2026年8月30日 星期日

城市‧土地‧文化敘事(二十五) 威尼斯的城市隙縫中找到光

 威尼斯的城市隙縫中找到光

這些年的書寫,對我而言越來越像一場關於自己人生的策展。我重新翻看曾經走過的城市、看過的建築、遇見的人,以及某些當年沒有特別意識到的重要瞬間。時間已經過去,真正能取回的往往只剩片段,我不可能完整重建當時的自己,也不可能再次看見那一天真正的光線,然而記憶的隙縫本身,也許就是一座寶庫。
漫長的時間裡,我總想從某個縫隙鑿回過去,讓那些曾經照亮我的光,再一次透進心裡那座沉睡已久的教堂。想到一件事,我就把其中一個盒子打開,看幾眼。有些盒子裡是一座城市,有些是一個人,有些只剩一道光。而在威尼斯的盒子裡,卡羅・斯卡帕(Carlo Scarpa)始終是一個關鍵人物,是喜歡,是佩服,也是某種仰望。只是要重新談他,我必須先縫補自己的記憶,因為我的威尼斯從來沒有只發生在一次旅行裡。
我曾經幾次去到威尼斯,每一次目的都不同。最早是好奇,後來是建築研究,再後來逐漸變成帶著問題去旅行,從單純觀看走到尋找線索,再走到試圖驗證自己對空間的理解。威尼斯建築雙年展,大概是每一個學建築的人都曾經想像過的朝聖行程,我也去了三次。然而多年之後,真正留在我腦海裡的,反而不完全是雙年展本身,是那些街道、廣場、窄巷、水面,是牆與牆之間留下的縫隙,以及一棟建築進入另一個空間之前,那個很難被畫在平面圖上的交會點。
我很喜歡在威尼斯沒有目的地走路。穿過狹窄的巷弄,再突然進入一座廣場,從陰暗空間走出來,一瞬間看見水面,在兩面高牆之間前進,天空只剩下一條細長的藍色裂縫。表面上是漫無目的的探險,其實我一直在驗證某些空間理論,從一口井、一座雕像或一座鐘塔望出去,走近之後空間轉折,新的視線再次打開,城市因此形成一連串視覺交會點。地圖畫得出這些節點的位置,卻畫不出巷弄的寬窄、牆面的高度、腳步的速度,以及從黑暗突然走進光裡的那個瞬間,這些細節後來我竟然也在斯卡帕的作品裡重新讀到。

他一九〇六年生於威尼斯,這座城市本身就是他最早也最完整的空間教育,不用巨大的軸線把城市一次攤開給你看,而是要求人移動、轉彎、靠近、等待,才揭露下一個畫面。他的建築也經常如此,牆面只打開一個洞口,門不一定放在正中央,階梯可能突然改變方向,兩種材料相遇時中間刻意留下一道縫,水、金屬、混凝土、石材、光線彼此保持距離,又被精準安排在同一個畫面裡。
一九六一到一九六三年,他在卡斯泰洛區的奎里尼・斯坦帕利亞基金會(Fondazione Querini Stampalia),把原本面向一條窄巷、常年被潮水灌進來的入口,改成一座跨越小水道的橋,讓人從聖瑪利亞福爾摩沙廣場直接走進來。他沒有把潮水擋在門外,反而設計了一整套黃銅與鐵柵組成的水門,漲潮時讓海水按照他規定的路線流進大廳,退潮時再退出去,整層地面因此變成一座會呼吸的淺水景觀。這件事我後來才真正想通,威尼斯教給他的不是怎麼防守,是怎麼把這座城市最麻煩的變動條件,也精準算進固定設計裡,讓潮水成為空間的一部分,不是空間要對抗的敵人。

我甚至會懷疑,這種近乎固執的觀看方式,是不是某種極度精準的數學公式。城市生活當然很難被計算,人的速度、情緒、目的與選擇每一天都不同,但場景可以被控制,洞口可以決定視野,牆可以改變動線,高度可以控制人看到多少天空。空間裡因此有兩種力量,一種是固定的,建築、牆體、洞口、階梯、尺度、材料,另一種是變動的,行走的人、水面的反光、天氣、聲音、植物、時間。這正是斯卡帕最吸引我的地方,他沒有試圖把所有事情完全控制,他精準設計固定的那一半,把變動的那一半交給時間。水會流動,光會移動,金屬會氧化,人的視線也會改變。建築因此永遠沒有真正完成。

其中一次威尼斯旅行,我遇見了一位正在米蘭理工讀建築的中國學生,我們只是旅途中萍水相逢的旅伴,卻剛好有相似的目的,像兩個建築學生進行自己的修行。後來我們一起去看斯卡帕設計的布里昂墓園,那趟行程原本甚至不在我的計畫裡,旅行有時候就是如此,真正影響你很久的事情,經常發生在計畫之外。這座墓園是斯卡帕一九六八年接下的委託,布里昂維加公司創辦人朱塞佩・布里昂過世後,遺孀奧諾莉娜委託他為家族擴建墓地,他花了整整十年,把一塊L形的用地做成一座密度極高的空間,直到一九七八年完工前夕,他自己在日本的一場意外中過世,最後依照遺願,站著葬在這座墓園圍牆外一個不起眼的角落,裹著亞麻布。
我們離開威尼斯,前往墓園,從城市裡密集的巷弄、水道與人群,進入另一個完全不同的世界,混凝土、水池、草地、幾何洞口與天空。在那裡,我再次感受到斯卡帕對觀看位置近乎偏執的控制,你必須站在某個地方,走到某個角度,透過某個洞口,完整的關係才會突然出現。這件事情後來也進入我的創作,我開始把空間視為一種需要被解碼的東西,觀看從來不是中性的,站在哪裡,看見什麼,被遮住什麼,又在走了幾步之後突然看見什麼,全部都會改變一件作品。

所以我開始思考一個問題,古典空間之所以令人感到舒服,究竟來自什麼,比例、尺度、視線、節奏,還是一代又一代人在城市生活中累積出的經驗法則。當一個觀看位置被精準設定之後,它是否就是最好的答案。我現在反而不敢這麼確定。斯卡帕的空間有時候甚至帶著一種強迫性,他像是在告訴觀看者,站到這裡,從這裡看,現在你才會看見我想讓你看到的畫面。這很迷人,也值得懷疑,因為空間腳本被最佳化的同時,也可能形成某種觀點的強制縫合。建築師設定了觀看方式,但人在城市裡總會逃離劇本,有人停下來,有人走錯方向,有人根本沒有發現那個洞口,有人只顧著和朋友說話。也許真正有趣的空間,就存在於設計者精準的意圖,與使用者不可預測的行動之間。

多年以後,我重新回想威尼斯,才發現自己當時其實一直在做同一件事,觀測。我帶著建築史、藝術史、城市史,以及事先整理好的資料走進城市,那些理論到底還有沒有作用。當真正站在街道裡,答案通常沒有書上那麼乾淨。有些歷史留下來了,有些城市焦點已經改變,過去的紀念物仍然站在那裡,但真正吸引我的,往往是當下正在發生的城市生活。有人在井邊聊天,有人推著菜車經過,孩子突然從巷子跑出來,水面反射著不知道從哪一扇窗照下來的光。我身上準備好的旅遊手冊、分析圖、建築史資料,到了那個時候都退到第二層,它們只是驗證的工具,真正讓我繼續往前走的,一直都是好奇心。

今天回頭看,我甚至覺得斯卡帕留給我的核心,也許已經超越了建築細節本身。他讓我理解了一種觀看城市的方法,不要急著看全貌,先看縫隙,不要急著理解一座城市,先觀察它如何讓你行走。不要只看一棟建築長什麼樣子,看看兩個材料如何相遇,一道牆如何結束,一束光如何進入,一個人走過之後又留下什麼。完整,有時候是一種幻覺,我們真正擁有的,本來就是片段。而我現在所做的這些書寫,也只是試著把散落在不同年份、不同城市、不同人生階段的片段重新排列,像斯卡帕留下的那些縫。縫沒有消失。光正是從那裡進來。

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Licht in den Zwischenräumen Venedigs finden

Mein Schreiben der vergangenen Jahre kommt mir immer mehr wie eine Ausstellungskuration meines eigenen Lebens vor. Ich betrachte noch einmal die Städte, durch die ich gegangen bin, die Gebäude, die ich gesehen habe, die Menschen, denen ich begegnet bin, und manche wichtigen Augenblicke, deren Bedeutung mir damals nicht besonders bewusst war. Die Zeit ist vergangen, und was sich wirklich zurückholen lässt, sind meist nur Fragmente. Ich kann mein damaliges Ich nicht vollständig rekonstruieren und auch das wirkliche Licht jenes Tages nicht noch einmal sehen. Doch vielleicht sind gerade die Lücken der Erinnerung eine Schatzkammer.

Im Lauf der langen Zeit wollte ich mich immer durch irgendeine Öffnung in die Vergangenheit zurückarbeiten, damit das Licht, das mich einst erhellte, wieder in jene seit Langem schlafende Kathedrale in meinem Inneren fällt. Wenn mir etwas einfällt, öffne ich eine der Schachteln und werfe einen Blick hinein. Manche enthalten eine Stadt, manche einen Menschen, in manchen ist nur noch ein Lichtstrahl geblieben. In der Schachtel Venedig ist Carlo Scarpa stets eine Schlüsselfigur: jemand, den ich mag, bewundere und zu dem ich in gewisser Weise aufblicke. Doch um erneut von ihm zu sprechen, muss ich zuerst meine Erinnerung vernähen, denn mein Venedig hat sich nie nur auf einer einzigen Reise ereignet.

Ich war mehrmals in Venedig, jedes Mal mit einem anderen Ziel. Zuerst war es Neugier, später Architekturforschung, und danach reiste ich zunehmend mit Fragen. Vom bloßen Schauen ging ich zum Suchen nach Spuren und schließlich zum Versuch über, mein eigenes Verständnis von Raum zu überprüfen. Die Architekturbiennale in Venedig ist wohl eine Pilgerfahrt, die sich jeder Mensch im Architekturstudium einmal vorgestellt hat; ich besuchte sie dreimal. Doch viele Jahre später ist mir nicht ausschließlich die Biennale selbst im Gedächtnis geblieben, sondern jene Straßen, Plätze, schmalen Gassen und Wasserflächen, die Zwischenräume von Wand zu Wand und jener schwer in einen Grundriss einzuzeichnende Berührungspunkt, bevor ein Gebäude in einen anderen Raum übergeht.

Ich gehe sehr gern ohne Ziel durch Venedig. Man durchquert eine schmale Gasse und tritt plötzlich auf einen Platz, kommt aus einem dunklen Raum und sieht im nächsten Augenblick das Wasser, bewegt sich zwischen zwei hohen Wänden, während vom Himmel nur ein schmaler blauer Riss bleibt. Oberflächlich ist es eine ziellose Erkundung, tatsächlich überprüfe ich dabei ständig bestimmte Raumtheorien. Von einem Brunnen, einer Skulptur oder einem Glockenturm blickt man hinaus; beim Näherkommen knickt der Raum ab und eine neue Sichtachse öffnet sich. So bildet die Stadt eine Folge visueller Kreuzungspunkte. Eine Karte kann die Lage dieser Knoten zeigen, nicht aber die wechselnde Breite der Gassen, die Höhe der Wände, das Tempo der Schritte oder jenen Augenblick, in dem man plötzlich aus der Dunkelheit ins Licht tritt. Später las ich zu meiner eigenen Überraschung genau diese Details in Scarpas Arbeiten wieder.

Er wurde 1906 in Venedig geboren. Die Stadt selbst war seine früheste und vollständigste räumliche Ausbildung. Sie breitet sich nicht entlang einer gewaltigen Achse auf einmal vor einem aus, sondern verlangt Bewegung, Wendung, Annäherung und Warten, bevor sie das nächste Bild enthüllt. Auch seine Architektur funktioniert häufig so. Eine Wand öffnet nur eine einzige Durchbrechung; eine Tür liegt nicht unbedingt in der Mitte; eine Treppe kann plötzlich ihre Richtung ändern; und wenn zwei Materialien zusammentreffen, bleibt bewusst eine Fuge zwischen ihnen. Wasser, Metall, Beton, Stein und Licht halten Abstand voneinander und werden dennoch präzise in demselben Bild angeordnet.

Zwischen 1961 und 1963 verwandelte Scarpa in der Fondazione Querini Stampalia im Stadtteil Castello einen Eingang, der zu einer engen Gasse lag und regelmäßig vom Hochwasser überspült wurde, in eine Brücke über einen kleinen Kanal. So konnte man direkt vom Campo Santa Maria Formosa eintreten. Er hielt die Flut nicht draußen, sondern entwarf ein ganzes System von Wassertoren aus Messing und Eisengittern. Bei Hochwasser strömt das Meer auf einer von ihm festgelegten Route in die Halle und zieht sich bei sinkendem Pegel wieder zurück. Der gesamte Boden wird dadurch zu einer atmenden, flachen Wasserlandschaft. Erst später verstand ich wirklich: Venedig lehrte ihn nicht, wie man sich verteidigt, sondern wie man selbst die schwierigsten veränderlichen Bedingungen dieser Stadt präzise in einen festen Entwurf einrechnet. Die Flut wird Teil des Raums und nicht zu einem Feind, gegen den der Raum kämpfen muss.

Manchmal frage ich mich sogar, ob diese beinahe eigensinnige Art des Sehens nicht einer äußerst präzisen mathematischen Formel gleicht. Städtisches Leben lässt sich natürlich nur schwer berechnen. Geschwindigkeit, Gefühle, Absichten und Entscheidungen der Menschen verändern sich täglich. Eine Szene jedoch lässt sich steuern: Eine Öffnung bestimmt das Blickfeld, eine Wand verändert den Weg, eine Höhe entscheidet, wie viel Himmel sichtbar ist. Im Raum wirken deshalb zwei Kräfte. Die eine ist fest: Gebäude, Wände, Öffnungen, Treppen, Maßstab und Materialien. Die andere verändert sich: gehende Menschen, Spiegelungen auf dem Wasser, Wetter, Klang, Pflanzen und Zeit. Genau das zieht mich an Scarpa besonders an. Er versuchte nicht, alles vollständig zu kontrollieren. Die feste Hälfte entwarf er präzise, die veränderliche übergab er der Zeit. Wasser fließt, Licht wandert, Metall oxidiert, und auch der Blick der Menschen verändert sich. Architektur ist deshalb niemals wirklich abgeschlossen.

Auf einer meiner Reisen nach Venedig begegnete ich einem chinesischen Studenten, der am Polytechnikum Mailand Architektur studierte. Wir waren lediglich zufällige Reisegefährten, hatten aber ähnliche Ziele, wie zwei Architekturstudenten auf einer eigenen Übung der Selbstdisziplin. Später besuchten wir gemeinsam die von Scarpa entworfene Brion-Grabstätte, obwohl dieser Ausflug ursprünglich nicht einmal vorgesehen war. Reisen funktionieren manchmal so: Was einen lange beeinflusst, geschieht häufig außerhalb des Plans. Scarpa erhielt den Auftrag für die Anlage 1968. Nach dem Tod von Giuseppe Brion, dem Gründer des Unternehmens Brionvega, beauftragte ihn dessen Witwe Onorina mit der Erweiterung der Familiengrabstätte. Zehn Jahre lang verwandelte er ein L-förmiges Grundstück in einen Raum von außerordentlicher Dichte. Kurz vor der Fertigstellung 1978 starb er selbst durch einen Unfall in Japan. Seinem Wunsch entsprechend wurde er schließlich, in Leinen gehüllt und aufrecht stehend, in einer unscheinbaren Ecke außerhalb der Friedhofsmauer beigesetzt.

Wir verließen Venedig und fuhren zur Grabstätte. Aus den dichten Gassen, Wasserwegen und Menschenmengen der Stadt gelangten wir in eine vollkommen andere Welt aus Beton, Wasserbecken, Rasen, geometrischen Öffnungen und Himmel. Dort spürte ich erneut Scarpas beinahe obsessive Kontrolle über den Standort des Blicks. Man muss an einer bestimmten Stelle stehen, einen bestimmten Winkel erreichen und durch eine bestimmte Öffnung schauen, bevor die vollständige Beziehung plötzlich sichtbar wird. Später ging dies auch in meine eigene Arbeit ein. Ich begann, Raum als etwas zu verstehen, das entschlüsselt werden muss. Sehen ist niemals neutral: Wo man steht, was man sieht, was verdeckt bleibt und was nach einigen Schritten plötzlich auftaucht, verändert ein Werk vollständig.

So begann ich über eine Frage nachzudenken: Woher kommt das angenehme Gefühl klassischer Räume? Aus Proportion, Maßstab, Blickführung und Rhythmus oder aus Erfahrungsregeln, die Generation um Generation im städtischen Leben gesammelt hat? Ist eine präzise festgelegte Blickposition automatisch die beste Antwort? Heute bin ich mir dessen weniger sicher. Scarpas Räume besitzen manchmal sogar etwas Zwingendes. Es ist, als sage er den Betrachtenden: Stell dich hierhin, schau von hier; erst jetzt siehst du das Bild, das ich dir zeigen will. Das ist faszinierend und zugleich hinterfragbar, denn mit der Optimierung des räumlichen Drehbuchs kann auch ein bestimmter Standpunkt gewaltsam festgeschrieben werden. Architektinnen und Architekten legen Sehweisen fest, doch Menschen in der Stadt entkommen dem Skript immer. Manche bleiben stehen, manche gehen in die falsche Richtung, manche bemerken die Öffnung gar nicht, und manche sprechen einfach nur mit Freunden. Vielleicht entsteht wirklich interessanter Raum zwischen der präzisen Absicht der Entwerfenden und dem unvorhersehbaren Handeln der Nutzenden.

Als ich viele Jahre später an Venedig zurückdachte, erkannte ich, dass ich damals eigentlich ständig dasselbe getan hatte: beobachten. Mit Architekturgeschichte, Kunstgeschichte, Stadtgeschichte und zuvor zusammengestellten Informationen ging ich in die Stadt und fragte, ob diese Theorien dort noch funktionierten. Sobald man tatsächlich auf der Straße steht, sind die Antworten gewöhnlich nicht so sauber wie in Büchern. Manche Geschichte ist geblieben, manche städtischen Schwerpunkte haben sich verschoben. Die Denkmäler der Vergangenheit stehen noch da, doch mich zog meist das gegenwärtige Stadtleben an. Menschen unterhielten sich an einem Brunnen, jemand schob einen Gemüsekarren vorbei, ein Kind rannte plötzlich aus einer Gasse, und das Wasser spiegelte Licht, das aus einem unbekannten Fenster fiel. Reiseführer, Analysediagramme und Architekturgeschichte, die ich vorbereitet hatte, traten nun in den Hintergrund. Sie waren nur Werkzeuge der Überprüfung. Was mich wirklich weitergehen ließ, war stets die Neugier.

Wenn ich heute zurückblicke, scheint mir sogar, dass das Wesentliche, das Scarpa mir hinterlassen hat, über die architektonischen Details selbst hinausgeht. Er lehrte mich eine Methode, Städte zu betrachten: nicht sofort das Ganze sehen wollen, sondern zuerst die Zwischenräume; nicht vorschnell eine Stadt verstehen wollen, sondern beobachten, wie sie einen zum Gehen bringt. Nicht nur anschauen, wie ein Gebäude aussieht, sondern wie zwei Materialien zusammentreffen, wie eine Wand endet, wie ein Lichtstrahl eintritt und was bleibt, nachdem ein Mensch vorübergegangen ist. Vollständigkeit ist manchmal eine Illusion. Was wir wirklich besitzen, sind von Anfang an Fragmente. Mein heutiges Schreiben versucht lediglich, Fragmente aus verschiedenen Jahren, Städten und Lebensphasen neu zu ordnen, wie jene Fugen, die Scarpa hinterließ. Die Zwischenräume sind nicht verschwunden. Genau dort tritt das Licht ein.