國旅行途中,想再認識一座陌生的城市。奇妙的是,多年後最先浮現在腦海中的,竟然是一場春末的櫻花雨。


那應該是八重櫻吧花季已經接近尾聲,枝頭卻依然開滿層層疊疊的粉紅色花朵。樹冠向四周伸展,幾乎遮住了整片天空,陽光從花朵與葉片的縫隙落下,在地面形成細碎的光影。露天餐廳擺放著木製桌椅,有些椅子靜靜地空著,桌面、石板地坪與椅背上,都散落著粉紅色的花瓣。那景象像是有人細心安排過的一場空間裝置,卻又自然得令人驚訝。微風吹過,花瓣緩緩離開枝頭,落在桌面、座椅與地面上,一層又一層,彷彿春天正以自己的方式,為這座城市留下最後的痕跡。即使生長在台灣多年,我也未曾親眼見過如此繁盛的落花場景。於是久久站在那裡,不願離開。那時候甚至想,假如城市再安靜一些,是否真的能聽見花瓣落地的聲音?


茨維考給我的第一印象,就是這樣的寧靜。街道上行人不多,廣場顯得開闊,偶爾有車輛經過,城市依然按照自己的節奏運行。另一棵櫻花樹就站在廣場邊,盛開的花冠像一把巨大的粉紅色陽傘,將樹下的石板地面染成一片柔和的色彩。遠處是咖啡館、商店與日常交通,眼前卻像是另一個時間流速較慢的世界。我想起旅行時經常遇到的情況,許多德國城市的街道、廣場與建築看起來都有些相似,但真正能讓人記住的,經常是意料之外的生活片刻。對我而言,這場落花比任何城市地標都更加鮮明。或許也是因為那時候的自己,仍然處於一段探索生活與創作方向的歲月,對於眼前的風景,總願意多停留一會兒。


走進市中心,看見廣場上舒曼的紀念雕像。他安靜地坐在椅子上,一手支撐著頭部,像是正在思考一段尚未完成的旋律。石製基座刻著 Robert Schumann,前方擺放了一盆鮮花。這位音樂家1810年出生於此,父親經營書籍出版事業,讓他從小接觸大量文學、詩歌與思想作品。距離雕像不遠的舒曼故居,如今是一棟色彩樸素的建築,淡黃色外牆、規律排列的窗戶,並沒有刻意展現名人的氣派。站在這樣的建築前,我不禁想,一個人在生命最初的時候,究竟怎麼知道自己將來會成為什麼樣的人?舒曼年輕時也曾在文學、法律與音樂之間尋找方向。是家庭與城市的環境塑造了他,還是他在不斷閱讀、學習與創作的過程中,逐漸找到屬於自己的道路?如果沒有那些日常的閱讀與音樂經驗,他是否仍然會成為我們今日認識的舒曼?


城市裡還有一座讓我印象深刻的建築,Gewandhaus。那具有強烈幾何節奏的紅色木構裝飾山牆,以及高聳的鐘塔,使它在廣場上格外醒目。這座16世紀興建的建築,原本是布商行會的交易場所,後來轉變為劇院。舒曼年少時曾在這裡接觸歌劇與戲劇,1847年又以成名作曲家的身分回到故鄉,參與為他舉辦的音樂節。我想像年輕的他坐在觀眾席裡,聆聽音樂、觀看舞台,或許也曾對未來充滿好奇。那些演出當下究竟留下多少印象,後來又如何轉化為創作?如同我在多年後才重新理解那場落花,藝術的養分也許需要很長的時間,才能逐漸顯現它真正的價值。


記憶裡還有教堂的管風琴聲。那是一座高聳的哥德式教堂,石柱向上延伸,肋拱在天花板交織出複雜而有秩序的線條。陽光穿過高窗,落在石牆與座椅之間,音樂則沿著龐大的室內空間緩緩迴盪。舒曼小時候曾跟隨當地教堂的管風琴師學習音樂,這使我更加好奇,他當年聽見的聲音,是否也曾在這樣的空間裡留下深刻印象?管風琴的聲響宏亮而悠長,最後一個音符消失之後,寧靜重新回到教堂。那一刻,我又想起餐廳前的櫻花。音樂可以透過聲響讓人感受到空間的尺度,落花則讓人在寂靜中察覺時間的流動。兩種截然不同的經驗,竟然在多年後的記憶裡交會。或許聲音的魅力,也包含它逐漸消失的過程。


離開教堂,再回到城市街道,列車沿著鋪設在道路上的軌道緩緩駛過。這是茨維考特別的交通風景,區域鐵路能夠直接進入市中心,與電車及街道交通共享部分路廊。這座城市曾經因銀礦與煤礦繁榮,後來成為德國重要的汽車工業基地,Horch、Audi 與東德時期的 Trabant,都曾在此留下歷史。軌道上的車輪聲、工廠曾經的機械聲、教堂的鐘聲與管風琴聲,共同構成這座城市不同年代的聲音記憶。對旅人而言,城市的建築面貌或許看起來相似,然而每個地方背後的生活經驗,卻有著各自不同的節奏。那些聲音隨著時代改變,有些已經消失,有些仍然延續,而我偶然遇見的櫻花,恰好成為這些城市聲響之間最安靜的一段。

這也讓我思考,為什麼德國中部與今日東部地區,曾經孕育出如此多具有影響力的音樂家?巴赫出生於艾森納赫,韓德爾來自哈勒,華格納出生於萊比錫,舒曼則成長於茨維考。這些城市在當時有不同的政治與文化背景,卻都與深厚的音樂傳統相連。是否因為當時的宮廷、教會與城市管理者重視音樂,使學校、劇院、出版社與演奏活動得以長期發展?一座城市需要多少世代的文化積累,才能孕育出這樣的藝術人物?我想,藝術家的誕生或許也像一棵樹的生長。人們總是看見盛開的花朵,讚嘆它最後呈現的美麗,卻很少注意花開之前,那些漫長的季節、土壤、水分與陽光。舒曼的成就固然來自個人的才華與努力,而他成長過程中所接觸的文學、教育與音樂環境,也在無形中滋養了他的藝術世界。

如今重新聆聽舒曼1838年創作的《夢幻曲》,那段緩慢而細膩的鋼琴旋律,總讓我聯想到茨維考的春末。這首作品收錄於《兒時情景》,彷彿成年人在歲月之後,回望曾經經歷的童年。音樂裡的停頓、延續與反覆,使我想起那些花瓣飄落的瞬間。它們從枝頭離開,在空氣中短暫停留,最後落在地面,成為春天即將結束的痕跡。當年的我站在樹下,只覺得眼前的風景美麗,並沒有想到多年後還會以文字重新尋找那段經驗。或許生命裡有許多重要的事物,都是在發生之後很久,才逐漸被我們理解。就像舒曼在年少時閱讀的書籍、聽過的音樂,後來以不同形式出現在他的創作裡;而我當年偶然看見的櫻花,也在多年後成為重新理解這座城市的起點。


回頭看那些旅行照片,木椅仍然安靜地擺在櫻花樹下,地面厚厚的花瓣像是一場尚未結束的春雪。舒曼的雕像依然沉思,劇院與教堂保存著不同年代的文化記憶,列車則繼續穿越城市,將人們帶往下一個目的地。所有畫面都停留在按下快門的瞬間,只有觀看照片的人,已經隨著時間改變。或許旅行最有意思的地方,就是多年後再次觀看那些熟悉的景象,才發現自己已經能夠從中讀出更多的意義。當年吸引我的是櫻花,如今卻開始思考一座城市如何孕育藝術家,以及那些看似平凡的生活經驗,如何在漫長的歲月裡形成一個人的思想與感知。


落花究竟有沒有聲音?我仍然無法確定。也許當時聽見的只是風吹過枝葉的細微聲響,又或者是自己在寧靜之中產生的想像。然而,那場落花確實在生命裡留下了某種聲音。它沒有管風琴的宏亮,也沒有列車經過街道時的震動,甚至沒有《夢幻曲》那樣清晰的旋律。它只是安靜地存在著,在多年後某個重新翻閱照片、聆聽音樂的時刻,再次浮現在心裡。我想,城市給予我們的記憶也是如此。有些以建築保存,有些以音樂延續,有些則藏在某個無人注意的日常場景裡。當年的櫻花早已凋落,旅人也走過了許多其他城市,但茨維考始終留著一個春末的片刻。

原來,有些聲音,要經過許多年以後,才能真正聽見。

Zwickau: Den Klang fallender Blüten hören

Schumann und Erinnerungen an eine Stadt im späten Frühling: Haben fallende Blüten einen Klang?

Ich glaube schon. Nur ist dieser Klang so fein, dass es einer hinreichend stillen Stadt und eines Menschen bedarf, der bereit ist, stehen zu bleiben, um ihn wahrzunehmen. Vor vielen Jahren unternahm ich eine kleine Reise nach Zwickau; meiner Erinnerung nach war es wohl ein Feiertag. Über Robert Schumann, der in dieser Stadt geboren wurde, wusste ich damals wenig. Zwar hatte ich seine Träumerei schon gehört und einen Eindruck von ihrer sanften, leicht wehmütigen Melodie behalten, doch mit diesem Musiker der Romantik hatte ich mich nie eingehender beschäftigt. Vielleicht war ich einfach hierhergekommen, um auf meinen Reisen durch Deutschland eine weitere unbekannte Stadt kennenzulernen. Seltsamerweise ist es viele Jahre später ein Regen aus Kirschblüten am Ende des Frühlings, der mir zuerst in den Sinn kommt.

Es müssen wohl gefüllte Zierkirschen gewesen sein. Die Blütezeit näherte sich bereits ihrem Ende, doch die Zweige waren noch immer voller dicht geschichteter rosa Blüten. Die Krone breitete sich nach allen Seiten aus und verdeckte beinahe den ganzen Himmel. Sonnenlicht fiel durch die Lücken zwischen Blüten und Blättern und zeichnete kleine Licht- und Schattenflecken auf den Boden. Vor einem Restaurant standen hölzerne Tische und Stühle im Freien. Einige Stühle blieben still und leer; auf Tischplatten, Steinpflaster und Rückenlehnen lagen verstreute rosa Blütenblätter. Die Szene wirkte wie eine sorgfältig arrangierte räumliche Installation und war zugleich von erstaunlicher Natürlichkeit. Ein leichter Wind wehte, Blütenblätter lösten sich langsam von den Zweigen und sanken auf Tische, Sitze und Boden, Schicht um Schicht, als hinterließe der Frühling der Stadt auf seine Weise seine letzten Spuren. Obwohl ich viele Jahre in Taiwan aufgewachsen und dort gelebt hatte, hatte ich einen so üppigen Blütenfall noch nie mit eigenen Augen gesehen. So stand ich lange dort und wollte nicht fort. Damals fragte ich mich sogar, ob ich die Blütenblätter tatsächlich auf dem Boden landen hören könnte, wenn die Stadt noch ein wenig stiller wäre.

Diese Ruhe war mein erster Eindruck von Zwickau. Auf den Straßen waren wenige Menschen unterwegs, die Plätze wirkten weit, gelegentlich fuhr ein Fahrzeug vorbei, und die Stadt folgte weiterhin ihrem eigenen Rhythmus. Am Rand eines Platzes stand ein weiterer Kirschbaum. Seine blühende Krone glich einem gewaltigen rosa Sonnenschirm und tauchte das Steinpflaster darunter in einen sanften Farbton. In der Ferne lagen Cafés, Geschäfte und der alltägliche Verkehr; unmittelbar vor mir schien eine andere Welt zu liegen, in der die Zeit langsamer floss. Ich dachte an etwas, das mir auf Reisen häufig begegnete: Straßen, Plätze und Gebäude vieler deutscher Städte sahen einander ein wenig ähnlich, doch was im Gedächtnis blieb, waren oft unerwartete Augenblicke des Alltags. Für mich war dieser Blütenfall lebendiger als jedes Wahrzeichen. Vielleicht lag es auch daran, dass ich damals noch nach einer Richtung für mein Leben und mein künstlerisches Schaffen suchte und vor den Landschaften, die sich mir zeigten, gern etwas länger verweilte.

Im Stadtzentrum sah ich auf dem Platz das Schumann-Denkmal. Er saß ruhig auf einem Stuhl, den Kopf auf eine Hand gestützt, als denke er über eine noch unvollendete Melodie nach. Auf dem steinernen Sockel stand Robert Schumann, davor ein Topf mit Blumen. Der Musiker wurde 1810 hier geboren. Sein Vater war im Buchverlagswesen tätig, wodurch er früh mit einer Fülle von Literatur, Dichtung und gedanklichen Werken in Berührung kam. Nicht weit vom Denkmal liegt Schumanns Geburtshaus, heute ein schlicht gefärbtes Gebäude mit hellgelber Fassade und regelmäßig angeordneten Fenstern, ohne demonstrative Berühmtheit auszustrahlen. Vor diesem Haus fragte ich mich unwillkürlich, wie ein Mensch am Anfang seines Lebens wissen könnte, was einmal aus ihm werden wird. Auch Schumann suchte als junger Mann zwischen Literatur, Jura und Musik nach seinem Weg. Prägten ihn seine Familie und seine Stadt, oder fand er durch fortwährendes Lesen, Lernen und Schaffen allmählich zu seinem eigenen Weg? Wäre er ohne jene alltäglichen Erfahrungen mit Büchern und Musik ebenfalls der Schumann geworden, den wir heute kennen?

Ein weiteres Gebäude der Stadt hinterließ bei mir einen starken Eindruck: das Gewandhaus. Sein mit rotem Holzwerk geschmückter Giebel mit seinem ausgeprägten geometrischen Rhythmus und der hoch aufragende Uhrturm machten es auf dem Platz besonders auffällig. Das im 16. Jahrhundert errichtete Gebäude diente ursprünglich als Handelsstätte der Tuchmacherzunft und wurde später zum Theater. Schumann lernte hier in jungen Jahren Oper und Schauspiel kennen und kehrte 1847 als anerkannter Komponist in seine Heimatstadt zurück, um an einem ihm gewidmeten Musikfest teilzunehmen. Ich stelle mir vor, wie er als junger Mann im Zuschauerraum saß, der Musik lauschte und auf die Bühne blickte, vielleicht ebenfalls voller Neugier auf die Zukunft. Welche Eindrücke hinterließen diese Aufführungen damals, und wie verwandelten sie sich später in schöpferische Arbeit? So wie ich erst viele Jahre später jenen Blütenfall neu verstand, braucht vielleicht auch die Nahrung der Kunst lange Zeit, bis ihr wirklicher Wert allmählich sichtbar wird.

In meiner Erinnerung erklingt auch die Orgel einer Kirche. Es war eine hohe gotische Kirche, deren steinerne Pfeiler nach oben strebten und deren Gewölberippen an der Decke ein komplexes, geordnetes Liniengefüge bildeten. Sonnenlicht fiel durch hohe Fenster zwischen Steinwände und Sitzreihen, während die Musik langsam durch den weiten Innenraum hallte. Als Kind hatte Schumann bei einem örtlichen Kirchenorganisten Musikunterricht erhalten. Umso neugieriger fragte ich mich, ob auch die Klänge, die er damals hörte, in solchen Räumen tiefe Eindrücke hinterlassen hatten. Die Orgel klang mächtig und lang, und nachdem der letzte Ton verklungen war, kehrte die Stille in die Kirche zurück. In diesem Augenblick dachte ich wieder an die Kirschblüten vor dem Restaurant. Musik kann uns durch ihren Klang die Ausmaße eines Raumes spüren lassen; fallende Blüten machen in der Stille den Fluss der Zeit wahrnehmbar. Zwei völlig unterschiedliche Erfahrungen trafen viele Jahre später in meiner Erinnerung aufeinander. Vielleicht liegt ein Teil der Anziehungskraft von Klängen auch in ihrem allmählichen Verschwinden.

Als ich die Kirche verließ und auf die Straßen zurückkehrte, fuhr ein Zug langsam über die in die Fahrbahn eingelassenen Gleise. Das gehört zu Zwickaus besonderer Verkehrslandschaft: Regionalzüge können direkt ins Stadtzentrum fahren und teilen sich Abschnitte des Verkehrsraums mit Straßenbahnen und dem Straßenverkehr. Die Stadt gelangte einst durch Silber- und Steinkohlenbergbau zu Wohlstand und wurde später zu einem wichtigen Standort der deutschen Automobilindustrie. Horch, Audi und der Trabant aus der DDR-Zeit haben hier ihre Spuren hinterlassen. Das Rollen der Räder auf den Schienen, die früheren Maschinengeräusche der Fabriken, Kirchenglocken und Orgelklänge bilden gemeinsam die akustischen Erinnerungen dieser Stadt aus verschiedenen Epochen. Reisenden mögen die baulichen Erscheinungsbilder der Städte ähnlich vorkommen, doch die Lebenserfahrungen hinter jedem Ort besitzen ihren eigenen Rhythmus. Mit den Zeiten verändern sich diese Klänge: Manche sind verschwunden, andere bestehen fort. Die Kirschblüten, denen ich zufällig begegnete, wurden zur stillsten Passage zwischen all diesen Stadtgeräuschen.

Das ließ mich auch darüber nachdenken, warum Mitteldeutschland und die heute im Osten Deutschlands liegenden Regionen einst so viele einflussreiche Musiker hervorbrachten. Bach wurde in Eisenach geboren, Händel kam aus Halle, Wagner wurde in Leipzig geboren, und Schumann wuchs in Zwickau auf. Diese Städte hatten damals unterschiedliche politische und kulturelle Hintergründe, waren aber alle mit tief verwurzelten musikalischen Traditionen verbunden. Lag es daran, dass Höfe, Kirchen und Stadtverantwortliche der Musik Bedeutung beimaßen und Schulen, Theater, Verlage und Aufführungen sich dadurch langfristig entwickeln konnten? Wie viele Generationen kultureller Erfahrung muss eine Stadt ansammeln, um solche Künstlerpersönlichkeiten hervorzubringen? Ich denke, das Werden eines Künstlers gleicht vielleicht dem Wachstum eines Baumes. Die Menschen sehen die blühenden Blumen und bewundern ihre schließlich sichtbare Schönheit, beachten aber selten die langen Jahreszeiten, den Boden, das Wasser und das Sonnenlicht, die der Blüte vorausgehen. Schumanns Leistungen entsprangen gewiss seiner persönlichen Begabung und Anstrengung. Zugleich nährten die Literatur, Bildung und musikalische Umgebung, denen er während seines Aufwachsens begegnete, unmerklich seine künstlerische Welt.

Wenn ich heute wieder Schumanns 1838 entstandene Träumerei höre, erinnert mich ihre langsame, feinfühlige Klaviermelodie stets an Zwickau im späten Frühling. Das Stück aus den Kinderszenen wirkt, als blicke ein Erwachsener über die Jahre hinweg auf seine erlebte Kindheit zurück. Die Pausen, Fortführungen und Wiederholungen der Musik lassen mich an jene Augenblicke denken, in denen Blütenblätter fielen. Sie lösten sich von den Zweigen, verweilten kurz in der Luft und landeten schließlich auf dem Boden, als Spuren eines zu Ende gehenden Frühlings. Damals stand ich unter dem Baum und fand die Szene einfach schön. Ich ahnte nicht, dass ich viele Jahre später schreibend erneut nach dieser Erfahrung suchen würde. Vielleicht verstehen wir vieles, was in unserem Leben wichtig ist, erst allmählich und lange nach seinem Geschehen. So wie die Bücher, die Schumann als junger Mensch las, und die Musik, die er hörte, später in anderer Gestalt in seinem Schaffen wiederkehrten, wurden auch die Kirschblüten, die ich zufällig gesehen hatte, Jahre später zum Ausgangspunkt eines neuen Verständnisses dieser Stadt.

Beim erneuten Betrachten der Reisefotos stehen die Holzstühle noch immer still unter den Kirschbäumen, und die dicke Schicht von Blütenblättern auf dem Boden gleicht einem noch nicht beendeten Frühlingsschnee. Schumanns Statue bleibt in Gedanken versunken, Theater und Kirche bewahren kulturelle Erinnerungen verschiedener Zeiten, und die Züge durchqueren weiterhin die Stadt, um Menschen an ihr nächstes Ziel zu bringen. Alle Bilder verharren im Augenblick des Auslösens; nur der Mensch, der sie betrachtet, hat sich mit der Zeit verändert. Vielleicht ist das Interessanteste am Reisen, dass wir Jahre später in vertrauten Ansichten plötzlich mehr Bedeutung lesen können. Damals zogen mich die Kirschblüten an. Heute beginne ich darüber nachzudenken, wie eine Stadt Künstler hervorbringt und wie scheinbar gewöhnliche Lebenserfahrungen über viele Jahre das Denken und die Wahrnehmung eines Menschen formen.

Haben fallende Blüten nun wirklich einen Klang? Noch immer kann ich es nicht mit Sicherheit sagen. Vielleicht hörte ich damals nur das leise Rascheln des Windes in Zweigen und Blättern, vielleicht war es auch eine Vorstellung, die in der Stille in mir entstand. Doch jener Blütenfall hat tatsächlich einen Klang in meinem Leben hinterlassen. Ihm fehlen die Kraft der Orgel, die Erschütterung eines durch die Straßen fahrenden Zuges und selbst die klare Melodie der Träumerei. Er existiert einfach still und taucht Jahre später, beim erneuten Durchsehen der Fotos und beim Musikhören, wieder in mir auf. Ich denke, so verhält es sich auch mit den Erinnerungen, die Städte uns schenken. Manche bleiben in Gebäuden erhalten, manche leben in Musik weiter, andere verbergen sich in einer alltäglichen Szene, die niemand beachtet. Die damaligen Kirschblüten sind längst gefallen, und der Reisende hat viele weitere Städte durchquert. Doch Zwickau bewahrt weiterhin einen Augenblick am Ende des Frühlings.

Manche Klänge, so zeigt sich, können wir erst nach vielen Jahren wirklich hören.

2026年10月26日 星期一

城市‧土地‧文化敘事(壹一六)Dinkelsbühl的夏日旅程,跟著一隻貓閱讀城市

Dinkelsbühl的夏日旅程,跟著一隻貓閱讀城市

如果紐倫堡沒有經歷戰爭的摧毀,今日的城市風景是否會與丁克爾斯比爾(Dinkelsbühl)有幾分相似?兩座城市都曾是神聖羅馬帝國的自由帝國城市,卻在歷史的推進中走向不同的命運。紐倫堡因為商業繁榮、政治地位與工業發展,成為重要的城市,也承受了戰爭帶來的巨大破壞;丁克爾斯比爾則相對安靜地留存下來。這是否與交通、經濟發展,甚至城市自身的性格有關?這座位於紐倫堡西南方、法蘭肯地區的古城,至今仍缺乏便利的鐵路客運連結,對旅人而言,抵達似乎需要多一些轉折。也許正因為發展的腳步不同,讓它保留了另一種時間的節奏。然而,城市的保存究竟是歷史的幸運,還是居民長期選擇的結果?這個問題始終讓我好奇。


夏日的丁克爾斯比爾,有著令人舒服的城市樣貌。沿著街道行走,紅褐色的屋頂、錯落的山牆、木構立面與經過修復的彩色建築,構成一種和諧的視覺秩序。那些色彩似乎經過某種共同的約定,既保有各自的個性,又不至於破壞整體的街景。我想,這應該是長時間保存、修復與居民共識累積的成果。城市的美感需要時間,也需要人們願意維持某種共同的生活秩序。然而,當我們欣賞這些古老的外貌時,當代居民又如何使用這些空間?屋內是否仍留有歷史的痕跡,還是早已隨著生活需求改變?建築外觀可以被保存,生活卻總要繼續向前。兩者如何共存,或許才是這座古城真正值得深究的地方。


我想自己會一再造訪這座城市,應該還有什麼未曾看見的事物。或許是節慶吧。這座城市至今延續著傳統慶典,讓歷史中的人物、衣裝與故事重新走進街道。那些曾經發生的事件,透過後人的演出與集體參與,成為今日城市生活的一部分。只是我所經歷的夏日,大多是平靜的日常。河道、水塘與綠地旁,有居民休憩,也有年輕人在水邊遊玩。城市仍然被使用著,那些看似古老的空間依舊容納著當代生活。也許節慶讓城市記得過去,而日常則讓城市得以延續。但對一位短暫停留的旅人來說,所能理解的終究有限。我看見的只是城市生命中的一小段時間,無法從一次旅行便讀懂它的全貌。


真正吸引我目光的,反倒是建築與建築之間那些容易被忽略的空間。走在街道上,我會不自覺地觀察房屋之間的距離。有些間隙形成狹窄巷弄,讓視線得以穿越,偶爾還能窺見後方的庭院與花園;有些則被木板、圍牆或附屬構造阻隔,留下令人好奇卻無法進入的角落。這些由建築排列所產生的中介空間,反而比建築本身更吸引我。為什麼一座過去以商業活動為基礎的城市,在我的觀察中,會出現如此多看似獨立的建築量體?它們過去如何分配土地、安排庭院與生活空間?那些間距又如何界定公共與私人的關係?或許城市真正的性格,就隱藏在房屋之間。建築有自己的立面,空隙卻透露著人們如何相處。


那一天,在修道院前遇見了一隻狸花貓。牠慵懶地走著,彷彿對這座城市的一切都再熟悉不過。我突然想跟著牠,看看牠平日走過哪些巷弄,穿越哪些庭院,又會在哪一處陰影下停留。對我而言,這座城市充滿陌生的歷史與建築;對牠來說,或許只是每天生活的路徑。牠不需要理解什麼是自由帝國城市,也無須知道哪一棟建築屬於哪個世紀,卻比任何旅人都熟悉這些街角。跟著牠走,也許能發現那些地圖沒有標示、導覽不曾提起的地方。原來閱讀一座城市,也可以從一隻貓開始。那是一種很隨興的探索,沒有預設目的地,只是讓好奇心決定下一個轉角。


如今再回想丁克爾斯比爾,記憶裡留下的除了城牆、屋頂、彩色立面,還有夏日陽光下的街道、建築間狹窄的縫隙,以及那隻偶然相遇的貓。或許一座城市最動人的地方,往往存在於那些沒有被安排的時刻。歷史讓我們理解城市如何形成,建築讓我們看見時間留下的形狀,而生活中的偶遇,則讓陌生的地方有了屬於自己的記憶。我想自己還會再去一次吧。也許是為了看一場錯過的節慶,也許是為了走進那些尚未探究的巷弄,或者只是想再遇見某個夏日午後的悠閒時光。至於何時會再相逢,就交給緣分了。



Eine Sommerreise nach Dinkelsbühl, mit einer Katze die Stadt lesen


Wenn Nürnberg nicht die Zerstörungen des Krieges erlebt hätte, würde sein heutiges Stadtbild dem von Dinkelsbühl vielleicht ein wenig ähneln? Beide Städte waren einst Freie Reichsstädte des Heiligen Römischen Reiches, doch im Lauf der Geschichte nahmen sie unterschiedliche Wege. Durch florierenden Handel, politische Bedeutung und industrielle Entwicklung wurde Nürnberg zu einer bedeutenden Stadt und erlitt zugleich gewaltige Kriegszerstörungen; Dinkelsbühl hingegen blieb vergleichsweise still erhalten. Hängt dies mit den Verkehrswegen, der wirtschaftlichen Entwicklung oder sogar dem eigenen Charakter einer Stadt zusammen? Diese alte Stadt in Franken, südwestlich von Nürnberg, verfügt bis heute über keine bequeme Anbindung an den Schienenpersonenverkehr. Für Reisende scheint die Ankunft ein paar zusätzliche Umwege zu verlangen. Vielleicht konnte sie gerade durch ihr anderes Entwicklungstempo einen eigenen Zeitrhythmus bewahren. Doch ist die Erhaltung einer Stadt ein historischer Glücksfall oder das Ergebnis von Entscheidungen, die ihre Bewohner über lange Zeit getroffen haben? Diese Frage beschäftigt mich immer wieder.

Das sommerliche Dinkelsbühl bietet ein wohltuendes Stadtbild. Beim Gang durch die Straßen fügen sich rotbraune Dächer, versetzte Giebel, Fachwerkfassaden und restaurierte farbige Häuser zu einer harmonischen visuellen Ordnung. Die Farben scheinen einer gemeinsamen Übereinkunft zu folgen: Sie bewahren ihre Eigenart, ohne das gesamte Straßenbild zu stören. Ich denke, dies muss das Ergebnis langjähriger Erhaltung, Restaurierung und eines gewachsenen Konsenses unter den Bewohnern sein. Die Schönheit einer Stadt braucht Zeit und Menschen, die bereit sind, eine gemeinsame Ordnung des Zusammenlebens zu pflegen. Doch während wir diese alten Außenansichten bewundern, wie nutzen die heutigen Bewohner die Räume dahinter? Sind im Inneren noch Spuren der Geschichte vorhanden, oder hat es sich längst mit den Bedürfnissen des Alltags verändert? Das Äußere eines Gebäudes lässt sich bewahren, das Leben aber muss weitergehen. Wie beides nebeneinander bestehen kann, ist vielleicht die Frage, die in dieser alten Stadt eine genauere Betrachtung am meisten verdient.

Ich glaube, ich werde diese Stadt immer wieder besuchen; es muss noch etwas geben, das ich nicht gesehen habe. Vielleicht ihre Feste. Die Stadt führt bis heute traditionelle Feierlichkeiten fort, bei denen historische Figuren, Gewänder und Geschichten erneut auf die Straßen treten. Durch die Aufführungen und die gemeinsame Beteiligung späterer Generationen werden vergangene Ereignisse zu einem Teil des heutigen Stadtlebens. Die Sommertage, die ich erlebt habe, waren allerdings überwiegend von ruhigem Alltag geprägt. An Wasserläufen, Teichen und Grünflächen erholten sich Bewohner, während junge Menschen am Wasser spielten. Die Stadt wird weiterhin genutzt, und ihre scheinbar alten Räume nehmen noch immer das gegenwärtige Leben auf. Vielleicht lassen Feste die Stadt ihre Vergangenheit erinnern, während der Alltag ihren Fortbestand ermöglicht. Doch für einen Reisenden, der nur kurz bleibt, ist das Verständnis zwangsläufig begrenzt. Ich sah lediglich einen kleinen Ausschnitt aus dem Leben dieser Stadt; eine einzige Reise konnte mir nicht ihr ganzes Wesen erschließen.

Was meinen Blick wirklich anzog, waren die leicht übersehenen Räume zwischen den Gebäuden. Beim Gang durch die Straßen beobachtete ich unwillkürlich die Abstände zwischen den Häusern. Manche Zwischenräume bildeten schmale Gassen, durch die der Blick hindurchwandern konnte und gelegentlich Höfe und Gärten dahinter erahnen ließ. Andere waren durch Bretter, Mauern oder Nebenbauten versperrt und hinterließen Winkel, die neugierig machten, aber nicht zugänglich waren. Diese durch die Anordnung der Gebäude entstandenen Zwischenräume faszinierten mich mehr als die Gebäude selbst. Warum gab es in einer Stadt, deren Grundlage einst der Handel gewesen war, meiner Beobachtung nach so viele scheinbar freistehende Baukörper? Wie hatte man früher Grundstücke aufgeteilt, Höfe und Wohnräume angeordnet? Wie bestimmten diese Abstände das Verhältnis zwischen öffentlich und privat? Vielleicht verbirgt sich der eigentliche Charakter einer Stadt zwischen ihren Häusern. Gebäude haben ihre eigenen Fassaden; die Zwischenräume verraten, wie Menschen miteinander auskommen.

An jenem Tag begegnete ich vor dem Kloster einer getigerten Katze. Sie schlenderte träge umher, als wäre ihr in dieser Stadt alles vollkommen vertraut. Plötzlich wollte ich ihr folgen und sehen, welche Gassen sie im Alltag durchquerte, durch welche Höfe sie zog und in welchem Schatten sie innehielt. Für mich war diese Stadt voller unbekannter Geschichte und Architektur; für sie bestand sie vielleicht einfach aus ihren täglichen Wegen. Sie musste nicht verstehen, was eine Freie Reichsstadt war, und auch nicht wissen, aus welchem Jahrhundert ein Gebäude stammte. Dennoch kannte sie diese Straßenecken besser als jeder Reisende. Ihr zu folgen hätte vielleicht Orte erschlossen, die auf keiner Karte verzeichnet waren und in keiner Führung erwähnt wurden. Eine Stadt zu lesen kann also auch mit einer Katze beginnen. Es war eine ganz ungezwungene Art des Erkundens, ohne vorgegebenes Ziel, bei der allein die Neugier entschied, um welche Ecke es als Nächstes ging.

Wenn ich heute an Dinkelsbühl zurückdenke, bleiben neben Stadtmauern, Dächern und farbigen Fassaden auch die Straßen im sommerlichen Sonnenlicht, die schmalen Lücken zwischen den Gebäuden und die zufällig angetroffene Katze in meiner Erinnerung. Vielleicht liegt das Berührendste an einer Stadt oft in jenen Augenblicken, die niemand geplant hat. Die Geschichte hilft uns zu verstehen, wie eine Stadt entstanden ist; die Architektur macht die Formen sichtbar, die die Zeit hinterlassen hat. Zufällige Begegnungen im Alltag wiederum verbinden einen fremden Ort mit eigenen Erinnerungen. Ich glaube, ich werde noch einmal hinfahren. Vielleicht, um ein verpasstes Fest zu erleben, vielleicht, um bisher unerforschte Gassen zu betreten, oder einfach, um noch einmal die Muße eines Sommernachmittags zu finden. Wann es zu diesem Wiedersehen kommt, überlasse ich dem Schicksal.

城市‧土地‧文化敘事(壹一五)德勒斯登一座夏宮的時間尺度

德勒斯登一座夏宮的時間尺度

皮爾尼茨宮 Schloss Pillnitz

在德國的那些日子,假日或下課之後,偶爾會獨自搭車前往易北河畔的皮爾尼茨宮。從宿舍出發,總要花上半個多小時的路程。為什麼會一再前往?如今想來,多半與當時的心情有關。那是初到德國、尚未真正適應生活的時期,一切都很新鮮,也充滿陌生。眼前有著美麗的風景,卻少了可以一起分享的人。外在世界的豐盛,與內心尚未安定的狀態形成某種對照。或許正因如此,才會一再走向那些安靜的地方。宮殿、花園、河流與樹林,沒有太多喧囂,卻能讓人自在地消磨一整個下午。


皮爾尼茨宮的歷史可以追溯至中世紀的貴族莊園。18世紀初,薩克森選帝侯奧古斯特強王曾將這座莊園贈予情婦科瑟爾伯爵夫人,後來又將它收回,並於1720年代委託建築師波佩爾曼重新規劃,興建水宮與山宮。這位熱衷藝術、瓷器與宮廷娛樂的君主,將當時歐洲流行的中國風融入巴洛克建築。上揚的屋頂曲線、橘紅色牆面、藍色異國人物彩繪,以及精緻的雕刻裝飾,構成一座充滿東方想像的宮殿。這裡原本是王室舉辦宴會、遊戲與節慶的場所,後來逐漸成為薩克森王室的夏季行宮。幾百年前的貴族在此享受繁華,如今卻成了人人可以散步的公共花園。權力與生活的距離,似乎也隨著時代慢慢改變了。


夏宮的美,是一種經過時間沉澱的優雅。中央花園被水宮、山宮與新宮圍繞,修剪整齊的花草、筆直延伸的林蔭大道,以及陽光穿過樹梢灑落地面的光影,都有著令人願意停留的理由。現在看到的新宮,其實是1818年舊宮遭遇火災後重新興建的成果。新古典主義的柱列與原有的巴洛克建築並存,讓不同時代的風格在同一座花園裡相遇。這些建築經過幾百年的增建與修復,依然保有整體的和諧。我尤其記得腳下的砂石步道,每走一步,細碎的石子便發出沙沙聲響。那聲音如此尋常,卻在多年以後依然清晰。建築的形式可以透過照片重新認識,唯獨腳下的聲響、風的溫度,以及陽光在樹影間移動的感覺,只能在記憶裡再次相遇。


有時走累了,便在易北河畔坐下來,看著河水緩緩流過。對岸的樹林、遠方的天空,偶爾經過的船隻,都成了眼前不斷變化的風景。過去王室可以乘船沿易北河抵達夏宮,從水宮前方的階梯登岸,展開一場精心安排的宮廷活動。1791年,奧地利與普魯士的君主也曾在這裡會晤,發表與法國大革命局勢有關的《皮爾尼茨宣言》,讓這座休閒宮殿成為歐洲政治歷史的一處舞台。想想也是有趣,同樣一條河流,曾經迎接王公貴族與重要的政治人物,如今卻只是安靜地流過日常生活。我也會走進宮殿附近的舊書店,翻閱那些年代久遠的書籍與版畫。紙張的氣味、泛黃的城市圖像,彷彿讓時間暫時停了下來。每一處都有值得留念的事物,而我也在一次次造訪中,慢慢累積屬於自己的故事。


夏宮的四季,也讓我看見時間的另一種模樣。春天花草重新生長,夏日的陽光讓整座花園顯得明亮而豐盛,秋天樹葉漸漸轉黃,到了冬季,花圃裡的植栽被整理移除,樹林褪去色彩,一切又回歸寂靜。這座宮廷花園歷經數百年的經營,從巴洛克式的幾何秩序,逐漸加入英國風景式園林與東方庭園的趣味。不同時代的人們,依照自己對自然的理解,反覆整理與塑造眼前的風景。園丁依循季節修剪枝葉、整理土地,等待來年春天再次播種,讓花園重新甦醒。人們總習慣欣賞盛開時的美麗,卻很少留意那些等待的日子。花園年復一年地重新開始,而身處其中的人,也隨著每一次季節更替,悄悄改變了自己。

多年後重新翻看照片,才慢慢理解,當年為什麼那麼喜歡去夏宮。或許除了建築與花園本身的美麗,更吸引我的,是那種可以自在消磨時間的生活節奏。搭車、散步、翻書、坐在河邊曬太陽,沒有明確的目的,也無須急著完成什麼。當時總想著要多看一些地方、多認識一些事物,如今才發現,有些地方值得一再回去,正因為每一次造訪,都能看見稍有不同的風景。幾百年的宮殿歷史,對照一個人短暫的生命,似乎也讓時間有了不同的尺度。宮殿經歷王朝興衰、戰爭與重建,花園則依然按照季節生長。人來人往,總有新的故事發生,也總有一些舊日的記憶留在原地。


我始終記得冬日夏宮的景象。枯黃的樹林、空蕩的花圃、失去繁花點綴的步道,以及等待春天重新甦醒的土地。那時候曾經望著這一切,心裡浮現一個問題:究竟還有多少個春天,等著我再次回來觀賞?當年或許只是感嘆季節的流逝,如今才明白,這個問題其實也關乎自己的人生。每一年的春天都會到來,然而我們未必還能以同樣的年紀、同樣的心情,站在同一個地方。那些曾經以為理所當然的風景,終究會隨著時間成為珍貴的記憶。如今懷念的,除了皮爾尼茨宮的四季,還有當年那個願意花上半個多小時搭車,只為了在花園裡走走、看看風景,並且對下一個春天依然有所期待的自己。



Dresden: Die Zeitmaßstäbe eines Sommerschlosses
Schloss Pillnitz

Während meiner Zeit in Deutschland fuhr ich an freien Tagen oder nach dem Unterricht gelegentlich allein mit öffentlichen Verkehrsmitteln zum Schloss Pillnitz an der Elbe. Vom Wohnheim aus dauerte die Fahrt stets mehr als eine halbe Stunde. Warum kehrte ich immer wieder dorthin zurück? Rückblickend hing es wohl meist mit meiner damaligen Stimmung zusammen. Ich war erst seit Kurzem in Deutschland und hatte mich noch nicht wirklich eingelebt. Alles war neu und zugleich fremd. Vor mir lag eine schöne Landschaft, doch es fehlte jemand, mit dem ich sie teilen konnte. Die Fülle der Außenwelt stand in einem gewissen Gegensatz zu meiner inneren Unruhe. Vielleicht suchte ich deshalb immer wieder stille Orte auf. Schloss, Gärten, Fluss und Wald boten wenig Lärm und ließen einen ganzen Nachmittag zwanglos verstreichen.

Die Geschichte von Schloss Pillnitz reicht bis zu einem mittelalterlichen Adelsgut zurück. Zu Beginn des achtzehnten Jahrhunderts schenkte der sächsische Kurfürst August der Starke das Anwesen seiner Mätresse, der Gräfin Cosel, nahm es später zurück und beauftragte in den 1720er-Jahren den Architekten Pöppelmann mit einer Neuplanung sowie dem Bau von Wasserpalais und Bergpalais. Der kunst-, porzellan- und festbegeisterte Herrscher verband die damals in Europa beliebte Chinoiserie mit barocker Architektur. Aufwärts geschwungene Dachlinien, orangerote Wände, blaue Malereien exotischer Figuren und feine geschnitzte Verzierungen schufen ein Schloss voller Vorstellungen des Ostens. Ursprünglich diente es königlichen Banketten, Spielen und Festen, später wurde es nach und nach zur Sommerresidenz des sächsischen Königshauses. Wo der Adel vor Jahrhunderten Pracht genoss, können heute alle durch öffentliche Gärten spazieren. Auch der Abstand zwischen Macht und Alltag scheint sich mit den Zeiten allmählich verändert zu haben.

Die Schönheit des Sommerschlosses besitzt eine durch die Zeit gereifte Eleganz. Wasserpalais, Bergpalais und Neues Palais umgeben den zentralen Garten. Gepflegte Blumen und Sträucher, gerade Alleen und das durch die Baumkronen auf den Boden fallende Sonnenlicht laden zum Verweilen ein. Das heutige Neue Palais entstand, nachdem das alte Schloss 1818 einem Brand zum Opfer gefallen war. Seine klassizistischen Säulenreihen stehen neben den älteren Barockbauten und lassen Stile verschiedener Epochen in einem Garten zusammentreffen. Trotz jahrhundertelanger Erweiterungen und Restaurierungen bewahren die Gebäude eine übergreifende Harmonie. Besonders erinnere ich mich an die Kieswege: Bei jedem Schritt raschelten die kleinen Steine unter meinen Füßen. Dieser gewöhnliche Klang ist mir nach vielen Jahren noch deutlich gegenwärtig. Architektonische Formen lassen sich anhand von Fotos neu kennenlernen. Die Geräusche unter den Füßen, die Temperatur des Windes und das Gefühl des zwischen Baumschatten wandernden Sonnenlichts begegnen uns dagegen nur in der Erinnerung wieder.

War ich vom Gehen müde, setzte ich mich manchmal ans Elbufer und sah dem langsam vorbeifließenden Wasser zu. Der Wald am gegenüberliegenden Ufer, der ferne Himmel und gelegentlich vorbeiziehende Schiffe bildeten eine fortwährend wechselnde Landschaft. Früher konnte die königliche Familie mit dem Schiff auf der Elbe anreisen, an der Treppe vor dem Wasserpalais an Land gehen und eine sorgfältig inszenierte höfische Veranstaltung beginnen. 1791 trafen sich hier auch die Herrscher Österreichs und Preußens und veröffentlichten die Pillnitzer Deklaration zur Lage im Zusammenhang mit der Französischen Revolution. So wurde das Lustschloss zu einem Schauplatz europäischer Politikgeschichte. Es ist ein bemerkenswerter Gedanke: Derselbe Fluss empfing einst Adlige und bedeutende Politiker und fließt heute still durch den Alltag. Ich ging auch in ein Antiquariat nahe dem Schloss und blätterte in alten Büchern und Grafiken. Papiergeruch und vergilbte Stadtansichten schienen die Zeit kurz anzuhalten. Überall fand sich etwas Erinnerungswürdiges, und mit jedem Besuch sammelte ich allmählich eigene Geschichten.

Die Jahreszeiten des Sommerschlosses zeigten mir eine weitere Gestalt der Zeit. Im Frühling wachsen die Pflanzen neu, im Sommer lässt das Sonnenlicht den ganzen Garten hell und üppig erscheinen. Im Herbst färben sich die Blätter langsam gelb. Im Winter werden Pflanzen aus den Beeten entfernt, der Wald verliert seine Farben, und alles kehrt zur Ruhe zurück. In Jahrhunderten der Pflege ergänzten englische Landschaftsgärten und Anklänge östlicher Gartenkultur die geometrische Ordnung dieses barocken Hofgartens. Menschen verschiedener Zeiten ordneten und formten die Landschaft immer wieder nach ihrem jeweiligen Naturverständnis. Gärtner schneiden im Rhythmus der Jahreszeiten Zweige zurück, bearbeiten den Boden und warten darauf, im nächsten Frühling erneut auszusäen und den Garten zu wecken. Wir bewundern gewöhnlich die Schönheit voller Blüte, beachten aber selten die Tage des Wartens. Jahr um Jahr beginnt der Garten von Neuem, während sich auch die Menschen darin mit jedem Jahreszeitenwechsel unmerklich verändern.

Erst beim erneuten Betrachten der Fotos nach vielen Jahren verstand ich allmählich, warum ich damals so gern zum Sommerschloss fuhr. Neben der Schönheit seiner Bauten und Gärten zog mich wohl besonders ein Lebensrhythmus an, in dem Zeit frei verstreichen durfte. Fahren, spazieren, in Büchern blättern, am Fluss in der Sonne sitzen: Es gab kein klares Ziel und nichts, das dringend fertig werden musste. Damals wollte ich immer mehr Orte sehen und mehr Dinge kennenlernen. Heute erkenne ich, dass manche Orte gerade deshalb wiederholte Besuche verdienen, weil sich bei jeder Rückkehr eine leicht veränderte Landschaft zeigt. Die jahrhundertelange Schlossgeschichte im Verhältnis zum kurzen Leben eines Menschen verleiht der Zeit unterschiedliche Maßstäbe. Das Schloss erlebte Aufstieg und Niedergang von Dynastien, Kriege und Wiederaufbau, während der Garten weiterhin mit den Jahreszeiten wächst. Menschen kommen und gehen. Neue Geschichten entstehen, und manche Erinnerungen an frühere Tage bleiben am Ort.

Das winterliche Bild des Sommerschlosses ist mir stets geblieben: gelbliche Wälder, leere Beete, Wege ohne Blütenschmuck und ein Boden, der auf das Wiedererwachen im Frühling wartet. Als ich damals darauf blickte, kam mir eine Frage: Wie viele Frühlinge würden noch auf meine Rückkehr warten? Vielleicht bedauerte ich damals nur das Vergehen der Jahreszeiten. Heute verstehe ich, dass diese Frage auch mein eigenes Leben betraf. Der Frühling kehrt jedes Jahr zurück, doch wir können wohl kaum im selben Alter und in derselben Stimmung wieder am selben Ort stehen. Landschaften, die uns selbstverständlich erschienen, werden mit der Zeit zu kostbaren Erinnerungen. Heute vermisse ich neben den Jahreszeiten von Pillnitz auch mein damaliges Ich, das bereit war, mehr als eine halbe Stunde zu fahren, nur um im Garten umherzugehen, die Landschaft anzusehen und sich weiterhin auf den nächsten Frühling zu freuen.

城市‧土地‧文化敘事(壹一四)慕尼黑的阿薩姆教堂:當光不在,華麗也顯得虛無

慕尼黑的阿薩姆教堂:當光不在,華麗也顯得虛無


幽暗、死亡、巴洛克。這是我回想慕尼黑阿薩姆教堂(Asamkirche)時,最先浮現的幾個詞彙。記憶中的教堂,彷彿處於一場漫長的黑夜,等待黎明到來。那些繁複的雕刻、扭轉的柱身與金碧輝煌的裝飾,在幽暗之中若隱若現。我始終好奇,為什麼歐洲許多教堂總是如此昏暗?是為了節省能源,還是刻意讓自然光決定神聖空間的樣貌?走過許多教堂,南德巴洛克的華麗與北德磚造教堂的樸素,總讓我思考,建築這副物質的軀殼,究竟該如何承載無形的神聖?是透過華麗的裝飾,還是藉由空間的純粹?誰又更接近心中的信仰?恐怕很難分出高下。


阿薩姆教堂鑲嵌於慕尼黑市中心繁忙的商業街道之中,這樣的存在本身就令人好奇。它沒有宏偉的廣場,也沒有足以讓人遠望的高聳輪廓,只有一面雕塑般起伏的華麗立面,夾在連續的街屋之間。第一次經過時,甚至未必意識到它是一座教堂。或許出於探險的心情,也或許只是走累了,便順著好奇心推門而入。街道上的喧囂瞬間被隔絕,迎面而來的是狹長、幽閉而沉靜的空間。那些層層堆疊的雕刻與壁畫,因為自然光有限,反而顯得更加神祕。多年後重新翻看照片,記憶或許已經有所偏差,但那種幽暗的感受依然清晰,甚至超越了建築本身的華麗。


後來才知道,這座教堂是由阿薩姆兄弟自行出資興建。哥哥擅長壁畫與透視繪畫,弟弟精通建築、雕塑與灰泥裝飾,兩人將各自的技藝凝聚在這座狹小的空間之中。知道這段歷史後,我開始想像他們當時的心情。究竟是為了展現自己的才華,還是為自己的藝術技術做一場策展? 如果將教堂視為展場,建築、雕塑、壁畫與光線就是一件件經過精心安排的作品,而他們同時扮演藝術家與策展人的角色。當一位藝術家終於擁有高度自主的創作空間,是否會迫不及待地將畢生所學全部呈現?那是創作自由帶來的興奮,還是想向世人證明自身能力的野心?我試著想像兄弟倆站在尚未完工的教堂裡,討論每一個雕塑的位置、壁畫的構圖,以及光線該如何進入。對他們而言,這座建築或許既是宗教信仰的寄託,也是一次對自己藝術能力的完整檢驗。


然而,當所有技術都被展現出來,是否就能構成真正動人的作品?這是我重新觀看阿薩姆教堂時產生的疑問。如此繁複的雕塑與裝飾,在幽暗的空間裡,許多細節甚至難以辨識。藝術家費盡心思創造的華麗世界,最終仍然需要依附光線才能被看見。當少數從窗戶透入的自然光落在雕刻與牆面上,某些細節突然被喚醒,另一些部分卻繼續沉入陰影。當光不在,一切物質似乎也顯得虛無,即使是最華麗的巴洛克,也只能靜靜等待被照亮。 阿薩姆兄弟是否曾經思考過這樣的矛盾?或許他們精心安排明暗,正是為了讓人感受神聖的存在;又或許幾百年後的我,從他們的作品裡讀出了另一種意義。當技術達到極致,真正能留下感動的,可能仍是那些無法完全被技術掌握的事物。


回想幾次造訪慕尼黑,起初都沒有刻意安排教堂巡禮。更多時候,只是在城市裡漫遊,穿越熱鬧的商店、廣場與街道,偶然看見一扇可以走進去的教堂大門。或許這也是我喜歡探訪歐洲教堂的原因。外頭是商業活動與持續流動的人群,裡頭卻保留著另一種時間。兩種截然不同的世界,僅僅相隔一道門檻。走進去,腳步自然慢了下來,視線開始尋找空間裡的光線與細節,城市的聲音也逐漸退去。我未必為了宗教信仰而來,也不一定理解每件藝術作品背後的象徵,只是想找一處可以暫時歇腳的地方。這種從喧囂進入寧靜的身體經驗,反而成為我記憶裡最真實的空間感受。


如今重新回望這座教堂,我不禁思考,一位藝術家究竟希望自己的作品被如何記住?阿薩姆兄弟或許希望世人讚嘆他們的技術、欣賞他們的才華,也希望在宗教信仰之中留下某種永恆。然而幾百年後,一個偶然經過的旅人,記住的卻是幽暗裡的一束光,以及暫時遠離城市喧囂的片刻寧靜。藝術家所企圖表達的,與觀眾最終感受到的,總存在一段難以預測的距離。也許這正是藝術有趣的地方。再精密的策展,也無法完全決定一個人的記憶。當年兄弟倆傾盡才華所創造的神聖空間,在漫長歲月之後,依然以自己的方式與陌生人相遇。當雕刻的細節逐漸被遺忘,真正留在我心裡的,是那道門後的黑暗,以及黑暗讓我重新看見的光。

Die Münchner Asamkirche: Ohne Licht erscheint selbst die Pracht leer


Dunkelheit, Tod, Barock. Das sind die ersten Worte, die mir beim Gedanken an die Münchner Asamkirche einfallen. In meiner Erinnerung scheint die Kirche in einer langen Nacht zu verharren und auf den Morgen zu warten. Aufwendige Schnitzereien, gewundene Säulen und glänzender Schmuck tauchen im Halbdunkel auf und verschwinden wieder. Ich habe mich immer gefragt, warum so viele europäische Kirchen so dunkel sind. Geht es ums Energiesparen, oder soll das natürliche Licht bewusst die Gestalt des sakralen Raumes bestimmen? Nach vielen Kirchenbesuchen lassen mich die Pracht des süddeutschen Barocks und die Schlichtheit norddeutscher Backsteinkirchen immer wieder darüber nachdenken, wie Architektur als materieller Körper das unsichtbare Heilige tragen kann. Durch reiche Verzierungen oder durch räumliche Reinheit? Was kommt dem Glauben im Inneren näher? Eine Rangfolge lässt sich wohl kaum bestimmen.

Die Asamkirche ist in eine belebte Geschäftsstraße der Münchner Innenstadt eingefügt. Schon diese Lage macht neugierig. Sie besitzt weder einen großen Vorplatz noch eine hoch aufragende Silhouette für den Blick aus der Ferne. Zwischen den aneinandergereihten Stadthäusern erscheint lediglich ihre prächtige, skulptural bewegte Fassade. Beim ersten Vorbeigehen erkennt man möglicherweise nicht einmal, dass es eine Kirche ist. Vielleicht aus Entdeckerlust, vielleicht auch nur vom Gehen müde, folgte ich meiner Neugier und öffnete die Tür. Augenblicklich verstummte der Straßenlärm. Vor mir lag ein schmaler, lang gestreckter, abgeschlossener und stiller Raum. Die übereinanderliegenden Schichten von Skulpturen und Wandmalereien wirkten durch das wenige Tageslicht noch geheimnisvoller. Beim erneuten Betrachten der Fotos nach vielen Jahren mag sich die Erinnerung verschoben haben. Doch das Gefühl der Dunkelheit bleibt klar und übertrifft sogar die Pracht der Architektur.

Erst später erfuhr ich, dass die Brüder Asam die Kirche aus eigenen Mitteln errichtet hatten. Der ältere beherrschte Fresken und perspektivische Malerei, der jüngere Architektur, Bildhauerei und Stuckdekoration. In diesem kleinen Raum bündelten sie ihre jeweiligen Fähigkeiten. Seit ich diese Geschichte kenne, versuche ich mir ihre damaligen Gefühle vorzustellen. Wollten sie ihre Begabung zeigen oder eine Ausstellung ihrer künstlerischen Techniken kuratieren? Betrachtet man die Kirche als Ausstellungsraum, werden Architektur, Skulptur, Wandmalerei und Licht zu sorgfältig angeordneten Werken. Die Brüder übernehmen zugleich die Rollen von Künstlern und Kuratoren. Möchte ein Künstler, sobald er weitgehende schöpferische Selbstständigkeit erreicht, möglichst alles zeigen, was er im Laufe seines Lebens gelernt hat? Ist das die Begeisterung über kreative Freiheit oder der Ehrgeiz, der Welt die eigenen Fähigkeiten zu beweisen? Ich stelle mir vor, wie die beiden in der unvollendeten Kirche stehen und über die Position jeder Skulptur, die Komposition der Fresken und den Lichteinfall sprechen. Für sie war das Gebäude vielleicht Ausdruck ihres Glaubens und zugleich eine umfassende Prüfung ihres künstlerischen Könnens.

Doch entsteht schon dadurch, dass sämtliche Fertigkeiten gezeigt werden, ein wirklich berührendes Werk? Diese Frage stellte sich mir beim erneuten Betrachten der Asamkirche. Viele Einzelheiten der aufwendigen Skulpturen und Verzierungen sind im dunklen Raum kaum zu erkennen. Die prachtvolle Welt, die die Künstler mit so viel Mühe schufen, bleibt letztlich auf Licht angewiesen, um sichtbar zu werden. Wenn das wenige Tageslicht durch die Fenster auf Schnitzereien und Wände fällt, erwachen bestimmte Details plötzlich, während andere weiter im Schatten versinken. Fehlt das Licht, scheint alle Materie substanzlos zu werden. Selbst der prächtigste Barock kann dann nur still darauf warten, beleuchtet zu werden. Haben die Brüder Asam über diesen Widerspruch nachgedacht? Vielleicht gestalteten sie Hell und Dunkel gerade so sorgfältig, um die Gegenwart des Heiligen spürbar zu machen. Vielleicht lese aber auch ich Jahrhunderte später eine andere Bedeutung aus ihrem Werk heraus. Wenn die Technik ihre höchste Vollendung erreicht, liegt das nachhaltig Berührende womöglich weiterhin in Dingen, die sie nicht vollständig beherrschen kann.

Bei meinen mehreren Besuchen in München hatte ich zunächst keine gezielte Kirchenbesichtigung vorgesehen. Meist streifte ich durch die Stadt, vorbei an belebten Geschäften, Plätzen und Straßen, und entdeckte zufällig eine Kirchentür, durch die ich eintreten konnte. Vielleicht besuche ich deshalb so gern europäische Kirchen. Draußen sind Handel und unablässig strömende Menschen, drinnen bleibt eine andere Zeit erhalten. Nur eine Schwelle trennt diese sehr verschiedenen Welten. Beim Eintreten werden meine Schritte von selbst langsamer. Mein Blick sucht Licht und Einzelheiten im Raum, während die Geräusche der Stadt allmählich zurücktreten. Ich komme nicht unbedingt aus religiösem Glauben und verstehe auch nicht immer die Symbolik jedes Kunstwerks. Ich suche lediglich einen Ort, an dem ich kurz ausruhen kann. Gerade dieser körperliche Übergang vom Lärm in die Stille ist zur greifbarsten Raumerfahrung meiner Erinnerung geworden.

Wenn ich heute auf diese Kirche zurückblicke, frage ich mich unwillkürlich, wie ein Künstler sein Werk in Erinnerung behalten wissen möchte. Die Brüder Asam hofften vielleicht auf Bewunderung für ihr Können und ihre Begabung und darauf, im religiösen Glauben etwas Ewiges zu hinterlassen. Jahrhunderte später erinnert sich ein zufällig vorbeikommender Reisender jedoch an einen Lichtstrahl im Dunkeln und einen kurzen stillen Augenblick fern vom Lärm der Stadt. Zwischen dem, was Künstler ausdrücken möchten, und dem, was das Publikum schließlich empfindet, liegt stets eine schwer vorhersehbare Distanz. Vielleicht macht gerade dies Kunst interessant. Selbst die präziseste kuratorische Anordnung kann die Erinnerung eines Menschen nicht vollständig bestimmen. Der sakrale Raum, in den die Brüder all ihr Können legten, begegnet auch nach langer Zeit auf seine eigene Weise fremden Menschen. Während die Einzelheiten der Schnitzereien allmählich verblassen, bleiben mir die Dunkelheit hinter jener Tür und das Licht, das mich diese Dunkelheit neu sehen ließ.