2026年10月2日 星期五

粼光・向日 / Shimmering Toward the Sun


同一道陽光,落在海面化成粼光,落在田裡長成作物。龍井有海,也有田,龍海國小的孩子每天在海風與日照之間走進校園。作品從這道光出發,把光的兩個去處連成同一道曲線。

曲線頂端捲成一道浪,是光落在海面;底部捲成一枚種子般的螺旋,是光落進田裡。向日葵開在兩者之間,花盤朝向太陽。花盤是圓,是太陽的形狀,也是每一天的循環。螺旋是生長,從種子的中心一圈一圈展開,沿途長出葉片,向上伸向花。圓記錄重複,螺旋記錄重複之中的上升。

向日葵把向光當成每天的功課。開花之前,它白天跟著太陽由東轉到西,夜裡再轉回東方;開花以後便停下來,一直面向東方,迎接早晨。牆下的操場上,孩子也在做同一份功課,每天繞著同一圈跑道,在重複裡一圈一圈長大,最後長出自己的方向。螺旋中心坐著一隻小松鼠,往上的枝頭坐著一隻大的,像一年級與六年級的孩子。

作品造光的方式,和海面一樣。海面的粼光,是陽光在無數角度不同的小浪面上反射。曲線被切成許多小面,每一面朝向的角度不同,最亮的時刻也不同。藍綠取自海,金黃與橙紅取自日照與成熟的作物。太陽移動,亮點沿著曲線走,彩光落在牆上,跟著時辰挪動。孩子抬頭看它,它抬頭看太陽。每個孩子,也都有屬於自己被照亮的時刻。



Shimmering Toward the Sun


Dasselbe Sonnenlicht wird auf dem Meer zu einem Schimmern und lässt auf den Feldern Pflanzen wachsen. Longjing hat sowohl Meer als auch Ackerland. Die Kinder der Longhai-Grundschule betreten jeden Tag zwischen Meereswind und Sonnenlicht ihren Campus. Von diesem Licht geht die Arbeit aus und verbindet seine beiden Wege in einer einzigen Kurve.

Oben rollt sich die Kurve zu einer Welle ein: Licht fällt auf das Meer. Unten windet sie sich zu einer Spirale wie ein Samenkorn: Licht gelangt auf die Felder. Dazwischen blüht eine Sonnenblume, deren Blütenstand sich zur Sonne richtet. Die Blüte ist ein Kreis, die Form der Sonne und zugleich der Kreislauf eines jeden Tages. Die Spirale steht für Wachstum. Vom Mittelpunkt des Samens aus entfaltet sie sich Ring um Ring, bildet unterwegs Blätter und strebt nach oben zur Blüte. Der Kreis hält die Wiederholung fest, die Spirale den Aufstieg innerhalb dieser Wiederholung.

Für die Sonnenblume ist die Hinwendung zum Licht eine tägliche Aufgabe. Vor der Blüte folgt sie tagsüber der Sonne von Osten nach Westen und dreht sich nachts wieder nach Osten. Nach dem Aufblühen bleibt sie stehen und richtet sich weiter nach Osten, um den Morgen zu empfangen. Auf dem Sportplatz unter der Wand erfüllen die Kinder eine ähnliche Aufgabe. Tag für Tag laufen sie über dieselbe Bahn und wachsen Runde für Runde in dieser Wiederholung, bis sie ihre eigene Richtung finden. Im Zentrum der Spirale sitzt ein kleines Eichhörnchen, weiter oben auf einem Ast ein größeres, wie Kinder in der ersten und in der sechsten Klasse.

Die Arbeit erzeugt Licht auf ähnliche Weise wie das Meer. Das Glitzern der Wasseroberfläche entsteht, wenn Sonnenstrahlen auf zahllose kleine Wellenflächen in unterschiedlichen Winkeln treffen und reflektiert werden. Die Kurve besteht aus vielen kleinen Flächen, die jeweils anders ausgerichtet sind und zu verschiedenen Zeiten am hellsten leuchten. Blau und Grün kommen vom Meer; Goldgelb, Orange und Rot von der Sonne und den reifenden Feldfrüchten. Mit der wandernden Sonne ziehen Lichtpunkte über die Kurve, und farbiges Licht verschiebt sich im Lauf des Tages an der Wand. Die Kinder blicken zu dem Werk hinauf; es blickt zur Sonne. Auch jedes Kind hat seinen eigenen Augenblick, in dem es ins Licht tritt.

2026年10月1日 星期四

城市‧土地‧文化敘事(六十九)巴黎 La Villette:與紅色怪獸保持距離

巴黎 La Villette:與紅色怪獸保持距離


從我的藏書說起,視野重新回到法國。那趟旅程裡有一些難得的鬆弛時刻,許多真正留下來的記憶,也往往發生在沒有特別安排的經過之中。La Villette 早已被我標記在地圖上,我知道 Bernard Tschumi,也大概知道那些紅色 Folies 的存在。然而一座超過五十公頃的公園,終究無法只靠建築書、地圖與照片理解。它的距離、空隙、風、人的移動,都必須親自走進去,才會知道一座城市如何把自己的歷史攤開在土地上。


今天看見的 La Villette,其實建立在巴黎相當沉重的一段城市歷史之上。19 世紀中期,巴黎進入大規模現代化時代,Haussmann 改造道路、衛生與城市基礎設施,牲畜市場與屠宰場也逐漸被集中到城市邊緣。1867 年,La Villette 成為巴黎重要的牲畜市場與屠宰基地。牛隻、鐵路、運河、倉庫、工人與巨大的鋼構建築,共同構成這裡曾經的日常。今天仍保留下來的 Grande Halle,某種程度像是一塊巨大骨骼,提醒人們這裡曾經完全屬於另一種城市機能。


到了 20 世紀,巴黎的產業與物流結構改變,La Villette 的屠宰功能逐漸失去必要性,1974 年正式關閉。這片龐大的土地突然留下來,城市必須決定下一步如何處理它。拆掉一切、蓋住宅、變成一般公園,或者重新賦予新的公共功能,每一種選擇都代表不同的城市態度。到了 François Mitterrand 執政時期,巴黎開始進行一系列大型文化建設,La Villette 也被放進這場國家尺度的都市轉型之中。1982 年國際競圖展開,1983 年 Bernard Tschumi 的方案被選中。從那時開始,一座曾經處理牲畜與肉品的工業場所,開始被重新編程成文化、音樂、科學、休閒與公共活動的城市地景。於是那些紅色怪獸出現了。


Tschumi 沒有試圖把這裡整理成一座傳統法式園林,也沒有複製德國或奧地利巴洛克花園那種中央軸線、對稱、景觀秩序。他把點、線、面三套系統覆蓋在基地上。紅色 Folies 成為規則網格中的座標,步道與廊道形成移動的線,草地與活動空間構成面。公園因此像一張尚未完成的城市圖紙,人、活動與時間不斷填進去。今天看到的紅色鋼板、螺旋樓梯、平台與柱體,看似抽象,其實背後帶著 1980 年代巴黎對於「未來城市」的想像。

回頭看整趟法國行程,我想自己是開心的。只是多年之後,有些旅行反而不太願意重新翻閱。照片留下來,路線留下來,當時的人與情緒卻慢慢藏進心裡。記憶從來很難像建築圖紙一樣精準,有些東西只是瞬間浮出來。有人躺在草地上,有人走上紅色樓梯,有孩子跑過鋼構,有人在遠處吃東西。當年的我,也只是這些畫面中短暫出現的一道殘影。La Villette 卻停留在那裡,從 1980 年代一路走到今天,那些紅色構築已經陪著巴黎生活四十多年。

我偶爾會想,如果沒有它們,這塊土地會怎樣?大片綠地、大樹、草坡、湖水與步道,也許足以成為一座舒服的公園。甚至依循歐洲傳統園林的方式,安排秩序、視線與風景,也許更加容易被理解。但巴黎選擇留下另一種東西。它把一段屠宰產業的歷史,轉換成一座新的文化機器。舊的 Grande Halle 與新的 Folies 同時存在,一邊是 19 世紀鋼構工業的遺跡,一邊是 20 世紀末建築理論製造出來的紅色結構。兩個時代直接碰撞,沒有刻意把彼此磨平。


巴黎似乎一直願意容納這種巨大而突兀的物件。艾菲爾鐵塔最初也曾經被批評醜陋,龐畢度中心剛出現時像一座把腸胃翻到外面的機器,羅浮宮前面的玻璃金字塔也曾引起爭議。La Villette 延續了這種城市性格。巴黎的歷史感很強,但它又不斷允許新的異物闖進去。舊石造街區旁可以突然出現高科技建築,19 世紀工業遺跡旁可以放置紅色鋼構。也許我對巴黎的印象正來自這種矛盾。它看起來高度秩序,內部卻不斷製造怪誕與衝突。

相比之下,我記憶裡的柏林更像被歷史炸開之後留下來的城市。空地、斷裂、臨時性與自由構成它的氣質。巴黎的衝突則更加直接,新的東西常常正面插入舊城市。兩座城市都承受過巨大的歷史壓力,最後形成完全不同的都市表情。也許一個民族的性格很難從建築直接判斷,但城市至少會暴露一個社會如何面對自己的歷史。

說實話,那一次我沒有走完 La Villette。尺度太大,我的心也沒有真正靠近它。我更多時候站在遠處看。紅色鋼板、螺旋樓梯、柱子、平台與框架,在我眼裡像一群散落在草地上的機械怪獸。當它成為樓梯、咖啡館、觀景台、活動空間,我可以理解它的存在;當它只剩下形式,我與它之間便產生距離。這或許是我後來觀看公共藝術時一直存在的直覺,一件東西究竟能不能真正進入人的生活。

四十年過去,我反而更想知道巴黎市民如何看待它。也許有人從小就在這裡玩,根本不認識 Bernard Tschumi;有人把 Folie 當成約朋友的座標,有人在旁邊跑步、滑板、散步,有人從來沒有特別注意它。一定也有人像當年的我一樣,覺得這些鋼構冰冷、巨大,甚至沒有必要。但歷史最後常常用另一種尺度判斷建築。1867 年,這裡是屠宰場。1974 年,屠宰場關閉。1983 年,新的公園開始成形。

四十多年之後,人還在這裡生活。或許 La Villette 最值得我記住的,已經不只是那些紅色怪獸好不好看。它讓我看到一座城市如何把死亡的產業場所,重新轉換成公共生活。而我那一天短暫經過的身影,也剛好被夾進了這一百多年的土地時間裡。


Paris, La Villette: Abstand zu den roten Monstern halten


Von einem Buch aus meiner Sammlung aus kehrt mein Blick nach Frankreich zurück. Auf jener Reise gab es einige seltene Momente der Gelassenheit. Viele Erinnerungen, die wirklich geblieben sind, entstanden auch beim ungeplanten Vorübergehen. La Villette hatte ich längst auf meiner Karte markiert. Ich kannte Bernard Tschumi und wusste ungefähr, dass es diese roten Folies gab. Doch einen Park von mehr als fünfzig Hektar kann man letztlich nicht allein anhand von Architekturbüchern, Karten und Fotografien verstehen. Seine Entfernungen, Zwischenräume, der Wind und die Bewegungen der Menschen müssen vor Ort durchwandert werden. Erst dann erfährt man, wie eine Stadt ihre Geschichte auf dem Boden ausbreitet.

Das heutige La Villette entstand auf einem schwierigen Kapitel der Pariser Stadtgeschichte. Mitte des neunzehnten Jahrhunderts begann Paris eine umfassende Modernisierung. Haussmann erneuerte Straßen, Hygiene und Infrastruktur; Viehmärkte und Schlachthöfe wurden allmählich am Stadtrand konzentriert. 1867 wurde La Villette zu einem bedeutenden Viehmarkt und Schlachtstandort von Paris. Rinder, Eisenbahnen, Kanäle, Lagerhäuser, Arbeiter und riesige Eisenkonstruktionen bildeten dort den Alltag. Die erhaltene Grande Halle wirkt heute in gewisser Weise wie ein mächtiges Skelett. Sie erinnert daran, dass dieser Ort einmal einer ganz anderen städtischen Funktion diente.

Im zwanzigsten Jahrhundert veränderten sich Industrie und Logistik in Paris, und die Schlachtbetriebe von La Villette verloren allmählich ihre Bedeutung. 1974 wurden sie endgültig geschlossen. Plötzlich blieb dieses riesige Gelände zurück, und die Stadt musste über seine Zukunft entscheiden. Alles abreißen, Wohnungen errichten, einen gewöhnlichen Park anlegen oder dem Ort eine neue öffentliche Aufgabe geben: Jede Möglichkeit stand für eine andere Haltung zur Stadt. Während der Präsidentschaft François Mitterrands begann Paris eine Reihe großer Kulturprojekte, und La Villette wurde Teil dieses städtebaulichen Wandels im nationalen Maßstab. 1982 begann ein internationaler Wettbewerb; 1983 wurde Bernard Tschumis Entwurf ausgewählt. Ein Industrieareal, auf dem zuvor Vieh und Fleisch verarbeitet wurden, wurde nun zu einer Stadtlandschaft für Kultur, Musik, Wissenschaft, Freizeit und öffentliche Aktivitäten umprogrammiert. So erschienen die roten Monster.

Tschumi versuchte nicht, hier einen traditionellen französischen Garten anzulegen. Ebenso wenig übernahm er Mittelachse, Symmetrie und landschaftliche Ordnung barocker Gärten Deutschlands oder Österreichs. Er legte drei Systeme aus Punkten, Linien und Flächen über das Gelände. Die roten Folies wurden zu Koordinaten in einem regelmäßigen Raster; Wege und Promenaden bildeten Linien der Bewegung; Wiesen und Veranstaltungsflächen die Flächen. So ähnelt der Park einem noch unvollendeten Stadtplan, in den Menschen, Ereignisse und Zeit immer weiter eingetragen werden. Die roten Stahlplatten, Wendeltreppen, Plattformen und Stützen, die man heute sieht, wirken abstrakt. Dahinter steht jedoch die Pariser Vorstellung von einer „Stadt der Zukunft“ in den 1980er Jahren.

Wenn ich auf die gesamte Frankreichreise zurückblicke, glaube ich, dass ich glücklich war. Doch manche Reisen mag ich Jahre später nicht mehr gern wieder aufschlagen. Fotos und Wege bleiben, während die Menschen und Gefühle jener Zeit langsam im Inneren verschwinden. Erinnerung ist nie so präzise wie ein Architekturplan; manches taucht nur für einen Augenblick wieder auf. Jemand liegt auf der Wiese, jemand steigt eine rote Treppe hinauf, Kinder laufen an einer Stahlkonstruktion vorbei, in der Ferne isst jemand etwas. Auch ich war in diesen Bildern nur eine kurz sichtbare Spur. La Villette blieb dagegen bestehen. Seit den 1980er Jahren begleiten die roten Bauten das Leben in Paris nun seit über vierzig Jahren.

Manchmal frage ich mich, wie dieses Gelände ohne sie aussähe. Große Grünflächen, Bäume, Wiesenhänge, Wasser und Wege hätten vielleicht schon einen angenehmen Park ergeben. Eine Anlage nach traditionellem europäischem Vorbild, mit geordneten Blicken und Landschaften, wäre womöglich leichter zu verstehen gewesen. Doch Paris entschied sich für etwas anderes. Die Stadt verwandelte die Geschichte des Schlachtbetriebs in eine neue Kulturmaschine. Die alte Grande Halle und die neuen Folies bestehen nebeneinander: auf der einen Seite ein Überrest der Eisenindustrie des neunzehnten Jahrhunderts, auf der anderen rote Konstruktionen, hervorgegangen aus der Architekturtheorie des späten zwanzigsten Jahrhunderts. Zwei Zeiten stoßen unmittelbar aufeinander, ohne dass ihre Unterschiede geglättet würden.

Paris scheint schon lange bereit, große und fremdartige Objekte aufzunehmen. Der Eiffelturm wurde zunächst als hässlich kritisiert. Das Centre Pompidou wirkte bei seiner Eröffnung wie eine Maschine, deren Inneres nach außen gestülpt worden war. Auch die Glaspyramide vor dem Louvre löste Streit aus. La Villette setzt diese städtische Eigenart fort. Paris besitzt ein starkes Geschichtsbewusstsein und lässt zugleich immer wieder neue Fremdkörper eindringen. Neben alten steinernen Vierteln kann plötzlich Hightech-Architektur stehen, neben einem Industriedenkmal des neunzehnten Jahrhunderts eine rote Stahlkonstruktion. Vielleicht beruht mein Eindruck von Paris auf diesem Widerspruch. Die Stadt wirkt sehr geordnet, erzeugt in ihrem Inneren aber ständig Fremdheit und Konflikte.

Berlin erscheint mir dagegen in der Erinnerung eher wie eine Stadt, die von der Geschichte aufgesprengt wurde. Brachen, Brüche, Provisorien und Freiheit prägen ihren Charakter. In Paris treten die Konflikte direkter hervor; Neues wird häufig frontal in die alte Stadt eingefügt. Beide Städte haben unter großem historischem Druck gestanden und schließlich ganz unterschiedliche städtische Gesichter entwickelt. Aus Architektur lässt sich der Charakter eines Volkes vielleicht kaum unmittelbar ableiten. Eine Stadt zeigt aber zumindest, wie eine Gesellschaft ihrer eigenen Geschichte begegnet.

Ehrlich gesagt bin ich La Villette damals nicht vollständig abgelaufen. Der Park war zu groß, und auch innerlich kam ich ihm nicht wirklich nahe. Meist sah ich aus der Entfernung zu. Rote Stahlplatten, Wendeltreppen, Stützen, Plattformen und Rahmen erschienen mir wie mechanische Monster, die über die Wiesen verstreut waren. Wenn eines davon als Treppe, Café, Aussichtspunkt oder Veranstaltungsort diente, konnte ich seine Anwesenheit verstehen. Wenn nur die Form übrig blieb, entstand zwischen mir und ihr eine Distanz. Vielleicht ist dies ein Instinkt, der mich später beim Betrachten öffentlicher Kunst begleitete: Kann ein Werk tatsächlich Teil des Lebens der Menschen werden?

Nach vierzig Jahren interessiert mich umso mehr, wie die Pariser selbst den Park sehen. Vielleicht hat jemand dort seit seiner Kindheit gespielt, ohne Bernard Tschumi überhaupt zu kennen. Vielleicht dient eine Folie als Treffpunkt, während andere daneben laufen, skaten oder spazieren, und wieder andere sie nie besonders beachten. Sicher gibt es auch Menschen, die wie ich damals diese Stahlkonstruktionen kalt, riesig oder sogar überflüssig finden. Doch die Geschichte beurteilt Architektur oft nach einem anderen Maßstab. 1867 war dieser Ort ein Schlachthof. 1974 wurde er geschlossen. 1983 begann ein neuer Park Gestalt anzunehmen.

Mehr als vierzig Jahre später leben Menschen hier noch immer ihren Alltag. Vielleicht liegt das Erinnerungswürdigste an La Villette längst nicht mehr in der Frage, ob die roten Monster schön sind. Der Park zeigte mir, wie eine Stadt einen Ort der Schlachtindustrie in einen Raum öffentlichen Lebens verwandeln kann. Mein flüchtiger Weg durch ihn an jenem Tag wurde so zufällig Teil von mehr als hundert Jahren Geschichte dieses Bodens.

城市‧土地‧文化敘事(六十八) Verona,Carlo Scarpa 空間流動的詩

Verona,Carlo Scarpa 空間流動的詩


多年後,我是否還能從照片裡重新找回當初穿越空間時真正的心境,其實很困難。照片留下的是平面的瞬間,記憶卻混合了當時的光線、天氣、同行的人與自己的情緒。重新觀看那些影像時,我甚至分不清現在想起的感受,究竟屬於當時,還是多年後的自己重新補上的理解。Verona 的 Castelvecchio Museum 對我也是如此,它曾是前往米蘭旅程中的第一站,也是我開始對 Carlo Scarpa 產生好奇的地方。如今再次回望,留下來的已經不只是建築,而是一連串碎片般的感受。



當時走進 Castelvecchio,我真正注意到的反而是展品之外的空間。樓梯、開口、牆面、視線與窗景,一下收縮,一下打開,一下轉折,走過一道牆之後又突然看到另一個空間。Scarpa 沒有替人規定唯一的觀看方式,他只是安排許多可能性,讓光線、行走速度與人的情緒參與其中。我那時其實並不清楚這些轉折究竟經過多少設計,只覺得空間很有趣,視線一直被吸引到牆後、窗外與作品之間的縫隙。多年後才明白,那些細小的距離正是 Scarpa 面對歷史的方法,他讓舊牆、新材料、不同年代彼此靠近,同時保留各自存在的痕跡。


這種空間的穿透感,也讓 Castelvecchio 與 Verona 的城市產生某種關係。從室內望出去,庭院、天空、城牆與遠方城市被窗框重新切割,人在博物館裡觀看歷史,也持續感受到外面的城市仍然活著。Scarpa 將建築、展品與城市放進同一條行走路徑裡,空間因此像一首慢慢展開的詩,每次轉身才出現下一句。也許當年的我沒有真正讀懂它,只是身體先感受到某些節奏,而理解是在多年後才慢慢追上來。


但那趟旅行真正留在我記憶裡的,還有一段偶然的相遇。也許因為攝影,也許因為建築,我與一位同行的人開始交談,後來甚至一起去了 Scarpa 設計的 Brion 墓園。旅途中很多事情都無法預先安排,有時候真正改變行程的,是途中突然出現的人。一起走路、拍照、談建築,然後旅程結束,多年後彼此也只是曾經同行過的過客。空間會離開,人也會離開,但那段短暫相伴仍然被保存在記憶裡。如今再看 Castelvecchio 的照片,我已經很難把 Scarpa 的建築和那段旅情分開,因為空間記憶從來都混合著當時遇見的人與那個階段的自己。


也因此,我開始重新理解 Scarpa 的人生。Castelvecchio 能夠發展到如此細緻,也來自館長 Licisco Magagnato 長時間的信任與合作,一個創作者能走多遠,往往也與生命裡是否遇見真正理解他的人有關。Scarpa 將不同年代的痕跡留在城堡裡,旅行也把不同年代的自己留在記憶裡。如今再次回望 Verona,我依然無法確定自己當年是否真正讀懂 Scarpa,但或許有些空間本來就需要時間才能理解。它先在身體裡留下感覺,等人生走得更遠之後,我們再回到那些照片、那些人、那些曾經走過的路,才發現當年沒有理解的部分,其實一直留在那裡,等待現在的自己重新讀一次。


Verona: Carlo Scarpa und die Poesie fließender Räume


Kann ich Jahre später anhand von Fotografien wirklich zu jener Stimmung zurückfinden, in der ich damals Räume durchquerte? Das ist schwierig. Ein Foto bewahrt einen flachen Augenblick, die Erinnerung dagegen vermischt das damalige Licht, das Wetter, die Menschen an meiner Seite und meine eigenen Gefühle. Wenn ich die Bilder erneut betrachte, kann ich kaum unterscheiden, ob die Empfindung, die ich heute habe, von damals stammt oder ob ich sie erst Jahre später durch mein neues Verständnis ergänzt habe. Mit dem Museo di Castelvecchio in Verona geht es mir ähnlich. Es war die erste Station einer Reise nach Mailand und der Ort, an dem meine Neugier auf Carlo Scarpa begann. Was heute beim Rückblick geblieben ist, ist längst mehr als Architektur: eine Folge bruchstückhafter Empfindungen.

Als ich Castelvecchio betrat, fiel mir vor allem der Raum jenseits der Ausstellungsstücke auf. Treppen, Öffnungen, Wände, Blickachsen und Ausblicke durch Fenster verengten sich, öffneten sich und machten Wendungen. Hinter einer Wand tauchte plötzlich ein weiterer Raum auf. Scarpa schrieb den Menschen keine einzige Art des Sehens vor. Er eröffnete viele Möglichkeiten und ließ Licht, Gehgeschwindigkeit und die Gefühle der Besucher daran teilhaben. Damals wusste ich nicht, wie viel Gestaltung in diesen Richtungswechseln steckte. Ich fand den Raum einfach spannend; mein Blick wurde immer wieder hinter die Wände, aus den Fenstern und in die Zwischenräume der Werke gezogen. Erst Jahre später verstand ich, dass gerade diese kleinen Abstände Scarpas Umgang mit Geschichte prägen. Er brachte alte Mauern, neue Materialien und verschiedene Zeiten einander nahe und bewahrte zugleich die Spuren ihrer Eigenständigkeit.

Dieses Gefühl räumlicher Durchlässigkeit verband Castelvecchio für mich auch mit Verona. Von innen betrachtet wurden Innenhof, Himmel, Burgmauern und die Stadt in der Ferne durch die Fenster neu gerahmt. Im Museum sah man Geschichte und spürte zugleich, dass die Stadt draußen weiterlebte. Scarpa fügte Bauwerk, Ausstellungsstücke und Stadt zu einem einzigen Weg zusammen. Der Raum wurde zu einem Gedicht, das sich langsam entfaltet und dessen nächste Zeile erst nach einer Wendung sichtbar wird. Vielleicht konnte ich es damals noch nicht wirklich lesen. Mein Körper spürte zunächst einige seiner Rhythmen, und mein Verständnis holte sie erst Jahre später allmählich ein.

Von jener Reise blieb mir auch eine zufällige Begegnung. Vielleicht wegen der Fotografie, vielleicht wegen der Architektur kam ich mit einem Mitreisenden ins Gespräch. Später fuhren wir sogar gemeinsam zur von Scarpa entworfenen Brion-Grabstätte. Vieles auf Reisen lässt sich nicht planen. Manchmal verändert gerade ein Mensch, der unterwegs plötzlich auftaucht, den ganzen Reiseweg. Wir gingen zusammen, fotografierten, sprachen über Architektur. Dann endete die Reise, und Jahre später waren wir nur noch Menschen, die einmal ein Stück Weg miteinander geteilt hatten. Räume entfernen sich, Menschen gehen fort, doch die kurze gemeinsame Zeit bleibt in der Erinnerung. Wenn ich heute Fotos von Castelvecchio sehe, kann ich Scarpas Architektur kaum noch von jener Reisebegleitung trennen. Die Erinnerung an einen Ort vermischt sich immer mit den Menschen, denen man dort begegnet ist, und mit dem eigenen Ich jener Lebensphase.

Deshalb begann ich auch, Scarpas Leben neu zu verstehen. Dass Castelvecchio sich mit solcher Sorgfalt entwickeln konnte, verdankte sich auch dem langjährigen Vertrauen und der Zusammenarbeit mit dem Museumsdirektor Licisco Magagnato. Wie weit ein Gestalter gehen kann, hängt oft damit zusammen, ob er Menschen begegnet, die seine Arbeit wirklich verstehen. Scarpa bewahrte die Spuren verschiedener Zeiten in der Burg; eine Reise bewahrt ebenso verschiedene Versionen von uns selbst im Gedächtnis. Wenn ich heute auf Verona zurückblicke, weiß ich noch immer nicht, ob ich Scarpa damals wirklich verstanden habe. Vielleicht brauchen manche Räume einfach Zeit. Zuerst hinterlassen sie eine Empfindung im Körper. Erst wenn wir im Leben weitergegangen sind, kehren wir zu den Bildern, den Menschen und den Wegen von damals zurück und entdecken, dass das zunächst Unverstandene die ganze Zeit dort geblieben ist und darauf wartete, von unserem heutigen Ich noch einmal gelesen zu werden.

2026年9月30日 星期三

城市‧土地‧文化敘事(六十七)Dresden,一張地圖把歷史變成城市結構

Dresden,一張地圖把歷史變成城市結構


還住在 Dresden 的那段時間,下課後我偶爾會繞去市政府。起初只是想看看最近有哪些藝文活動、展覽資訊或新的城市出版品,後來才發現,那裡其實也是我認識這座城市的一個入口。市政廳的展演空間裡放著整座 Dresden 的大型都市模型,新建築、舊城區、正在規劃的基地,以及未來可能出現的城市輪廓,都能在同一個尺度裡被看見。有幾次,我甚至碰到工作人員或模型師就在旁邊製作新的建築模型,把尚未完成的城市,一點一點放進既有的城市裡。


那時候的我還沒有完全讀懂這些東西,只覺得這是一種很直接的方法。模型讓人不用先懂艱深的都市計畫,就可以知道哪裡正在改變,哪棟建築即將出現,城市又準備往哪個方向發展。許多後來讓我感興趣的議題,其實都是從那裡慢慢收集起來的。關於建築、公共空間、歷史保存,以及不同年代留下來的城市痕跡。那張「Stadtplanung und Architektur in Dresden 2000–2005」的地圖,也是其中之一。


多年後再回頭看,我才真正理解那張地圖的企圖。它把1529、1760、1967、1994、1999的城市圖層放在一起,再把2000年之後正在發生的建築、街道、廣場與保存計畫疊上去。歷史在這裡沒有被留在博物館裡,它直接進入今日城市的結構。哪些建築消失了,哪些街道被重新拉開,哪些廣場重新出現,哪些建築被保存,哪些新的空間又被放進舊城市,全部被放在同一張圖上閱讀。那張地圖真正談的,其實是一座城市如何理解自己的過去,又如何決定下一步要往哪裡走。

這也讓我想到回台灣之後的經驗。我很少看到城市願意長期把不同年代的變化,以如此清楚的方式攤在居民面前。台灣當然也有願景館、都市模型與開發展示,只是許多時候更強調未來完成後的效果。大量動畫、模擬影像與漂亮的建築透視,讓人看到一個預先設定好的未來。Dresden當年留給我的印象卻更接近「城市正在發生」。過去、現在與尚未完成的未來被擺在一起,居民看到的是一個持續修改中的城市。

那座我當年看不懂的電影院,也因此重新變得有意思。

第一次看見 UFA Kristallpalast(水晶宮電影院),我只覺得奇怪。大片玻璃、傾斜的鋼構、像被撕裂的晶體突然卡在城市裡,旁邊又有東德時期那些尺度巨大、輪廓單純的現代主義建築。它們與我原先想像中的 Dresden 完全不合。巴洛克教堂、石造宮殿、易北河景觀,似乎才是我認識的 Dresden,為什麼城市裡會突然長出這樣一隻怪獸?後來才慢慢知道,真正值得理解的地方,正是這種格格不入。


1972年的 Rundkino 來自東德時期,它代表戰後城市試圖建立新的公共生活。1998年的 UFA Kristallpalast(水晶宮電影院) 則出現在兩德統一之後,市場經濟、商業娛樂與新的建築語言開始進入城市。再往北走,又會遇到重新建立的 Frauenkirche、Neumarkt,以及更早的 Dresden 歷史核心。同一段步行距離裡,巴洛克城市、戰爭廢墟、東德現代主義、統一後的資本城市與二十一世紀都市再生同時存在。

以前我會問,為什麼不統一?現在反而覺得,那些不一致就是城市真正的歷史。一座經歷戰爭、分裂、社會主義、兩德統一與全球化的城市,本來就不可能只有一種建築表情。Rundkino、Kristallpalast、Frauenkirche甚至 Prager Straße,各自代表不同時代對「未來城市」的想像。有人相信寬闊大道與大型公共文化設施,有人相信歷史街廓與城市記憶,有人相信透明、流動、商業與新的都市事件。這些答案彼此衝突,卻共同形成今天的 Dresden。

所以現在再看當年從市政府拿回來的那張地圖,我關心的已經不只是上面有哪些建築。我開始理解,城市規劃真正處理的是時間。一棟建築如何留下來,一座廣場如何重新形成,一條街道如何接回居民的日常,一段曾經被否定的歷史又如何重新獲得位置。當這些選擇累積幾十年之後,最後才成為我們眼前所看到的城市。

那些德國生活的經驗,後來確實進入了我的創作視角。以前我會先看物件,現在會再往外看一層。它為什麼出現在這裡?之前這裡是什麼?誰決定它留下來?居民怎麼使用?二十年以後,它還會不會存在?

一座城市真正值得看的地方,往往就在新舊交界的縫隙裡。

當年那座讓我覺得突兀的電影院,就是其中一個入口。從一棟看不懂的建築開始追問,最後看到的卻是一整座城市如何處理自己的歷史。也許那張 Dresden 地圖真正教會我的,就是這件事。

城市一直在發生。歷史留下來之後,也不只是記憶,它會變成道路、廣場、建築與人的生活,最後成為城市本身。



Dresden: Eine Karte macht Geschichte zur Stadtstruktur


Als ich in Dresden lebte, ging ich nach dem Unterricht manchmal noch ins Rathaus. Anfangs wollte ich nur sehen, welche Kulturveranstaltungen, Ausstellungen oder neuen Veröffentlichungen der Stadt es gab. Später merkte ich, dass das Rathaus auch ein Zugang zu dieser Stadt für mich war. Im Ausstellungsbereich stand ein großes Modell von ganz Dresden. Neubauten, Altstadtviertel, Flächen in Planung und mögliche künftige Stadtkonturen waren im selben Maßstab zu sehen. Einige Male begegnete ich dort sogar Mitarbeitern oder Modellbauern, die direkt daneben neue Gebäudemodelle anfertigten und die noch unvollendete Stadt Stück für Stück in die vorhandene einfügten.

Damals verstand ich das noch nicht vollständig. Ich empfand es einfach als eine unmittelbare Methode. An einem Modell kann man erkennen, welche Orte sich verändern, welches Gebäude entstehen soll und wohin sich die Stadt entwickeln möchte, ohne zuerst komplizierte Stadtplanung beherrschen zu müssen. Viele Fragen, die mich später beschäftigten, sammelte ich allmählich dort: Architektur, öffentlicher Raum, Denkmalpflege und die Spuren verschiedener Zeiten in der Stadt. Die Karte „Stadtplanung und Architektur in Dresden 2000–2005“ gehörte dazu.

Erst Jahre später begriff ich die Absicht hinter dieser Karte wirklich. Sie legte Stadtpläne von 1529, 1760, 1967, 1994 und 1999 übereinander und ergänzte sie um Gebäude, Straßen, Plätze und Erhaltungsprojekte, die nach 2000 entstanden oder geplant wurden. Geschichte blieb hier nicht im Museum; sie ging unmittelbar in die Struktur der heutigen Stadt ein. Verschwundene Bauten, neu geöffnete Straßen, wiedergewonnene Plätze, erhaltene Gebäude und neue Räume innerhalb der alten Stadt ließen sich auf einer einzigen Karte lesen. Im Kern ging es darum, wie eine Stadt ihre Vergangenheit versteht und entscheidet, welchen Weg sie als Nächstes einschlägt.

Dabei denke ich auch an meine Erfahrungen nach meiner Rückkehr nach Taiwan. Nur selten habe ich gesehen, dass eine Stadt ihren Bewohnern die Veränderungen verschiedener Epochen über längere Zeit so deutlich zeigt. Natürlich gibt es auch in Taiwan Zukunftszentren, Stadtmodelle und Ausstellungen zur Entwicklung. Häufig betonen sie jedoch das Bild der fertiggestellten Zukunft. Animationen, Simulationen und schöne Architekturperspektiven zeigen eine Zukunft, die bereits festgelegt scheint. Der Eindruck, den Dresden damals bei mir hinterließ, war eher der einer Stadt im Werden. Vergangenheit, Gegenwart und eine noch unvollendete Zukunft standen nebeneinander. Die Bewohner sahen eine Stadt, an der weitergearbeitet wurde.

Auch das Kino, das ich damals nicht verstand, wurde dadurch wieder interessant.

Als ich den UFA Kristallpalast zum ersten Mal sah, fand ich ihn nur merkwürdig. Große Glasflächen und schräge Stahlträger wirkten wie ein aufgebrochener Kristall, der plötzlich in der Stadt steckte. Daneben standen jene riesigen, schlicht umrissenen modernistischen Bauten aus der DDR-Zeit. All das passte nicht zu meinem bisherigen Bild von Dresden. Barockkirchen, steinerne Paläste und die Landschaft an der Elbe schienen mir das Dresden zu sein, das ich kannte. Warum war mitten in der Stadt plötzlich dieses seltsame Wesen gewachsen? Erst nach und nach begriff ich, dass gerade dieser Widerspruch verstanden werden wollte.

Das Rundkino von 1972 stammt aus der DDR-Zeit und steht für den Versuch, nach dem Krieg ein neues öffentliches Leben zu schaffen. Der UFA Kristallpalast von 1998 entstand nach der deutschen Wiedervereinigung, als Marktwirtschaft, kommerzielle Unterhaltung und eine neue Architektursprache in die Stadt einzogen. Geht man weiter nach Norden, trifft man auf die wiederaufgebaute Frauenkirche, den Neumarkt und den noch älteren historischen Kern Dresdens. Auf einem einzigen Spaziergang sind die barocke Stadt, Kriegsruinen, DDR-Moderne, die kapitalistische Stadt nach der Einheit und Stadterneuerung des einundzwanzigsten Jahrhunderts zugleich gegenwärtig.

Früher fragte ich, warum das nicht einheitlich sein könne. Heute denke ich, dass gerade diese Unterschiede die wirkliche Geschichte der Stadt sind. Eine Stadt, die Krieg, Teilung, Sozialismus, Wiedervereinigung und Globalisierung erlebt hat, kann gar nicht nur einen architektonischen Ausdruck haben. Rundkino, Kristallpalast, Frauenkirche und auch die Prager Straße verkörpern jeweils eine andere Vorstellung von der „Stadt der Zukunft“. Manche glaubten an breite Straßen und große öffentliche Kultureinrichtungen, andere an historische Quartiere und städtische Erinnerung, wieder andere an Transparenz, Bewegung, Handel und neue Ereignisse im Stadtraum. Diese Antworten widersprechen einander und bilden doch gemeinsam das heutige Dresden.

Wenn ich heute die Karte aus dem Rathaus erneut betrachte, interessieren mich nicht mehr nur die Gebäude darauf. Ich beginne zu verstehen, dass Stadtplanung eigentlich mit Zeit arbeitet. Wie bleibt ein Gebäude erhalten? Wie entsteht ein Platz wieder? Wie wird eine Straße erneut mit dem Alltag der Bewohner verbunden? Wie gewinnt eine einst abgelehnte Vergangenheit ihren Ort zurück? Wenn solche Entscheidungen sich über Jahrzehnte ansammeln, werden sie schließlich zu der Stadt, die wir vor uns sehen.

Die Jahre in Deutschland sind tatsächlich in meine künstlerische Perspektive eingegangen. Früher betrachtete ich zuerst das Objekt. Heute sehe ich eine Schicht weiter nach außen. Warum befindet es sich gerade hier? Was war vorher an diesem Ort? Wer entschied, dass es bleiben soll? Wie nutzen es die Bewohner? Wird es in zwanzig Jahren noch da sein?

Was an einer Stadt besonders sehenswert ist, liegt oft in den Zwischenräumen, in denen Altes und Neues aufeinandertreffen.

Das Kino, das mir damals so fremd vorkam, war einer dieser Zugänge. Ich begann mit Fragen an ein Gebäude, das ich nicht verstand, und sah am Ende, wie eine ganze Stadt mit ihrer Geschichte umgeht. Vielleicht ist genau das die Lehre, die mir jene Dresdner Karte gab.

Eine Stadt befindet sich immer im Werden. Wenn Geschichte erhalten bleibt, ist sie mehr als Erinnerung: Sie wird zu Straßen, Plätzen, Gebäuden und zum Alltag der Menschen, bis sie schließlich selbst zur Stadt wird.

2026年9月29日 星期二

城市‧土地‧文化敘事(六十六)Düsseldorf,K21 的天空遊記

Düsseldorf,K21 的天空遊記


我曾試著回想過去那些看展覽的旅程,多數記憶如今都像夢境一樣,只剩驚鴻一瞥。記得去過某座城市、走進某座美術館,真正要說當時看過哪些作品,反而逐漸模糊。唯獨 Düsseldorf 的 K21,我始終記得自己曾經在天空裡行走。那幾乎成為整座美術館留下來最清楚的畫面。多年之後再回頭想,我常覺得美術館很像一座奇怪的記憶宮殿,我們在裡面收藏作品,也同時忘掉大量細節。最後留下來的,可能只是一道光、一個空間、一種身體感,或者某一刻突然失去地面的感覺。


我會前往 Düsseldorf,其實帶著一點私人原因。那時候我曾申請 Düsseldorf Kunstakademie,最後沒有被錄取。也正因如此,我反而更想親自去看看這座城市。我想知道,究竟是怎樣的城市土壤,可以長出 Joseph Beuys 這樣具有時代影響力的藝術家;怎樣的學院、畫廊、收藏制度與文化環境,可以讓這麼多藝術家聚集在這裡。那幾年我也開始刻意往德國不同方向移動,想知道西德、南德、柏林以及曾經的東德地區,到底有什麼差異。城市的尺度、街道、文化氛圍、人的生活方式,都可能完全不同。當時的我沒有明確答案,所以就用移動來理解世界。


Düsseldorf 讓我特別好奇的地方,在於它同時擁有藝術學院、當代藝術傳統、萊茵河,以及 MedienHafen 裡 Frank Gehry 那些扭曲的建築量體。那時候我一直在想,為什麼這座城市有能力接受這些作品,又為什麼有足夠的文化條件,讓藝術與實驗性的建築持續發生。K21 本身也像這種城市氣度的縮影。一棟原本屬於政治權力的議會建築,後來轉化為當代美術館,十九世紀的建築、戰後政治歷史與二十一世紀藝術被疊在同一個空間裡。城市沒有抹去舊的時間,而是讓新的內容繼續進入。


只是學生時代的我,其實讀不懂 K21 裡很多作品。它收藏與展示大量當代藝術、觀念藝術、影像與裝置,相較於繪畫或傳統美術館,那些作品需要更多時代背景與藝術史脈絡才能進入。當時走在展間裡,我常常只剩下一個疑問,為什麼我看不懂。後來才慢慢發現,觀看藝術也需要累積。當看過更多作品、讀過更多歷史、理解不同年代的社會背景之後,原本毫無頭緒的東西才會逐漸連接起來。很多作品當下沒有答案,卻可能先留在身體裡,等到多年之後才重新產生意義。

Tomás Saraceno 的《in orbit》就是這樣的作品。巨大的網狀結構懸浮在 K21 的玻璃穹頂下方,人可以真正走進作品,在高處移動。腳下沒有熟悉的地面,其他人的重量與動作會透過整張網傳遞過來,一個人的移動也會影響另一個人的平衡。那時候的我也許還無法完整理解 Saraceno 對生態、網絡、共生與未來棲居的思考,可是身體已經先記住了。十多年後,當他的作品來到台灣,我再次讀到他的創作,才突然發現自己很早以前就曾進入過他的世界。有些作品要等人生走得夠遠,才開始真正看懂。我也曾經想過,自己是否有可能成為這樣的創作者,讓一件作品在多年之後仍然停留在另一個人的記憶裡。


那次應該是在三月前後,冬天快要結束,城市裡有一點溫暖的陽光。我一個人在 Düsseldorf 漫遊,看建築、看人、沿著萊茵河走,也想著自己的選擇。如果當初被錄取,如果留在這裡,如果人生走向另一條路,我現在又會在哪裡。Düsseldorf 很精彩,可是那時候的我似乎知道,這裡暫時沒有成為我要停留的地方。相較之下,我對易北河的記憶反而更深,也許真正生活過的地方,才會慢慢進入身體。多年以後,我已經記不得 K21 裡大部分的作品,也不再需要替那些「如果」找到答案。我只記得自己走進那片懸浮的網,下面是巨大的中庭,頭頂是透明的天空,腳下沒有穩固的地面,只能把重量放上去,一步一步往前。也許那就是這趟 Düsseldorf 旅程最後真正留下
來的東西。


也許人生有時候就是這樣。當腳下原本熟悉的結構突然消失,我們仍然只能把重量放上去,試著往前走。城市沒有替我決定方向。K21 也沒有。可是多年之後,我仍然記得那個在天空行走的自己。




Düsseldorf: Ein Gang durch den Himmel des K21


Ich habe versucht, mich an frühere Reisen zu Ausstellungen zu erinnern, doch die meisten Erinnerungen gleichen heute Träumen, von denen nur flüchtige Bilder geblieben sind. Ich weiß noch, dass ich eine Stadt besucht und ein Museum betreten habe, aber welche Werke ich damals tatsächlich sah, wird immer undeutlicher. Nur im K21 in Düsseldorf erinnere ich mich bis heute daran, im Himmel gegangen zu sein. Das ist beinahe das klarste Bild, das mir das ganze Museum hinterlassen hat. Wenn ich Jahre später zurückdenke, erscheint mir ein Kunstmuseum oft wie ein seltsamer Gedächtnispalast. Wir bewahren dort Werke auf und vergessen zugleich zahllose Einzelheiten. Am Ende bleibt vielleicht nur ein Lichtstrahl, ein Raum, eine körperliche Empfindung oder der Augenblick, in dem einem plötzlich der Boden unter den Füßen fehlt.

Für meine Reise nach Düsseldorf gab es auch einen persönlichen Grund. Ich hatte mich damals an der Kunstakademie Düsseldorf beworben und war nicht aufgenommen worden. Gerade deshalb wollte ich mir die Stadt selbst ansehen. Ich wollte wissen, auf welchem städtischen Boden ein so einflussreicher Künstler wie Joseph Beuys wachsen konnte und welche Akademie, Galerien, Sammlungsstrukturen und kulturellen Bedingungen so viele Künstler hier zusammenbrachten. In jenen Jahren begann ich auch, bewusst in verschiedene Richtungen durch Deutschland zu reisen, um die Unterschiede zwischen Westdeutschland, Süddeutschland, Berlin und den Gebieten der ehemaligen DDR zu verstehen. Der Maßstab einer Stadt, ihre Straßen, ihre kulturelle Atmosphäre und die Lebensweise ihrer Menschen konnten völlig verschieden sein. Ich hatte damals keine klare Antwort, also versuchte ich, die Welt durch Bewegung zu verstehen.

An Düsseldorf faszinierte mich, dass die Stadt zugleich eine Kunstakademie, eine Tradition zeitgenössischer Kunst, den Rhein und die verdrehten Bauten Frank Gehrys im MedienHafen besitzt. Ich fragte mich, weshalb diese Stadt solche Werke annehmen konnte und welche kulturellen Voraussetzungen Kunst und experimentelle Architektur immer wieder möglich machten. Auch das K21 schien mir ein Ausdruck dieser Offenheit. Ein Gebäude, das früher politischer Macht gedient hatte, wurde zu einem Museum für Gegenwartskunst. Architektur des neunzehnten Jahrhunderts, politische Nachkriegsgeschichte und Kunst des einundzwanzigsten Jahrhunderts lagerten sich in einem Raum übereinander. Die Stadt löschte die frühere Zeit nicht aus, sondern ließ weiterhin Neues hinein.

Als Student verstand ich allerdings viele Werke im K21 noch nicht. Das Museum sammelte und zeigte viel Gegenwartskunst, Konzeptkunst, Video und Installation. Im Vergleich zu Malerei oder einem traditionellen Kunstmuseum brauchte ich dafür mehr Wissen über die jeweilige Zeit und die Kunstgeschichte. In den Ausstellungsräumen blieb mir oft nur die Frage, warum ich nichts verstand. Erst später begriff ich allmählich, dass auch das Betrachten von Kunst Erfahrung erfordert. Wenn man mehr Werke sieht, mehr Geschichte liest und die gesellschaftlichen Hintergründe verschiedener Epochen versteht, beginnen Dinge, die zunächst rätselhaft waren, sich zu verbinden. Viele Werke geben im Augenblick keine Antwort. Sie können sich aber zunächst im Körper festsetzen und erst Jahre später eine neue Bedeutung gewinnen.

Tomás Saracenos „in orbit“ ist ein solches Werk. Ein riesiges Netz schwebt unter der Glaskuppel des K21; man kann das Werk betreten und sich hoch über dem Boden bewegen. Unter den Füßen fehlt der vertraute feste Grund. Das Gewicht und die Bewegungen anderer Menschen übertragen sich über das ganze Netz, und jede eigene Bewegung beeinflusst das Gleichgewicht eines anderen. Damals verstand ich Saracenos Gedanken über Ökologie, Netzwerke, Zusammenleben und künftige Formen des Wohnens vielleicht noch nicht vollständig. Mein Körper aber hatte sich das Erlebnis bereits eingeprägt. Mehr als zehn Jahre später, als seine Arbeit nach Taiwan kam, las ich erneut über sein Schaffen und merkte plötzlich, dass ich seine Welt schon sehr früh betreten hatte. Manche Werke beginnen wir erst zu verstehen, wenn unser Leben weit genug vorangeschritten ist. Ich fragte mich auch, ob ich selbst einmal etwas schaffen könnte, das viele Jahre im Gedächtnis eines anderen Menschen bleibt.

Es muss ungefähr im März gewesen sein. Der Winter ging zu Ende, und über der Stadt lag etwas warmes Sonnenlicht. Ich streifte allein durch Düsseldorf, betrachtete Gebäude und Menschen, ging am Rhein entlang und dachte über meine Entscheidungen nach. Was wäre, wenn ich aufgenommen worden wäre, wenn ich hiergeblieben wäre, wenn mein Leben eine andere Richtung genommen hätte? Düsseldorf war aufregend, doch ich schien schon damals zu wissen, dass ich vorerst nicht hierbleiben würde. Die Erinnerung an die Elbe ist dagegen tiefer. Vielleicht gehen nur Orte, an denen wir wirklich gelebt haben, nach und nach in den Körper über. Jahre später erinnere ich mich an die meisten Werke im K21 nicht mehr und brauche auch keine Antwort mehr auf all diese „Was wäre wenn“. Ich weiß nur noch, wie ich das schwebende Netz betrat: Unter mir lag das große Atrium, über mir ein durchsichtiger Himmel, und unter den Füßen gab es keinen festen Boden. Ich konnte nur mein Gewicht darauf verlagern und Schritt für Schritt weitergehen. Vielleicht ist genau das geblieben von meiner Reise nach Düsseldorf.

Vielleicht ist das Leben manchmal so. Wenn die vertraute Struktur unter unseren Füßen plötzlich verschwindet, müssen wir unser Gewicht dennoch darauf setzen und versuchen weiterzugehen. Die Stadt entschied meine Richtung nicht für mich. Das K21 ebenso wenig. Aber noch Jahre später erinnere ich mich an den Menschen, der ich damals war, als ich durch den Himmel ging.

城市‧土地‧文化敘事(六十五)Miniatur Wunderland 城市裡面藏著城市,小人國裡藏著眾人的夢

Miniatur Wunderland 城市裡面藏著城市,小人國裡藏著眾人的夢


我對漢堡的記憶,有一部分藏在倉庫裡。

第一次走進 Miniatur Wunderland,我看到的是一個被重新壓縮過的世界。火車按照軌道穿越城市,汽車停下又前進,港口持續運轉,機場裡的飛機滑行、起飛、降落,燈光慢慢從白天轉入夜晚。所有事情像一套事先寫好的劇本,精準地重複發生。我以前總覺得德國有一種對秩序的執著,時間、機械、交通、公共系統都可以被細細拆解,再重新組裝。Miniatur Wunderland 把這種性格做到近乎極端,技術成了製造風景的方法,控制系統最後產生的卻不是冷冰冰的機械感,而是一個會讓人停下來驚嘆的世界。


我最記得的還是機場。飛機開始滑行,慢慢加速,最後真的從跑道升起來,那一瞬間周圍會傳出「哇」的聲音。大家明明知道眼前的一切都是模型,還是願意等待那幾秒鐘。這也讓我開始想,究竟是誰有這樣的願力,願意花二十幾年,把一個原本看起來只是模型鐵道的想法,一點一點擴張成一整個世界。到了 2026 年,Miniatur Wunderland 已經跨越運河進入第二棟倉庫建築,新的區域與入口仍持續規劃。這座「小人國」沒有因為完成而停止,它反而像真正的城市一樣,一旦人口、故事與想像增加,就必須繼續尋找新的領土。


有趣的是,這個世界就藏在 Speicherstadt 裡。過去的倉庫收藏咖啡、茶葉、香料與從港口送進來的貨物,如今其中一部分空間開始收藏城市、山脈、鐵路、機場以及人們對世界的想像。真實的漢堡包覆著一個微縮漢堡,微縮漢堡裡又出現 Speicherstadt,城市裡面還有城市。尺度一層一層往裡縮,最後讓人開始分不清楚,我們究竟是在觀看模型,還是在透過模型重新觀看自己生活的世界。城市很大,大到一個人很難真正理解它;當它被縮小以後,道路、交通、建築、商業、娛樂與人的關係反而突然清楚起來。

那一年的漢堡,我也在做自己的事情。我推著自己改造的推車,在城市裡進行交換經濟的行為藝術。現在回頭想,那台推車其實也是一個很小的城市裝置。我帶著它移動,和陌生人交換物件,也交換短暫的關係。那時候的漢堡陽光很好,我穿過 HafenCity,看著舊港區逐漸被新的建築覆蓋。城市正在改造,我也還在尋找自己可以前進的方向。遠處那座我一直期待的易北愛樂廳還沒有正式開幕,新聞裡經常看到工程延宕與預算增加。直到我 2016 年離開德國時,它依然還沒有真正成為我想像中的音樂空間。它的 Plaza 在 2016 年 11 月先開放,大音樂廳則到 2017 年 1 月才正式啟用。


這件事後來反而成為我對漢堡很深的印象。這座城市似乎沒有那麼著急。北德的紅磚建築把城市尺度拉得很高,港口、倉庫、運河與橋梁之間留著很大的距離,人走在裡面會自然慢下來。HafenCity 可以花很多年重新長出來,易北愛樂廳可以經過漫長工程才開門,一座模型世界也可以從幾間房慢慢跨進第二棟建築。時間在這裡看起來沒有被浪費,它被一層一層堆進城市裡。

所以我後來再想 Miniatur Wunderland,記得的已經很少只是那些模型有多精巧。我記得的是人群圍在模型旁邊等待飛機起飛,有人驚嘆,有人找尋藏在角落的小人物,有人安靜等待燈光慢慢暗下來。那些微小人物當然沒有真正的生命,可是觀看他們的人,把自己的記憶投射了進去。


一個人的想望,最後需要很多人的手才能完成;很多人的想望,又會慢慢變成一座城市共同保存的東西。也許城市本來就是這樣形成的。有人想蓋一座港口,有人想蓋一座音樂廳,有人想在舊倉庫裡造出整個世界。我那時候只是推著一台自己改造的推車,從這些巨大建築之間走過。尺度完全不同,裡面其實有一件事情很接近,我們都試著把腦子裡還不存在的東西,帶到現實世界。

如今 Miniatur Wunderland 還在長大,HafenCity 也早已和我當年看到的不一樣,那座等待多年的易北愛樂廳也已經開始了它的音樂生活。我想有一天還是會再回到漢堡,坐進那座當年只能遠遠看著施工的音樂廳,再走進 Speicherstadt 看看那個世界究竟又長出了多少新的土地。

城市裡面藏著城市,小人國裡藏著眾人的夢。而當年那個推著推車走過漢堡的我,也把自己的一小部分夢,留在了那裡。


Miniatur Wunderland: Eine Stadt in der Stadt, die Träume vieler Menschen im Miniaturland


Ein Teil meiner Erinnerungen an Hamburg liegt in einem Lagerhaus.

Als ich zum ersten Mal das Miniatur Wunderland betrat, sah ich eine Welt, die noch einmal verdichtet worden war. Züge durchquerten Städte auf ihren Gleisen, Autos hielten an und fuhren weiter, der Hafen arbeitete ununterbrochen, und am Flughafen rollten Flugzeuge, hoben ab und landeten. Langsam wechselte das Licht vom Tag zur Nacht. Alles geschah wieder und wieder mit der Präzision eines vorab geschriebenen Drehbuchs. Früher hatte ich immer das Gefühl, dass Deutschland eine besondere Beharrlichkeit in Fragen der Ordnung besitzt: Zeit, Maschinen, Verkehr und öffentliche Systeme lassen sich bis ins Detail zerlegen und neu zusammensetzen. Das Miniatur Wunderland treibt diese Eigenschaft beinahe auf die Spitze. Technik wird zu einem Mittel, Landschaften zu schaffen. Doch aus all diesen Steuerungssystemen entsteht am Ende keine kalte mechanische Welt, sondern eine, vor der Menschen stehen bleiben und staunen.

Am deutlichsten ist mir der Flughafen in Erinnerung geblieben. Ein Flugzeug beginnt zu rollen, beschleunigt langsam und hebt schließlich tatsächlich von der Startbahn ab. In diesem Augenblick hört man um sich herum ein „Wow“. Obwohl alle wissen, dass sie ein Modell vor sich haben, warten sie bereitwillig auf diese wenigen Sekunden. Ich fragte mich, wer einen solchen Willen hatte, mehr als zwanzig Jahre lang eine Idee, die zunächst nur wie eine Modelleisenbahn aussah, Stück für Stück zu einer ganzen Welt auszubauen. Bis 2026 hatte das Miniatur Wunderland den Kanal überquert und ein zweites Speichergebäude erreicht; neue Bereiche und ein neuer Eingang waren weiterhin in Planung. Dieses Miniaturland blieb nicht stehen, als es fertig war. Wie eine wirkliche Stadt muss es, sobald Bevölkerung, Geschichten und Vorstellungen zunehmen, immer neues Land finden.

Das Interessante ist, dass diese Welt in der Speicherstadt verborgen liegt. Die Lagerhäuser bewahrten früher Kaffee, Tee, Gewürze und Waren auf, die aus dem Hafen kamen. Heute bergen einige dieser Räume Städte, Berge, Eisenbahnen, Flughäfen und die Vorstellungen der Menschen von der Welt. Das wirkliche Hamburg umschließt ein Hamburg im Kleinformat, und in diesem Miniatur Hamburg erscheint wiederum die Speicherstadt: eine Stadt in der Stadt. Der Maßstab schrumpft Schicht um Schicht, bis man kaum noch weiß, ob man ein Modell betrachtet oder durch das Modell die eigene Lebenswelt neu sieht. Eine Stadt ist so groß, dass ein einzelner Mensch sie kaum wirklich begreifen kann. Im verkleinerten Maßstab werden die Beziehungen zwischen Straßen, Verkehr, Architektur, Handel, Freizeit und Menschen plötzlich deutlicher.

In jenem Jahr in Hamburg verfolgte ich auch meine eigenen Vorhaben. Ich schob einen von mir umgebauten Wagen durch die Stadt und führte eine Performance zur Tauschwirtschaft durch. Im Rückblick war dieser Wagen selbst eine winzige städtische Einrichtung. Ich bewegte mich mit ihm und tauschte mit Fremden Gegenstände, aber auch flüchtige Beziehungen. Damals schien in Hamburg oft die Sonne. Ich durchquerte die HafenCity und sah, wie neue Gebäude den alten Hafenbereich allmählich überlagerten. Die Stadt befand sich im Umbau, und auch ich suchte noch nach einer Richtung für mich. In der Ferne stand die Elbphilharmonie, auf die ich mich seit Langem gefreut hatte, die aber noch nicht offiziell eröffnet war. In den Nachrichten war oft von Bauverzögerungen und steigenden Kosten die Rede. Als ich Deutschland 2016 verließ, war sie immer noch nicht der Musikraum geworden, den ich mir vorgestellt hatte. Ihre Plaza öffnete zunächst im November 2016; der Große Saal wurde erst im Januar 2017 offiziell eröffnet.

Später wurde genau das zu einem tiefen Eindruck, den Hamburg bei mir hinterließ. Diese Stadt scheint es nicht besonders eilig zu haben. Die roten Backsteinbauten Norddeutschlands verleihen ihr einen hohen Maßstab; zwischen Hafen, Speichern, Kanälen und Brücken bleiben große Abstände, und beim Gehen wird man dort von selbst langsamer. Die HafenCity kann sich über viele Jahre neu entwickeln, die Elbphilharmonie kann erst nach einer langen Bauzeit ihre Türen öffnen, und eine Modellwelt kann allmählich von ein paar Räumen in ein zweites Gebäude hinüberwachsen. Die Zeit scheint hier nicht verschwendet. Sie lagert sich Schicht für Schicht in der Stadt ab.

Wenn ich heute an das Miniatur Wunderland denke, erinnere ich mich daher nur noch zu einem kleinen Teil daran, wie raffiniert die Modelle sind. Ich sehe die Menschen vor einem Modell stehen und auf den Start eines Flugzeugs warten. Einige staunen, andere suchen kleine Figuren in verborgenen Ecken, wieder andere warten still darauf, dass das Licht langsam dunkler wird. Diese winzigen Figuren leben natürlich nicht wirklich, doch die Menschen, die sie betrachten, legen ihre eigenen Erinnerungen in sie hinein.

Damit der Wunsch eines Menschen Wirklichkeit wird, braucht es schließlich viele Hände. Die Wünsche vieler Menschen wiederum werden allmählich zu etwas, das eine Stadt gemeinsam bewahrt. Vielleicht entstehen Städte genau so. Jemand möchte einen Hafen bauen, jemand einen Konzertsaal, jemand eine ganze Welt in einem alten Speicher. Ich schob damals nur meinen selbst umgebauten Wagen zwischen diesen riesigen Bauten hindurch. Die Maßstäbe waren völlig verschieden, doch im Kern lag etwas sehr Ähnliches: Wir versuchten alle, etwas, das bisher nur in unseren Köpfen existierte, in die wirkliche Welt zu bringen.

Das Miniatur Wunderland wächst bis heute weiter. Auch die HafenCity sieht längst anders aus als damals, und die Elbphilharmonie, auf die man so lange gewartet hatte, hat ihr musikalisches Leben begonnen. Ich glaube, eines Tages werde ich nach Hamburg zurückkehren, in jenem Konzertsaal sitzen, dessen Baustelle ich damals nur aus der Ferne betrachten konnte, und anschließend in die Speicherstadt gehen, um zu sehen, wie viel neues Land jene andere Welt inzwischen gewonnen hat.

In der Stadt verbirgt sich eine weitere Stadt, und im Miniaturland liegen die Träume vieler Menschen. Auch ich, der damals seinen Wagen durch Hamburg schob, habe einen kleinen Teil meines Traums dort zurückgelassen.