2026年9月26日 星期六

城市‧土地‧文化敘事(五十七)追逐朗香教堂,追逐光

追逐朗香教堂,追逐光


光不待人。那時候的我好像也是一樣,心裡總有一種很急的感覺,覺得前面還有很多地方要去,很多東西想看,很多事情要趕快完成。那大概是學院畢業後替自己安排的一趟遠行,也像是告別之前的一次整理。每一趟旅行都是學習,只是代價也不小,時間、金錢、體力,還有對未來的不確定。那時候其實也不知道下一步到底會走到哪裡,但既然都已經走到這裡了,就只能繼續往前。現在回頭看,我那時候好像一直在追逐一些東西,追逐城市,追逐建築,也追逐光。


學建築的人大概很難完全避開柯比意。那些書裡看過很多次的圖面、比例、窗洞、混凝土,久了之後反而會有一種距離感。你知道它很重要,也知道它影響很大,可是如果沒有真的走進去,很多東西還是停在紙上。所以朗香教堂一直在我的清單裡,再遠都想去看一次。那趟路現在已經有點記不清楚到底換了幾次車,只記得應該是在 Freiburg 待了一晚,隔天再往法國方向走,慢慢進到 Ronchamp。離開德國邊界後,城市開始變小,窗外也慢慢變成田野、森林和小鎮。真正讓我記住的,反而是最後那段上山的路。它沒有因為山頂放著一座世界知名的建築,就被整理成很漂亮的觀光大道,還是一條很普通的森林小路,安安靜靜的。路上的指標也很簡單,一塊木牌,上面刻著教堂的線稿,沒有太多文字,好像也沒有特別想告訴你,前面就是建築史上的經典。


我很喜歡那種感覺,一切都很收斂。途中經過一戶人家,一位老奶奶還很自然地幫我指路。那個畫面我一直記得。對我來說,朗香可能是一生特地安排一次的建築朝聖,但對她來說,這大概就是每天生活旁邊的一座山、一條路、一棟建築。世界把它當作經典,地方的人只是跟它一起生活。


我到得很早,九點以前就已經在門口,但大門還沒開,只能站在外面等。其實等待也滿有意思的,你都已經走這麼遠了,最後卻只能隔著門看著裡面,那個期待反而被拉得更長。等到真正進去之後,最讓我留下印象的,其實也不是它那個大家都認得的外型,而是光。朗香裡面的光很安靜,沒有很亮,也沒有很強烈,大部分只是從厚牆裡那些大小不一的窗洞慢慢進來,再落在白色牆面上。有些光帶著紅色、黃色,祭壇附近的光尤其柔,像一層淡淡的紅暈停在牆上。你進去的時候,眼睛其實要先習慣黑暗,過一陣子才會慢慢看到那些微弱的光。我那時候就在裡面走來走去,有時候坐一下,有時候只是站著看牆。我也是到那個時候才真的理解,為什麼厚牆會那麼重要。牆越厚,窗洞越深,光走進來的距離越長,它就不只是亮度,而是變成一種有重量、有方向的東西。

後來我在一些建築裡,也有再看到類似的感受。像台南藝術大學漢寶德紀念館,或台東東工的教堂,都會讓我想到朗香。其實材料可以很簡單,空間也不用太複雜,只要一道光的位置對了,人的注意力就會被帶走。在朗香裡,大部分的人也會自然安靜下來,有人禱告,有人低頭,有人只是坐著休息。沒有誰要求大家閉嘴,但走進去之後,你就是會自己把聲音放小。我也是一樣。室內真正亮的地方很少,外面的陽光從縫隙和窗口慢慢進來,祭壇上可能就一點點燭光,可是因為周圍夠暗,那一點光就很有力量。人的眼睛會自動看過去,心好像也會跟著慢下來。那時候我很直接地感覺到,光真的可以控制情緒,或者至少可以改變一個人的狀態。建築沒有說話,但它用明暗、厚度、距離、聲音,慢慢改變你在裡面的行為。

我那天拍了很多照片,牆、屋頂、窗、祭壇、路徑、光線,什麼都想留下來。可是多年後再回頭看,真正記得的反而不是那些造型。照片可以把形狀留下來,但感受很難完整保存。因為我畢竟沒有住在那裡,我不知道下雨時是什麼樣子,也不知道冬天積雪之後會變成什麼樣子,更不知道住在附近的人看了幾十年之後,對這座建築還有沒有什麼特別感覺。我們這種短暫到訪的人,其實很容易一直想去解讀形式、比例、材料、空間,想把裡面的密碼全部拆開。可是後來我也會想,也許沒有那麼多密碼。它就是一個空間,你走進去,坐下來,看著一道光落在牆上,聽見腳步聲慢慢變小,然後身體自然知道該怎麼待在那裡,這樣也就夠了。


後來看更多朗香的資料,從戰爭破壞、重新委託,到施工、修復,我才越來越覺得,一件能留下很久的作品,從來都不是一個建築師單獨完成的。它需要很多人,需要宗教團體、工程師、工匠、地方居民,也需要時代剛好提供那個條件。很多時候,真的是時代成就一位建築師。我們最後記住的是柯比意的名字,可是一棟建築真正落到土地上,背後其實有很多人的願力。那些修建過程、爭論、施工痕跡,甚至後來一次又一次的修復,可能都跟建築本身一樣重要。經典也不是完工那一天就成為經典,它要被使用、被爭論、被修復,還要被一代又一代的人重新看一次。

現在再回頭看,那趟追朗香的旅程,表面上好像只是去看一棟大師建築,可是我覺得自己那時候追的其實是一種安靜。剛好那個階段的我也在一個轉折裡,前面的路不太清楚,所以才會對那一點微弱的光記得那麼深。多年以後再翻照片,記憶會自己替當年的畫面重新配上一段樂章,當然裡面也有很多現在的我加回去的感受。可是有些地方就是這樣,你只去過一次,很多年之後,它還是會自己亮起來。

我原本以為自己千里迢迢去朗香,是為了看一棟建築。後來留下來的,是一道光。也是那段曾經很急著往前走的人生。


2026年9月25日 星期五

城市‧土地‧文化敘事(五十六) 格拉茲,一隻外來物種如何進入古典城市

格拉茲,一隻外來物種如何進入古典城市

第一次知道 Kunsthaus Graz 格拉茲藝術館,吸引我的其實就是那個衝突。在一座紅瓦屋頂、教堂尖塔與古典街廓排列得如此完整的歐洲城市裡,突然出現一個巨大、深藍、像幽浮又像某種生物的東西。從城堡山往下看,它幾乎沒有任何想要融入周圍環境的意思。那些圓滑曲面、凸起的採光口、反射天空的外殼,就這樣覆蓋在城市原本整齊的屋頂陣列之中。


這當然會讓人好奇。一座如此尊重歷史紋理的城市,究竟在什麼樣的時代背景下,願意讓這樣的建築落在自己的土地上?這是一種衝突,還是一座城市正在尋找某個突破點?那也是我旅行以前最直接的動機。


2000年代初期,那時已經開始接觸所謂數位建築、參數化設計、自由曲面這些概念。電腦開始改變建築師處理形體的方法,原本很難計算、很難施工的曲面,逐漸可以透過數位模型進入真正的建築工程。但當時的我知道的是概念,對於這些想法究竟在世界哪些地方真正被落實,其實沒有太清楚的認識。

後來才慢慢發現,歐洲某些城市就是那個年代重要的實驗場所。美術館、藝術中心、辦公建築、交通設施,一座又一座原本只可能出現在模型裡的形體開始被建造出來。尤其當這些新的建築語言被放進幾百年的城市裡,那種衝突更加明顯。也因為突兀,它們很快成為話題,最後甚至進入建築史的教材。


這件事後來也影響了我的旅行方式。散落在世界各地那些奇怪的、難以歸類的建築,我都會想親自去看看。某種程度上像在收集徽章,看到一棟,就在自己的建築地圖上補上一個座標。現在回頭看,那些移動其實都有價值。因為照片可以知道形體,書本可以知道年代,真正到了現場以後,才能理解一棟建築到底和街道、居民、歷史以及土地形成什麼關係。

Kunsthaus Graz 就是其中很典型的一個例子。它由 Peter Cook 與 Colin Fournier 設計,2003年完成。那一年格拉茲是「歐洲文化之都」,城市正在重新思考自己的文化定位。藝術館被放在 Mur 河西側的 Lend 區,這件事情本身就比它長得像什麼更加重要。

格拉茲的歷史核心長期集中在河的另一側。城堡山、鐘樓、教堂、主廣場與古老街區,都構成我們對格拉茲最典型的印象。相較之下,Mur 河另一岸的發展條件與城市身份一直不同。於是 Kunsthaus 的出現,可以理解成城市重新配置文化重心的一次動作。它沒有躲進原本已經成熟的古城核心,而是落在河的另外一側。這就讓那個「Friendly Alien,友善的外星人」的稱呼突然變得很有意思。它真的就像一隻外來物種。



沒有紅瓦,沒有古典山牆,也沒有試圖複製周圍建築的比例語言。藍黑色的曲面直接進入城市,人們只能慢慢與它相處。今天回頭看,它已經成為格拉茲最容易被辨認的城市圖像之一,但當一個如此陌生的物件第一次出現在這裡時,市民究竟怎麼看待它,我其實很難從旅行者的角度完全理解。是否抗拒,是否爭論,是否有人認為它破壞了城市風景,這些聲音當然都可能存在。

可是建築一旦完成,時間會慢慢改變問題。原本的問題是「為什麼要讓它蓋在這裡?」二十年以後,問題變成「如果格拉茲沒有它,這座城市今天會少掉什麼?」這就是城市很有趣的地方。我們常常用當下的美感去判斷建築,漂亮或醜陋、協調或突兀。但城市的時間尺度遠比一個人的觀看長。真正需要檢驗的,是一棟建築進入城市二十年、五十年之後,它究竟產生了什麼。

人流是不是改變了。河兩岸的關係是不是改變了。周圍的商業、文化活動、創意產業是不是開始重新聚集。居民是不是開始用新的方式理解這個地方。當這些事情發生以後,建築已經離開單純的造型判斷。我在現場其實沒有對它的展覽留下太深的記憶,反而一直記得它的外觀。這也很誠實。旅行有時候就是如此,你未必記得館內當時展出了誰的作品,卻會記得自己第一次站在城堡山上,看見那隻深藍色生物躺在整片紅色屋頂裡的瞬間。

那個畫面本身就已經成為作品。後來走到街上,它又變成另外一種尺度。自行車停在下面,公車從旁邊經過,人們走進咖啡館,城市生活仍然照常發生。遠遠看去如此張揚的物件,到了街道尺度,其實已經慢慢被日常吸收。

這可能就是它真正成功的地方。它沒有讓格拉茲忘記自己的傳統。老城依然保持得非常清楚。地方服飾依然精緻,教堂、信仰、廣場、古典建築與街道紋理也沒有因此消失。城堡山還是在那裡,鐘樓依然控制著城市的歷史天際線。新的東西進來了,舊的東西也繼續存在。

所以真正值得觀察的問題,是一座城市究竟能容納多少差異。我站在城堡山往下看 Kunsthaus 時,常會想到上方這座山本身曾經也是軍事堡壘。格拉茲曾經是一個重要的戰略位置,防禦設施控制著城市與河谷。幾百年之後,山腳下又出現另一個巨大的城市物件。

如果把 Kunsthaus 想成另外一種堡壘,似乎也說得過去。它不再防禦敵人,它保存的是城市對文化、藝術與創造力的企圖。一個是軍事時代的精神支柱。另一個屬於文化城市競爭的年代。城市的權力形式改變了,建築依然負責把那個時代相信的價值留下來。

這也讓我開始理解,城市發展有時需要一些不尋常的東西。所有建築都追求協調,城市最後可能只剩下安全。如果每個年代都不敢留下自己的語言,我們今天看到的歐洲城市,也不會擁有如此豐富的時間層次。

當然,這件事情也存在界線。一個強烈的異物可以成為城市的記憶點。十個、二十個都想成為地標時,城市反而容易失去原本的秩序。所以 Kunsthaus Graz 的特殊之處,也許就在於它取得了一個非常罕見的位置。

在整片古典城市之中,它只有一個。它可以張揚,可以奇怪,可以像從另外一個世界掉下來。因為它周圍還有足夠完整的城市,承受它的存在。這讓我想到布拉格的 Dancing House。這些建築未必需要所有人喜歡,甚至必然伴隨爭論,但它們得到了一種很少見的命運,被留下、被討論,最後進入建築史。

某種程度上,它們都是城市裡的天選之物。不是因為形式永遠正確,而是那個時代、那塊土地、政治條件、技術能力與城市企圖剛好交會在一起,讓一個原本看似不可能的東西真的被建造出來。多年以後,人們已經很難想像它不存在的城市。

而這或許也是我旅行時一直在尋找的東西。我想看的從來沒有只是一棟建築。我想知道的是,一座城市在某一個歷史時刻,究竟相信了什麼,才願意把這樣的東西留下來。

Kunsthaus Graz 留下的,就是2000年代初期那個相信科技、文化與建築可以重新改變城市的時代。深藍色的外來物種依然躺在紅色屋頂之間。二十多年過去,它沒有被城市排斥出去。它自己也已經成為城市歷史的一部分。


Graz: Wie eine fremde Spezies in die klassische Stadt gelangte


Als ich zum ersten Mal vom Kunsthaus Graz erfuhr, faszinierte mich vor allem dieser Konflikt. In einer europäischen Stadt, in der rote Ziegeldächer, Kirchtürme und klassische Häuserblöcke ein so geschlossenes Bild ergeben, taucht plötzlich etwas Großes und Dunkelblaues auf, das an ein UFO oder ein Lebewesen erinnert. Vom Schlossberg aus gesehen unternimmt es kaum den Versuch, sich seiner Umgebung anzupassen. Seine glatten Kurven, die hervortretenden Lichtöffnungen und die den Himmel spiegelnde Hülle legen sich mitten in die geordnete Dachlandschaft der Stadt.

Das weckt unweigerlich Neugier. Unter welchen historischen Bedingungen war eine Stadt, die ihr geschichtliches Gefüge so sehr achtet, bereit, einem solchen Bauwerk auf ihrem Boden Platz zu geben? War das ein Konflikt, oder suchte die Stadt nach einem Durchbruch? Darin lag auch mein unmittelbarster Grund für die Reise.

Zu Beginn der 2000er Jahre war ich bereits mit Begriffen wie digitaler Architektur, parametrischem Entwerfen und freien Oberflächen in Berührung gekommen. Computer begannen zu verändern, wie Architekten mit Formen umgingen. Kurven, die zuvor nur schwer zu berechnen und zu bauen waren, konnten durch digitale Modelle allmählich in reale Bauvorhaben eingehen. Damals kannte ich jedoch vor allem die Konzepte und wusste kaum, an welchen Orten der Welt diese Ideen tatsächlich umgesetzt worden waren.

Erst später entdeckte ich nach und nach, dass einige europäische Städte zu wichtigen Versuchsfeldern jener Zeit geworden waren. Museen, Kunstzentren, Bürogebäude und Verkehrsanlagen nahmen Formen an, die vorher nur in Modellen möglich erschienen. Besonders deutlich wurde der Konflikt, wenn diese neuen Architektursprachen in jahrhundertealte Städte gesetzt wurden. Gerade ihre Fremdheit machte sie schnell zum Gesprächsthema und schließlich sogar zum Stoff der Architekturgeschichtsbücher.

Das veränderte später auch die Art, wie ich reiste. Seltsame, schwer einzuordnende Gebäude, die über die Welt verstreut lagen, wollte ich selbst sehen. Es war ein wenig wie das Sammeln von Abzeichen: Mit jedem Bauwerk erhielt meine persönliche Architekturkarte eine weitere Koordinate. Rückblickend hatten diese Wege ihren Wert. Fotografien zeigen die Form, Bücher nennen die Zeit, doch erst vor Ort lässt sich verstehen, welche Beziehung ein Gebäude zu Straßen, Bewohnern, Geschichte und Land eingeht.

Das Kunsthaus Graz ist dafür ein besonders typisches Beispiel. Es wurde von Peter Cook und Colin Fournier entworfen und 2003 fertiggestellt. In jenem Jahr war Graz Kulturhauptstadt Europas, und die Stadt dachte über ihre kulturelle Position neu nach. Das Museum wurde im Bezirk Lend auf der Westseite der Mur errichtet. Diese Entscheidung ist wichtiger als die Frage, woran das Gebäude erinnert.

Der historische Kern von Graz konzentrierte sich lange auf das andere Ufer. Schlossberg, Uhrturm, Kirchen, Hauptplatz und alte Viertel prägen gemeinsam das vertraute Bild der Stadt. Auf der anderen Seite der Mur waren Entwicklungsbedingungen und städtische Identität stets anders. Das Kunsthaus lässt sich daher als ein Schritt verstehen, mit dem die Stadt ihren kulturellen Schwerpunkt neu verteilte. Es versteckte sich nicht im bereits gefestigten Zentrum der Altstadt, sondern ließ sich auf der anderen Flussseite nieder. Dadurch gewinnt die Bezeichnung Friendly Alien plötzlich besondere Bedeutung. Das Gebäude wirkt tatsächlich wie eine fremde Spezies.

Keine roten Ziegel, keine klassischen Giebel und kein Versuch, die Proportionen der Nachbarbauten nachzuahmen. Die blauschwarze, gekrümmte Oberfläche tritt unmittelbar in die Stadt ein, und die Menschen können nur langsam lernen, mit ihr zu leben. Heute gehört sie zu den am leichtesten erkennbaren Stadtbildern von Graz. Wie die Bewohner reagierten, als ein so fremdes Objekt erstmals hier erschien, kann ich aus der Perspektive eines Reisenden jedoch kaum vollständig begreifen. Ablehnung, Streit und die Ansicht, es zerstöre das Stadtbild, mögen durchaus zu den damaligen Stimmen gehört haben.

Sobald ein Gebäude fertiggestellt ist, verändert die Zeit allmählich die Frage. Zunächst lautet sie: ‚Warum soll es hier gebaut werden?‘ Zwanzig Jahre später heißt sie: ‚Was würde Graz heute ohne dieses Gebäude fehlen?‘ Darin liegt das Faszinierende einer Stadt. Wir beurteilen Architektur oft mit dem ästhetischen Empfinden des Augenblicks: schön oder hässlich, harmonisch oder störend. Der Zeithorizont einer Stadt ist jedoch viel länger als der Blick eines einzelnen Menschen. Entscheidend ist, was ein Bauwerk nach zwanzig oder fünfzig Jahren in der Stadt bewirkt hat.

Haben sich die Bewegungsströme verändert? Hat sich das Verhältnis zwischen den beiden Ufern gewandelt? Haben sich Handel, Kultur und Kreativwirtschaft in der Umgebung neu gesammelt? Begannen die Bewohner, diesen Ort anders zu verstehen? Sobald das geschieht, hat die Architektur die bloße Beurteilung ihrer Form verlassen. An die Ausstellung im Inneren habe ich keine besonders tiefe Erinnerung, an das Äußere dagegen sehr wohl. Das ist eine ehrliche Beschreibung. Reisen ist manchmal so. Vielleicht erinnert man sich nicht daran, wessen Werke damals gezeigt wurden, wohl aber an den ersten Augenblick auf dem Schlossberg, als dieses dunkelblaue Wesen mitten in einem Feld roter Dächer lag.

Dieses Bild war bereits selbst zu einem Werk geworden. Später, unten auf der Straße, nahm es einen anderen Maßstab an. Fahrräder standen darunter, Busse fuhren vorbei, Menschen betraten Cafés, und das städtische Leben ging wie gewohnt weiter. Ein Objekt, das aus der Ferne so laut auftritt, wurde auf der Ebene der Straße allmählich vom Alltag aufgenommen.

Vielleicht liegt genau darin sein eigentlicher Erfolg. Es brachte Graz nicht dazu, seine Traditionen zu vergessen. Die Altstadt ist weiterhin klar erhalten. Die regionalen Trachten bleiben sorgfältig gestaltet, und Kirchen, Glaube, Plätze, klassische Bauten und Straßenstrukturen sind nicht verschwunden. Der Schlossberg steht noch immer dort, und der Uhrturm beherrscht weiterhin die historische Silhouette. Das Neue kam hinzu, während das Alte fortbestand.

Die wirklich interessante Frage lautet daher, wie viel Unterschiedlichkeit eine Stadt aufnehmen kann. Wenn ich vom Schlossberg auf das Kunsthaus hinunterblicke, denke ich oft daran, dass der Berg selbst einst eine militärische Festung war. Graz war ein wichtiger strategischer Ort, dessen Befestigungen Stadt und Flusstal kontrollierten. Jahrhunderte später erschien am Fuß des Berges ein weiteres gewaltiges städtisches Objekt.

Das Kunsthaus als eine andere Art von Festung zu betrachten, erscheint deshalb durchaus plausibel. Es verteidigt nicht mehr gegen Feinde. Es bewahrt den Anspruch der Stadt auf Kultur, Kunst und schöpferische Kraft. Das eine war eine geistige Stütze des militärischen Zeitalters, das andere gehört zur Epoche des Wettbewerbs der Kulturstädte. Die Formen städtischer Macht haben sich verändert, doch die Architektur bleibt dafür zuständig, die Werte festzuhalten, an die ihre Zeit glaubte.

Dadurch begann ich auch zu verstehen, dass die Entwicklung einer Stadt manchmal etwas Ungewöhnliches braucht. Wenn jedes Gebäude nach Harmonie strebt, bleibt am Ende womöglich nur Sicherheit. Hätte jede Epoche Angst davor, ihre eigene Sprache zu hinterlassen, besäßen die europäischen Städte von heute keine so reichen zeitlichen Schichten.

Natürlich hat dies Grenzen. Ein einzelner starker Fremdkörper kann zu einem Erinnerungsort der Stadt werden. Wenn zehn oder zwanzig Gebäude Wahrzeichen sein wollen, verliert die Stadt dagegen leicht ihre ursprüngliche Ordnung. Das Besondere am Kunsthaus Graz könnte deshalb gerade in der äußerst seltenen Position liegen, die es einnehmen durfte.

In der gesamten klassischen Stadt gibt es nur dieses eine. Es darf laut und seltsam sein und wirken, als sei es aus einer anderen Welt gefallen, weil die umgebende Stadt noch geschlossen genug ist, seine Gegenwart zu tragen. Das erinnert mich an das Dancing House in Prag. Solche Gebäude müssen nicht allen gefallen und sind sogar zwangsläufig von Debatten begleitet. Dennoch erhalten sie ein seltenes Schicksal: Sie bleiben, werden diskutiert und gehen schließlich in die Architekturgeschichte ein.

In gewissem Sinne sind sie die auserwählten Objekte der Stadt. Ihre Form ist nicht für alle Zeiten richtig. Vielmehr trafen eine bestimmte Epoche, ein bestimmtes Grundstück, politische Bedingungen, technische Möglichkeiten und städtischer Ehrgeiz genau zusammen, sodass etwas zuvor scheinbar Unmögliches tatsächlich gebaut werden konnte. Jahre später fällt es den Menschen schwer, sich die Stadt ohne dieses Bauwerk vorzustellen.

Vielleicht ist genau das auch, wonach ich auf meinen Reisen immer gesucht habe. Ich wollte nie nur ein Gebäude sehen. Ich möchte wissen, woran eine Stadt in einem bestimmten historischen Augenblick glaubte, sodass sie bereit war, etwas Derartiges zu bewahren.

Das Kunsthaus Graz bewahrt den Geist der frühen 2000er Jahre, als man daran glaubte, Technik, Kultur und Architektur könnten eine Stadt erneut verändern. Die dunkelblaue fremde Spezies liegt noch immer zwischen den roten Dächern. Mehr als zwanzig Jahre sind vergangen, und die Stadt hat sie nicht abgestoßen. Sie selbst ist inzwischen zu einem Teil der Stadtgeschichte geworden.

城市‧土地‧文化敘事(五十五)世紀末的維也納,一座城市如何試驗未來

世紀末的維也納,一座城市如何試驗未來


從一個地鐵出口開始,慢慢發現眼前的建築只是百年前巨大城市改革留下的一個切片。
世紀末的維也納,傳統歷史主義裝飾重新抽象化的浪潮。我對世紀末維也納的理解,是從 Karlsplatz 那兩座保存至今的車站亭開始的。


第一次站在那裡,我注意的其實很單純。白色大理石、綠色金屬骨架、金色細節,還有那些被抽象化的花草圖案。我喜歡那些線條,它們既像植物,又已經脫離真實植物的形狀,變成一套可以重複、排列、延伸的建築語言。我很好奇,設計者究竟看過什麼,又從什麼地方提取出這些形式?

一路追下去,就碰到了 Otto Wagner,也碰到了在他工作室工作的 Joseph Maria Olbrich。再往前走,又遇到維也納分離派、Klimt、Koloman Moser、Josef Hoffmann。原本只是在看一座車站,最後卻進入了一整個時代。

1890年代的維也納正在經歷劇烈變化。城市人口迅速增加,舊有城市尺度已經不足以承受新的居住、交通與公共建設需求。更早的1857年,皇帝 Franz Joseph I 已下令拆除舊城防禦工事,原本城牆與城外軍事空地逐步轉化為 Ringstraße、大型公共建築、公園與新的城市土地。今天習以為常的環城大道,其實就是一次極大規模的都市空間重新分配。


到了1890年代,城市再一次擴張,維也納需要新的總體規劃,也需要新的交通系統。Otto Wagner參與都市總體規劃競圖,又被委託負責 Stadtbahn 城市鐵路的建築設計。後來真正建成的 Wiental、Donaukanal、Gürtel 等路線,經過幾十年的修改、電氣化、重建與整合,部分最後進入今天的 U4、U6 系統。現在看來如此自然的交通網,其實經過一百多年才逐漸變成日常。所以我站在 Karlsplatz,看見的已經不只是一座漂亮的百年車站。

那些花草裝飾背後,同時存在鋼構、鐵路、河川整治、人口遷移、土地重新分配以及一個城市對未來的想像。Wagner的建築之所以重要,也很難只從「新藝術風格」去理解。他站在一個時代推進的位置上,建築只是其中一面旗子。真正龐大的事情,是整座城市正在重新安排自己的骨架。


我安排維也納建築之旅時,因此總想把那些作品一棟一棟找出來。車站、展覽館、郵局、住宅、商店、飯店,它們散落在城市不同角落。單獨觀看,每一棟都像建築史課本裡的一個經典案例;當我真正用腳走過它們,才開始意識到,它們原來彼此都活在同一個城市變動之中。

Secession 展覽館上的桂冠、Pallas Athena、女神、貓頭鷹,Karlsplatz 上被幾何化的植物,當時大量出現在建築、印刷、海報與雜誌裡。古典符號並沒有消失,它們被重新抽象、壓平、簡化,再進入新的材料與新的生產方式。新藝術運動因此很迷人,它仍然帶著歷史,卻已經開始尋找屬於現代生活的視覺語言。


到了 Adolf Loos,那條線又繼續往前走。裝飾逐漸減少,牆面開始安靜下來。材料自己的紋理、鋼構能做到什麼、石材應該呈現什麼表情、空間比例如何形成力量,慢慢取代大量附加圖騰。短短十幾年間,我可以在同一座城市看見 Jugendstil 如何走向更加簡化的現代建築語言。這種轉折在建築史書上可能只有幾頁,真正走在維也納街上,它卻變成一段可以用身體感受到的距離。

更讓我好奇的是,為什麼偏偏是那個時候的維也納?

1900年前後的維也納同時聚集藝術、音樂、文學、哲學、醫學與精神分析。Freud 的《夢的解析》在這個時代出現,藝術家開始研究人的慾望、焦慮與潛意識,建築師重新思考城市、住宅與現代生活。Wien Museum甚至把當時的維也納稱為一個「全球現代文化中心」,但這份繁榮背後也存在巨大的貧窮、階級差異與社會衝突。城市的現代化從來沒有只帶來漂亮的建築。


這也讓我想到達姆施塔特。黑森大公 Ernst Ludwig 以王室資源支持 Mathildenhöhe 藝術家村,讓建築師與藝術家得到一塊真正可以試驗新藝術的土地。維也納的情況更複雜。皇室、市政府、資產階級、私人收藏家、工業家、藝術家團體與新興文化機構共同推動這座城市。有人支持,也有人激烈反對。Secession 曾被視為怪異,Looshaus 曾被罵得體無完膚,Wagner 的都市計畫也沒有完整實現。

所以我開始改變自己對「成功」的理解。

一個城市計畫在提出的當下,也許充滿妥協,甚至有些部分以失敗告終。百年之後再回頭看,某些基礎設施卻已經進入日常生活。維也納早期 Stadtbahn 的系統後來被重新利用、改造,最後成為今日地下鐵網絡的一部分。城市沒有依照某張百年前的總圖完整長成,它是在一代又一代人的修正裡逐漸形成今天的樣子。

這件事對我反而很有啟發。有些事情需要先被做出來,才有可能被修正。人生似乎也是如此。我們總希望第一次判斷就正確,希望找到最完整的方案再開始。但城市的歷史提醒我,真正活得久的系統往往經過無數次修改。先提出願景,實踐,再讓下一個時代修正它。今天看來合理的路徑,可能也是前人一次次錯誤、爭論與重新選擇留下的結果。

所以建築旅行對我而言始終需要到現場。

照片讓我知道建築長什麼樣子,歷史資料讓我理解它發生的年代,但真正站在 Karlsplatz、Ringstraße、Secession 或 Looshaus 前面,我才能用城市尺度回推那個時代。建築與建築之間究竟隔多遠,道路如何連接,公共空間如何被使用,人如何在其中生活,這些事情很難只從一本建築史理解。

即使我最初到維也納的目的,只是為了一場短暫的設計週,或者一次課程,它最後仍然把我帶回一百多年前。我看到的那些建築只是留在城市角落裡的實體證據。真正精彩的維也納,很難由 Wagner、Klimt、Olbrich、Loos 幾個名字完整解釋。它是無數藝術家、建築師、政治制度、市民、資本、工匠、技術與反對力量彼此競爭、合作、衝突之後留下來的堆疊。

而一座城市可以維持幾百年的生命力,最終仍然回到人。建築會老,交通系統會修改,藝術風格會過時,曾經激進的東西也可能在百年後成為觀光景點。真正讓一座城市的精神持續存在的,是每一代人仍願意使用它、維護它、質疑它,再重新賦予它新的意義。

或許這才是我回望世紀末維也納時,真正想理解的事情。一個時代留下來的最大紅利,未必是幾棟名留青史的建築,而是它曾經容許人們大膽試驗未來。


Wien um 1900: Wie eine Stadt die Zukunft erprobte


Ausgehend von einem U-Bahn-Ausgang entdeckte ich allmählich, dass das Bauwerk vor mir nur ein Ausschnitt jener gewaltigen Stadtreform war, die vor mehr als hundert Jahren ihre Spuren hinterlassen hatte.

Im Wien der Jahrhundertwende wurden die Ornamente des traditionellen Historismus in einer neuen Welle abstrahiert. Mein Verständnis dieser Epoche begann mit den beiden bis heute erhaltenen Stadtbahnpavillons am Karlsplatz.

Als ich zum ersten Mal dort stand, fiel mir zunächst etwas sehr Einfaches auf: weißer Marmor, ein grünes Metallgerüst, goldene Details und abstrahierte Pflanzenmotive. Ich mochte diese Linien. Sie erinnerten an Pflanzen und hatten sich zugleich bereits von deren wirklichen Formen gelöst. So wurden sie zu einer Architektursprache, die sich wiederholen, ordnen und fortsetzen ließ. Ich fragte mich, was der Entwerfer gesehen hatte und woher er diese Formen gewann.

Auf dieser Spur begegnete ich Otto Wagner und Joseph Maria Olbrich, der in seinem Atelier arbeitete. Weiter führte sie zur Wiener Secession, zu Klimt, Koloman Moser und Josef Hoffmann. Ausgangspunkt war ein Bahnhof gewesen, am Ende war ich in eine ganze Epoche eingetreten.

Wien erlebte in den 1890er Jahren tiefgreifende Veränderungen. Die Bevölkerung wuchs schnell, und der alte städtische Maßstab genügte den neuen Anforderungen an Wohnen, Verkehr und öffentliche Infrastruktur nicht mehr. Bereits 1857 hatte Kaiser Franz Joseph I. den Abbruch der alten Befestigungsanlagen angeordnet. Stadtmauer und militärisches Glacis wurden schrittweise in die Ringstraße, große öffentliche Bauten, Parks und neues Stadtland verwandelt. Die heute selbstverständliche Ringstraße entstand somit aus einer gewaltigen Neuverteilung des urbanen Raums.

In den 1890er Jahren wuchs die Stadt erneut und benötigte einen neuen Generalplan sowie ein neues Verkehrssystem. Otto Wagner beteiligte sich am Wettbewerb zur Stadtplanung und erhielt später den Auftrag für die Architektur der Stadtbahn. Die tatsächlich gebauten Linien entlang von Wiental, Donaukanal und Gürtel wurden über Jahrzehnte verändert, elektrifiziert, erneuert und integriert. Teile gingen schließlich in die heutigen Linien U4 und U6 ein. Das Verkehrsnetz, das heute selbstverständlich erscheint, wurde erst im Lauf von mehr als hundert Jahren zum Alltag. Am Karlsplatz sah ich deshalb längst mehr als eine schöne, hundert Jahre alte Station.

Hinter den Pflanzenornamenten standen zugleich Stahlkonstruktion, Eisenbahn, Flussregulierung, Bevölkerungsbewegung, Neuverteilung von Land und die Zukunftsvorstellung einer Stadt. Wagners Architektur lässt sich kaum allein über den Jugendstil verstehen. Er stand an einer Stelle, an der eine ganze Epoche vorwärtsdrängte. Architektur war nur eine ihrer Fahnen. Das wirklich große Ereignis bestand darin, dass eine Stadt ihr eigenes Gerüst neu ordnete.

Bei der Planung meiner Architekturreisen durch Wien wollte ich diese Werke deshalb einzeln aufsuchen. Stationen, Ausstellungshallen, Postämter, Wohnhäuser, Geschäfte und Hotels lagen über verschiedene Teile der Stadt verteilt. Für sich betrachtet wirkte jedes wie ein klassisches Beispiel aus einem Lehrbuch. Erst als ich sie zu Fuß miteinander verband, begriff ich, dass sie alle innerhalb derselben städtischen Veränderung lebten.

Der Lorbeerkranz, Pallas Athene, Göttinnen und Eulen am Secessionsgebäude sowie die geometrisierten Pflanzen am Karlsplatz tauchten damals vielfach in Architektur, Druckgrafik, Plakaten und Zeitschriften auf. Die klassischen Zeichen verschwanden nicht. Sie wurden neu abstrahiert, verflacht und vereinfacht und gingen anschließend in neue Materialien und Produktionsweisen ein. Darin liegt der Reiz des Jugendstils. Er trug noch Geschichte in sich und begann bereits, nach einer Bildsprache für das moderne Leben zu suchen.

Mit Adolf Loos setzte sich diese Linie weiter fort. Das Ornament nahm ab, die Wände wurden stiller. Die eigene Textur der Materialien, die Möglichkeiten des Stahls, der Ausdruck des Steins und die Kraft räumlicher Proportionen ersetzten nach und nach die Vielzahl aufgesetzter Motive. Innerhalb von kaum mehr als zehn Jahren ließ sich in derselben Stadt verfolgen, wie der Jugendstil in eine stärker reduzierte moderne Architektursprache überging. Im Geschichtsbuch umfasst dieser Wandel vielleicht nur wenige Seiten. Auf den Straßen Wiens wird er zu einer Entfernung, die der Körper spüren kann.

Noch mehr beschäftigte mich die Frage, warum all dies gerade damals in Wien geschah.

Um 1900 versammelten sich in Wien Kunst, Musik, Literatur, Philosophie, Medizin und Psychoanalyse. Freuds Traumdeutung erschien in dieser Zeit. Künstler untersuchten Begehren, Angst und das Unbewusste, während Architekten Stadt, Wohnen und modernes Leben neu dachten. Das Wien Museum bezeichnet diese Stadt sogar als ein globales Zentrum der modernen Kultur. Hinter dem Glanz standen zugleich große Armut, Klassengegensätze und soziale Konflikte. Die Modernisierung der Stadt brachte niemals nur schöne Gebäude hervor.

Das erinnerte mich auch an Darmstadt. Großherzog Ernst Ludwig von Hessen unterstützte mit höfischen Mitteln die Künstlerkolonie auf der Mathildenhöhe und stellte Architekten und Künstlern tatsächliches Land für Experimente mit einer neuen Kunst zur Verfügung. Wien war komplexer. Kaiserhof, Stadtverwaltung, Bürgertum, private Sammler, Industrielle, Künstlergruppen und neue Kulturinstitutionen trieben die Stadt gemeinsam voran. Manche unterstützten den Wandel, andere bekämpften ihn heftig. Die Secession galt einst als befremdlich, das Looshaus wurde vernichtend kritisiert, und Wagners Stadtplanung wurde nie vollständig verwirklicht.

Dadurch begann sich mein Verständnis von Erfolg zu verändern.

Ein Stadtplan kann im Augenblick seiner Vorstellung voller Kompromisse sein, und manche Teile können sogar scheitern. Ein Jahrhundert später sind bestimmte Infrastrukturen dennoch in den Alltag eingegangen. Das frühe Wiener Stadtbahnsystem wurde später wiederverwendet und umgebaut und schließlich Teil des heutigen U-Bahn-Netzes. Die Stadt wuchs nicht vollständig nach einem Generalplan von vor hundert Jahren. Ihre heutige Gestalt entstand allmählich durch die Korrekturen einer Generation nach der anderen.

Gerade darin lag für mich eine wichtige Erkenntnis. Manche Dinge müssen zuerst entstehen, bevor sie korrigiert werden können. Vielleicht verhält es sich im Leben ähnlich. Wir wünschen uns, bereits beim ersten Urteil richtigzuliegen, und wollen vor dem Beginn die vollständigste Lösung finden. Die Stadtgeschichte erinnert mich daran, dass langlebige Systeme häufig zahllose Änderungen durchlaufen. Zuerst entsteht eine Vision, dann ihre Umsetzung, anschließend korrigiert die nächste Zeit sie. Ein Weg, der heute vernünftig erscheint, kann das Ergebnis wiederholter Irrtümer, Debatten und neuer Entscheidungen früherer Generationen sein.

Deshalb verlangt eine Architekturreise für mich immer den Besuch vor Ort.

Fotografien zeigen mir, wie ein Gebäude aussieht, und historische Quellen erklären seine Entstehungszeit. Erst wenn ich jedoch am Karlsplatz, an der Ringstraße, vor der Secession oder dem Looshaus stehe, kann ich jene Epoche vom Maßstab der Stadt her zurückverfolgen. Die Entfernung zwischen Gebäuden, die Verbindung durch Straßen, die Nutzung öffentlicher Räume und das Leben der Menschen darin lassen sich aus einem Buch über Architekturgeschichte allein kaum verstehen.

Auch wenn der ursprüngliche Anlass meiner Reise nach Wien nur eine kurze Designwoche oder ein Kurs war, führte sie mich schließlich mehr als hundert Jahre zurück. Die Gebäude, die ich sah, sind materielle Beweise in den Ecken der Stadt. Das eigentliche Wien lässt sich durch die Namen Wagner, Klimt, Olbrich und Loos kaum vollständig erklären. Es ist die Schichtung, die zahllose Künstler, Architekten, politische Institutionen, Bürger, Kapital, Handwerker, Technologien und Gegenkräfte durch Wettbewerb, Zusammenarbeit und Konflikt hinterlassen haben.

Dass eine Stadt ihre Lebenskraft über Jahrhunderte bewahren kann, führt letztlich zum Menschen zurück. Gebäude altern, Verkehrssysteme werden verändert, Kunststile vergehen, und einst Radikales kann hundert Jahre später zur Sehenswürdigkeit werden. Der Geist einer Stadt bleibt bestehen, weil jede Generation weiterhin bereit ist, sie zu benutzen, zu pflegen, zu hinterfragen und ihr erneut Bedeutung zu geben.

Vielleicht ist es genau das, was ich beim Rückblick auf Wien um 1900 wirklich verstehen möchte. Der größte Gewinn, den eine Epoche hinterlässt, liegt möglicherweise nicht in einigen berühmten Gebäuden, sondern darin, dass sie Menschen einst erlaubte, die Zukunft mutig zu erproben.

城市‧土地‧文化敘事(五十四)達姆施塔特,從一張婚禮塔明信片開始

達姆施塔特,從一張婚禮塔明信片開始


最初,我只是想去看一座塔。第一次在明信片上看到達姆施塔特 Mathildenhöhe 的 Hochzeitsturm 婚禮塔,那五道向上伸出的屋頂輪廓像一隻攤開的手掌,因此也有「五指塔」的稱呼。當時對它的理解仍停留在建築史裡,知道 Joseph Maria Olbrich,知道 Jugendstil,也知道達姆施塔特藝術家村。風格、年代、建築師都可以從書裡找到,但我始終覺得,只理解形式,還無法真正理解一座建築。




它為什麼出現在這裡,為什麼長成這個樣子,又為什麼是一群人在這個時間點共同創造出來,這些問題都只能回到城市與土地裡尋找答案。所以還是得親自走一趟。有些建築可以從圖面理解,有些地方必須走進去,等周圍的道路、花園、坡度、建築與城市一起出現,故事才會真正開始。

站在 Mathildenhöhe 上之後,我才慢慢明白,婚禮塔只是整個故事最醒目的部分。俄羅斯禮拜堂、展覽館、藝術家住宅、工作室、懸鈴木林、道路與花園,都疊在同一座山丘上。甚至在藝術家村成立之前,這裡已經存在城市的水利設施與十九世紀的城市開發。後來的文化建築只是再次覆蓋其上。土地沒有真正被清空,每一代人都在前一代留下的基礎上增加新的意義。

十九世紀末到二十世紀初,歐洲正在快速改變,工業化重新組織城市與生產,Arts and Crafts、Vienna Secession、Jugendstil 等藝術運動也陸續出現。大家都在尋找新的形式,試圖回答新的生活究竟應該長什麼樣子。德意志帝國統一之後,同樣在尋找屬於自己的現代文化語言,而黑森州的達姆施塔特恰好成為其中一個實驗場所。


Ernst Ludwig 是其中最重要的人。他用城市治理與國家視野看待藝術,希望文化能帶動產業、設計與地方經濟。用今天的語言來說,這甚至接近一場創意產業與城市轉型實驗。他提供土地與資源,召集藝術家、建築師與工藝家,讓住宅、家具、產品、平面設計與展覽一起被製造出來。這件事究竟來自遠見,還是個人意志,我想兩者都存在。時代本來就已經往前推進,但最後會長成什麼樣子,仍然取決於誰掌握資源,以及那個人的眼光。

Ernst Ludwig 找到了 Joseph Maria Olbrich,也讓維也納的藝術改革思想來到達姆施塔特。Olbrich 曾參與維也納分離派,他相信藝術不該只處理一棟建築,也應該延伸到街道、花園、室內、家具、燈具甚至一只湯匙。於是 Mathildenhöhe 慢慢成為一件總體藝術作品,一種可以居住、行走、使用的藝術實驗。英國工藝美術運動、世紀末維也納、黑森的新藝術、後來的 Deutscher Werkbund,再到 Weimar 與 Dessau 的 Bauhaus,彼此之間並沒有單純的直線關係,但都在回答同一個問題:藝術能不能重新塑造生活。


這也讓我產生另一個疑問。那些由藝術家高度控制的住宅,究竟好不好住?Mathildenhöhe 的房子充滿強烈個人性,從建築外觀到家具、燈具、餐具都被視為同一件作品的一部分。但幾十年後,包浩斯面對的已經是另一種社會現實。戰後住宅短缺、工業生產、成本、標準化與大量製造都成為新的問題。

Mathildenhöhe 還帶著十九世紀末對理想生活的想像,Bauhaus則必須處理工業社會如何讓更多人真正使用這些設計。每個時代都在回應同一個問題,只是條件不同。這也是我愈看愈有興趣的地方,藝術史真正有意思的部分常常發生在這些轉折與變異之間。


婚禮塔本身也因此變得更容易理解。1908年完成的 Hochzeitsturm 與展覽館一起形成新的城市天際線。下方原本存在十九世紀興建的城市水庫,後來展覽館直接覆蓋在這套基礎設施之上。水利工程、藝術展覽與紀念性建築竟然在同一塊土地上疊合。低平的展覽館與垂直升起的紅磚塔形成強烈對比,那五根像手指般向天空展開的屋頂,使婚禮塔成為城市最容易辨認的符號。我以前只會問它為什麼是這種造型、為什麼使用紅磚、為什麼如此扁平與垂直並置,現在反而會先去看它與整座山丘的關係。建築的答案往往沒有藏在建築本身,而是藏在它前後出現的城市歷史裡。

真正走進婚禮塔後,空間又突然從城市與產業回到愛情。室內那些裸體、青春的身體、飛翔的形象、翅膀與幻想,讓我想到夏卡爾畫作裡那種漂浮的愛情。這只是我觀看時產生的聯想,但那種感覺很直接。現實世界裡沉重的身體,在圖像裡突然失去重量,愛情成為一種漂浮的狀態,青春也像被固定在最純粹的瞬間。


婚禮塔原本是一個城市與政治的紀念物,進入內部後卻又回到非常私密的情感。愛情、肉體、婚姻、土地與權力被放進同一棟建築裡,個人的故事又被轉換成城市的文化記憶。百年之後,當年曾經充滿爭議的藝術實驗成為世界文化遺產,需要城市重新花費大量資源維護與修復。時間把一個曾經前衛、甚至讓人不理解的東西,慢慢轉換成文化資產。

所以重新回頭看那張婚禮塔明信片,我看到的已經不只是那座五指塔。它像一個入口,把十九世紀的城市工程、英國工藝美術運動、世紀末維也納、Ernst Ludwig 的文化治理、Olbrich 的總體藝術思想,以及後來 Werkbund 與 Bauhaus 即將面對的問題全部串在一起。

旅行大概也是如此,先因為一個物件而出發,走進土地之後,才慢慢發現建築後面站著城市,城市後面又站著政治、產業、文化與整個時代。最後真正吸引我的問題也改變了。我開始想知道,一個時代究竟要累積多少人的選擇、文化的交會、產業的變化與個人的意志,最後才會讓一座城市長出這樣的建築。最初特地去看的那座塔,到最後只是讓整個故事開始說話的第一張明信片。


Darmstadt, wo alles mit einer Postkarte vom Hochzeitsturm begann


Am Anfang wollte ich lediglich einen Turm sehen. Als ich den Hochzeitsturm auf der Darmstädter Mathildenhöhe zum ersten Mal auf einer Postkarte sah, erinnerten seine fünf nach oben ragenden Dachlinien an eine geöffnete Hand. Daher wird er auch Fünffingerturm genannt. Mein Verständnis blieb damals noch innerhalb der Architekturgeschichte. Ich kannte Joseph Maria Olbrich, den Jugendstil und die Darmstädter Künstlerkolonie. Stil, Entstehungszeit und Architekt ließen sich in Büchern nachschlagen. Dennoch hatte ich stets das Gefühl, dass die Form allein noch kein wirkliches Verständnis eines Bauwerks ermöglicht.

Warum erschien der Turm gerade hier? Warum nahm er diese Gestalt an? Und warum schuf ihn eine Gruppe von Menschen gemeinsam zu diesem besonderen Zeitpunkt? Antworten auf diese Fragen ließen sich nur in der Stadt und im Boden finden. Deshalb musste ich selbst dorthin gehen. Manche Bauwerke kann man anhand von Plänen verstehen. Andere Orte muss man betreten. Erst wenn Straßen, Gärten, Gefälle, Bauten und Stadt gemeinsam sichtbar werden, beginnt die Geschichte wirklich.

Erst als ich auf der Mathildenhöhe stand, begriff ich allmählich, dass der Hochzeitsturm nur der auffälligste Teil der ganzen Geschichte war. Die Russische Kapelle, das Ausstellungsgebäude, Künstlerhäuser, Ateliers, der Platanenhain, Straßen und Gärten überlagern sich auf demselben Hügel. Noch vor der Gründung der Künstlerkolonie gab es hier bereits städtische Wasseranlagen und die Stadtentwicklung des 19. Jahrhunderts. Die späteren Kulturbauten legten sich als weitere Schicht darüber. Der Boden wurde nie wirklich geleert. Jede Generation fügte den Grundlagen der vorherigen neue Bedeutung hinzu.

Vom späten 19. bis zum frühen 20. Jahrhundert veränderte sich Europa rasch. Die Industrialisierung ordnete Städte und Produktion neu, während Kunstbewegungen wie Arts and Crafts, Wiener Secession und Jugendstil nacheinander hervortraten. Überall suchte man nach neuen Formen und versuchte zu beantworten, wie das neue Leben aussehen sollte. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreichs suchte auch Deutschland nach einer eigenen modernen Kultursprache. Darmstadt in Hessen wurde zu einem ihrer Versuchsfelder.

Ernst Ludwig war dabei die wichtigste Person. Er betrachtete Kunst aus der Perspektive städtischer Regierung und staatlicher Vision und hoffte, durch Kultur Industrie, Gestaltung und die lokale Wirtschaft anzuregen. In heutiger Sprache kam dies einem Experiment mit Kreativwirtschaft und urbanem Wandel nahe. Er stellte Land und Ressourcen bereit und versammelte Künstler, Architekten und Kunsthandwerker, damit Wohnhäuser, Möbel, Produkte, Grafik und Ausstellungen gemeinsam entstehen konnten. Ging dies aus Weitsicht oder aus persönlichem Willen hervor? Ich denke, beides war vorhanden. Die Zeit bewegte sich ohnehin vorwärts. Welche Gestalt sie schließlich annahm, hing dennoch davon ab, wer über die Ressourcen verfügte und welchen Blick diese Person besaß.

Ernst Ludwig gewann Joseph Maria Olbrich und brachte damit die Gedanken der Wiener Kunstreform nach Darmstadt. Olbrich hatte an der Wiener Secession mitgewirkt und war überzeugt, dass Kunst sich über ein einzelnes Gebäude hinaus auf Straßen, Gärten, Innenräume, Möbel, Leuchten und sogar einen Löffel erstrecken sollte. So wurde die Mathildenhöhe allmählich zu einem Gesamtkunstwerk, zu einem künstlerischen Experiment, das man bewohnen, durchschreiten und benutzen konnte. Die britische Arts-and-Crafts-Bewegung, das Wien der Jahrhundertwende, der hessische Jugendstil, der spätere Deutsche Werkbund und schließlich das Bauhaus in Weimar und Dessau bilden keine einfache lineare Abfolge. Dennoch beantworteten sie alle dieselbe Frage: Kann Kunst das Leben neu gestalten?

Dadurch entstand für mich eine weitere Frage. Ließ es sich in diesen von Künstlern stark kontrollierten Häusern tatsächlich gut wohnen? Die Häuser auf der Mathildenhöhe besitzen eine ausgeprägte Individualität. Von der Architektur über Möbel und Leuchten bis zum Geschirr galt alles als Teil eines einzigen Werks. Wenige Jahrzehnte später sah sich das Bauhaus bereits mit einer anderen gesellschaftlichen Wirklichkeit konfrontiert. Wohnungsnot nach dem Krieg, industrielle Produktion, Kosten, Standardisierung und Massenfertigung waren zu neuen Aufgaben geworden.

Die Mathildenhöhe trug noch die Vorstellung des späten 19. Jahrhunderts von einem idealen Leben in sich. Das Bauhaus musste dagegen klären, wie eine Industriegesellschaft diese Gestaltung für mehr Menschen tatsächlich nutzbar machen konnte. Jede Epoche reagierte unter anderen Bedingungen auf dieselbe Frage. Genau das interessiert mich zunehmend. Die wirklich fesselnden Teile der Kunstgeschichte entstehen häufig in solchen Übergängen und Veränderungen.

Auch der Hochzeitsturm wurde dadurch leichter verständlich. Der 1908 fertiggestellte Turm und das Ausstellungsgebäude bildeten gemeinsam eine neue Stadtsilhouette. Darunter befand sich bereits ein im 19. Jahrhundert errichteter städtischer Wasserbehälter, über dem später das Ausstellungsgebäude unmittelbar angelegt wurde. Wasserbau, Kunstausstellung und Monumentalarchitektur überlagerten sich auf demselben Stück Land. Das flache Ausstellungsgebäude steht in starkem Kontrast zum vertikal aufragenden Backsteinturm. Seine fünf fingerartig zum Himmel geöffneten Dachlinien machten den Hochzeitsturm zum leicht erkennbaren Wahrzeichen der Stadt. Früher hätte ich nur gefragt, warum er diese Form besitzt, warum Backstein verwendet wurde und warum Horizontale und Vertikale so nebeneinanderstehen. Heute betrachte ich zuerst seine Beziehung zum gesamten Hügel. Die Antwort eines Bauwerks liegt häufig außerhalb seiner selbst, in der Stadtgeschichte, die ihm vorausging und auf es folgte.

Als ich den Hochzeitsturm betrat, kehrte der Raum plötzlich von Stadt und Industrie zur Liebe zurück. Die nackten, jugendlichen Körper, fliegenden Figuren, Flügel und Fantasien im Inneren erinnerten mich an die schwebende Liebe in den Bildern Chagalls. Das war lediglich eine Assoziation während des Betrachtens, doch das Gefühl stellte sich unmittelbar ein. Die schweren Körper der wirklichen Welt verloren in den Bildern plötzlich ihr Gewicht. Liebe wurde zu einem schwebenden Zustand, und Jugend schien im reinsten Augenblick festgehalten.

Ursprünglich war der Hochzeitsturm ein städtisches und politisches Denkmal. In seinem Inneren führt er jedoch zu sehr privaten Empfindungen zurück. Liebe, Körper, Ehe, Land und Macht befinden sich im selben Bau, während eine persönliche Geschichte in das kulturelle Gedächtnis der Stadt überführt wird. Ein Jahrhundert später ist das einst umstrittene Kunstexperiment Teil des Welterbes und verlangt von der Stadt erneut erhebliche Mittel für Pflege und Restaurierung. Die Zeit verwandelte etwas, das einst avantgardistisch und schwer verständlich war, allmählich in Kulturerbe.

Wenn ich heute auf die Postkarte vom Hochzeitsturm zurückblicke, sehe ich weit mehr als den Fünffingerturm. Sie wirkt wie ein Eingang, der den städtischen Ingenieurbau des 19. Jahrhunderts, die britische Arts-and-Crafts-Bewegung, das Wien der Jahrhundertwende, Ernst Ludwigs Kulturpolitik, Olbrichs Idee des Gesamtkunstwerks und die späteren Fragen von Werkbund und Bauhaus miteinander verbindet.

Vielleicht funktioniert auch das Reisen so. Zunächst brechen wir wegen eines einzelnen Gegenstands auf. Sobald wir den Ort betreten, entdecken wir hinter dem Bauwerk allmählich die Stadt und hinter der Stadt Politik, Industrie, Kultur und eine ganze Epoche. Am Ende hatte sich auch die Frage verändert, die mich wirklich anzog. Ich wollte wissen, wie viele menschliche Entscheidungen, kulturelle Begegnungen, industrielle Veränderungen und persönliche Willensakte eine Zeit ansammeln muss, bis eine Stadt ein solches Gebäude hervorbringen kann. Der Turm, den ich ursprünglich eigens sehen wollte, wurde schließlich zur ersten Postkarte, die die ganze Geschichte zum Sprechen brachte.

城市‧土地‧文化敘事(五十三)倫敦設計節如何成為策展方法

倫敦設計節如何成為策展方法


2016 年,我特地前往倫敦看 London Design Festival。對長期關注公共藝術的人來說,每年的 Serpentine Pavilion 幾乎已經成為固定追蹤的案例。它像是一種朝聖,每年在同一片開放空間裡,邀請不同建築師重新回答建築、材料、結構與公共空間的關係。那一年 BIG 把一面牆逐漸拉開,讓邊界成為可以進入的空間。對當時的我而言,倫敦像是一個巨大的實驗場,新的材料、新的空間觀念、新的設計方法,都可以直接用一比一的尺度放進城市接受測試。

那也是我第一次強烈感受到「設計節」與城市之間的關係。即使當時人在德國,也很難遇到一個如此完整、集中於同一時期,卻又分散在整座城市裡發生的設計盛會。德國當然有非常強大的設計與製造能力,只是它呈現自己的方法不同。倫敦把設計帶進博物館、美術館、街區、商店與公共空間;德國更習慣透過 Messe,把材料、技術、產品、買家與製造商集中在會展中心裡。兩種模式背後其實代表兩套完全不同的文化。

來到倫敦,設計節之外,最難忽略的仍然是它龐大的博物館系統。Tate、British Museum、V&A、National Gallery,許多國家級文化機構的常設收藏都可以免費進入。當博物館不再是一年偶爾造訪一次的特殊場所,而可以成為日常生活的一部分,人的觀看方式自然可能慢慢改變。今天只看一幅畫,明天進去坐半個小時,週末帶孩子看看一件雕塑。長期累積之後,文化與設計形成的就不只是知識,也是一種對比例、材料、歷史、空間與美感的熟悉。

因此我開始思考,一個國家的設計能力究竟從哪裡開始。也許並不只發生在設計學院,更早以前就存在於博物館、街道、公園與公共教育裡。如果一個人從小就能直接接觸世界級收藏與設計,視野被打開之後,細緻的品味似乎也會慢慢成為日常的一部分。
然而事情沒有這麼單純。

我在倫敦停留的時間並不長。陰鬱的天氣甚至讓我覺得比德國更甚;倫敦人的表面禮數很完整,那種克制與距離也讓我印象深刻。城市乾淨、清爽,很多地方都維持著一種不特別張揚的秩序感。食物對我而言則實在乏善可陳。至於這麼龐大的文化資源,究竟有多少真正轉化到一般人的生活品質、公共服務與日常審美之中,我其實無法憑幾天旅行回答。短暫的過客最容易看到城市希望被看見的那一面,對真正的生活結構仍然可能失準。

這也讓我重新想到德國。德國的設計實力很少需要透過整座城市製造一場盛大的設計節來證明。它更直接地存在於 Messe 裡。家具、燈具、建材、汽車、工業設備,各自進入高度專業化的會展系統。那種展示也許少了一點親民與浪漫,卻非常實際。產品能不能量產,材料能不能取得,成本能不能控制,市場願不願意購買,最後都必須在那裡接受檢驗。

美是一種品味,市場則是另一種現實。真正能夠落地的方案,才有機會繼續存在。


如果把 Messe 與 Design Festival 都理解成情報交換平台,兩者各有自己的效率。Messe 的優勢是集中。有限的時間裡,可以快速接觸大量品牌、材料、製造商與世界級產品,不必花大量時間在城市裡換場館、搭車、排隊與等待。它展示的是一個國家的產業深度、製造能力與市場規模。

Design Festival 的力量則來自分散。人從一間美術館走到一條街,再走進一家工坊、一座歷史建築或一個公共廣場。設計與旅行、建築、飲食、街區和人的生活混在一起。旅程的目的也因此不再只有「看展」。城市本身開始成為展覽內容。

從經濟效應來看,兩者都可以在短時間內帶動旅宿、交通、餐飲與消費,只是一個集中在會展系統周圍,一個把人流分散到城市各處。Messe 比較像高效率的產業機器,Design Festival 更接近城市體驗。如果旅行本身也是目的,設計節顯然提供了更多理解城市的入口。

因此,現在回頭看 2016 年的倫敦設計節,我不再只把它理解為「全球最新設計趨勢的展示」。其中很多作品本來就是尚未成熟的實驗,有些最後會消失,有些形式很快過時,有些概念卻可能在幾年之後進入建築、材料與公共空間。它真正重要的地方,也許是提供了一個讓實驗被看見、讓不同領域的人相遇、讓學生與一般市民接近設計的公共平台。

設計節於是成為一座城市的放大鏡。


當大量外來人口短時間進入城市,真正被測試的其實不只展覽。地鐵是否方便、標示是否清楚、公共空間是否安全、服務系統是否成熟、博物館是否容易進入、街區是否願意容納陌生人,全部一起接受檢驗。缺少這些條件,再精彩的活動也很難真正成為城市文化。

後來看過 Vienna Design Week,我又感受到另一種尺度。維也納比較像把設計往自己的城市內部推進,從地方工藝、老建築、街區與居民關係裡尋找題目;倫敦則更像把整座城市打開,讓世界的設計網絡進入,再透過博物館、品牌、學校、公共空間與不同 Design District 向全球發聲。

一個向內挖掘城市。一個向外建立連結。兩種方法沒有必要分出高下,它們讓我開始理解,真正成熟的設計節最終討論的可能已經超過「今年流行什麼」。

它真正提出的是另一個問題:
一座城市,要如何把自己的歷史、產業、公共空間、文化機構與日常生活,重新組織成一種觀看世界的方法。 當城市做到這件事,城市本身就已經成為策展方法。


Wie das London Design Festival zur kuratorischen Methode wurde


2016 reiste ich eigens nach London, um das London Design Festival zu besuchen. Für Menschen, die sich seit Langem mit Kunst im öffentlichen Raum beschäftigen, ist der jährliche Serpentine Pavilion beinahe zu einem festen Beobachtungsgegenstand geworden. Der Besuch gleicht einer Pilgerreise. Jahr für Jahr wird am selben offenen Ort ein anderes Architekturbüro eingeladen, das Verhältnis von Architektur, Material, Konstruktion und öffentlichem Raum neu zu beantworten. In jenem Jahr zog BIG eine Wand schrittweise auseinander und verwandelte die Grenze in einen begehbaren Raum. London erschien mir damals wie ein riesiges Versuchsfeld. Neue Materialien, neue Raumvorstellungen und neue Entwurfsmethoden konnten im Maßstab eins zu eins direkt in die Stadt gesetzt und dort erprobt werden.

Damals spürte ich auch zum ersten Mal deutlich die Beziehung zwischen einem Designfestival und einer Stadt. Obwohl ich zu dieser Zeit in Deutschland lebte, war eine Designveranstaltung von solcher Geschlossenheit kaum zu finden: auf denselben Zeitraum konzentriert und zugleich über die ganze Stadt verteilt. Deutschland besitzt zweifellos eine enorme Design- und Fertigungskompetenz, präsentiert sie jedoch auf andere Weise. London bringt Design in Museen, Galerien, Quartiere, Geschäfte und öffentliche Räume. Deutschland bündelt Materialien, Technologien, Produkte, Käufer und Hersteller eher in Messezentren. Hinter den beiden Modellen stehen zwei grundverschiedene Kulturen.

Neben dem Designfestival ließ sich Londons gewaltiges Museumssystem kaum übersehen. Die Dauersammlungen vieler nationaler Kulturinstitutionen, darunter Tate, British Museum, V&A und National Gallery, sind frei zugänglich. Wenn ein Museum kein besonderer Ort mehr ist, den man einmal im Jahr besucht, und stattdessen Teil des Alltags wird, kann sich die Art des Sehens allmählich verändern. Heute betrachtet man nur ein Gemälde, morgen sitzt man eine halbe Stunde dort, und am Wochenende zeigt man einem Kind eine Skulptur. Mit der Zeit erzeugen Kultur und Design mehr als Wissen. Es entsteht eine Vertrautheit mit Proportion, Material, Geschichte, Raum und Ästhetik.

So begann ich darüber nachzudenken, wo die Designfähigkeit eines Landes eigentlich ihren Anfang nimmt. Vielleicht entsteht sie nicht nur an Designhochschulen. Möglicherweise ist sie viel früher bereits in Museen, Straßen, Parks und der öffentlichen Bildung angelegt. Wenn ein Mensch von Kindheit an unmittelbar mit Sammlungen und Design von Weltrang in Berührung kommt, öffnet sich sein Blickfeld, und ein differenziertes Geschmacksempfinden kann langsam Teil des Alltags werden.

Doch so einfach ist es nicht.

Mein Aufenthalt in London war kurz. Das trübe Wetter empfand ich sogar als bedrückender als in Deutschland. Die Londoner beherrschten die äußeren Formen der Höflichkeit vollkommen, und auch ihre Zurückhaltung und Distanz blieben mir im Gedächtnis. Die Stadt war sauber und klar, vielerorts herrschte eine unaufdringliche Ordnung. Das Essen fand ich allerdings ausgesprochen reizlos. Wie viel von den gewaltigen kulturellen Ressourcen tatsächlich in die Lebensqualität gewöhnlicher Menschen, in öffentliche Dienstleistungen und in die Ästhetik des Alltags einfließt, konnte ich nach wenigen Reisetagen nicht beurteilen. Ein vorübergehender Gast sieht am leichtesten die Seite, die eine Stadt zeigen möchte, und kann ihre wirklichen Lebensstrukturen weiterhin verkennen.

Dadurch dachte ich erneut an Deutschland. Die Stärke des deutschen Designs muss nur selten durch ein großes Festival in der ganzen Stadt bewiesen werden. Sie zeigt sich unmittelbarer auf Messen. Möbel, Leuchten, Baustoffe, Automobile und Industrieanlagen finden jeweils Eingang in hoch spezialisierte Messesysteme. Solche Präsentationen wirken vielleicht weniger zugänglich und romantisch, sind jedoch äußerst praktisch. Ob ein Produkt in Serie gefertigt werden kann, ob Materialien verfügbar sind, ob sich Kosten kontrollieren lassen und ob der Markt zum Kauf bereit ist, muss sich dort letztlich bewähren.

Schönheit ist eine Form des Geschmacks, der Markt eine andere Wirklichkeit. Nur ein realisierbarer Entwurf hat die Chance, fortzubestehen.

Versteht man Messe und Design Festival gleichermaßen als Plattformen des Informationsaustauschs, besitzt jedes Modell seine eigene Effizienz. Die Stärke der Messe liegt in der Konzentration. In begrenzter Zeit kann man schnell zahlreiche Marken, Materialien, Hersteller und Produkte von Weltrang kennenlernen, ohne viele Stunden mit Ortswechseln, Fahrten, Warteschlangen und Wartezeiten in der Stadt zu verbringen. Sie zeigt die industrielle Tiefe, die Fertigungskompetenz und die Marktgröße eines Landes.

Die Kraft des Design Festival entsteht dagegen aus der Verteilung. Man geht von einem Museum auf eine Straße und weiter in eine Werkstatt, ein historisches Gebäude oder auf einen öffentlichen Platz. Design vermischt sich mit Reisen, Architektur, Essen, Stadtquartieren und dem Leben der Menschen. Der Zweck der Reise geht dadurch über den Ausstellungsbesuch hinaus. Die Stadt selbst wird zum Inhalt der Ausstellung.

Wirtschaftlich betrachtet können beide Modelle innerhalb kurzer Zeit Beherbergung, Verkehr, Gastronomie und Konsum beleben. Das eine bündelt den Besucherstrom rund um das Messesystem, das andere verteilt ihn über die Stadt. Die Messe ähnelt einer hocheffizienten Industriemaschine, das Design Festival eher einem urbanen Erlebnis. Wenn die Reise selbst ebenfalls zum Ziel gehört, eröffnet ein Designfestival deutlich mehr Zugänge, um eine Stadt zu verstehen.

Wenn ich heute auf das London Design Festival 2016 zurückblicke, verstehe ich es nicht mehr lediglich als Präsentation der neuesten globalen Designtrends. Viele Arbeiten waren von Anfang an noch unreife Experimente. Manche verschwanden, manche Formen veralteten rasch, während manche Ideen erst Jahre später in Architektur, Materialien und öffentliche Räume eingingen. Seine eigentliche Bedeutung liegt vielleicht darin, eine öffentliche Plattform zu bieten, auf der Experimente sichtbar werden, Menschen aus verschiedenen Bereichen zusammentreffen und Studierende sowie gewöhnliche Bürger dem Design näherkommen können.

So wird das Designfestival zum Vergrößerungsglas einer Stadt.

Wenn innerhalb kurzer Zeit viele auswärtige Besucher in eine Stadt kommen, werden weit mehr als die Ausstellungen geprüft. Die Benutzerfreundlichkeit der U-Bahn, die Klarheit der Beschilderung, die Sicherheit öffentlicher Räume, die Reife der Dienstleistungen, der einfache Zugang zu Museen und die Bereitschaft der Quartiere, Fremde aufzunehmen, stehen gemeinsam auf dem Prüfstand. Fehlen diese Bedingungen, kann selbst eine herausragende Veranstaltung kaum zu wirklicher Stadtkultur werden.

Später erlebte ich bei der Vienna Design Week einen anderen Maßstab. Wien schien Design eher in das Innere der eigenen Stadt zu führen und seine Themen in lokalem Handwerk, alten Gebäuden, Quartieren und den Beziehungen zu Bewohnern zu suchen. London dagegen schien die ganze Stadt zu öffnen, globale Designnetzwerke eintreten zu lassen und anschließend über Museen, Marken, Schulen, öffentliche Räume und verschiedene Design Districts zur Welt zu sprechen.

Die eine Methode gräbt nach innen in die Stadt. Die andere baut Verbindungen nach außen auf. Beide müssen nicht hierarchisch geordnet werden. Durch sie begann ich zu verstehen, dass ein reifes Designfestival letztlich weit mehr verhandelt als die Frage, was in diesem Jahr im Trend liegt.

Es stellt vielmehr eine andere Frage:

Wie kann eine Stadt ihre Geschichte, ihre Industrien, ihre öffentlichen Räume, ihre Kulturinstitutionen und ihren Alltag neu zu einer Art ordnen, die Welt zu betrachten? Wenn einer Stadt das gelingt, ist die Stadt selbst bereits zu einer kuratorischen Methode geworden.