2026年10月30日 星期五

同舟:馬祖客廳百科

壓艙石,島嶼如何在風裡站穩。

在馬祖,風從來不只是氣候。它穿越海峽、掠過山坡、拍打聚落,也長年參與著島嶼生活形態的塑造。人們依循風的方向建造房屋,順應海的節奏往返航行,在自然的力量之間,逐漸發展出一套關於平衡、承受與共存的生活智慧。

船要穿越海洋,艙底需要壓艙石維持平衡;房屋要抵禦季風,屋頂需要壓瓦石穩固瓦面。傳統民居的瓦片仰合交錯,石塊一層層壓在屋瓦之上,以重量抵禦強風,也在交疊的構造之間形成細密的空間層次。海上的船與岸上的屋,雖然承載著不同的生活,卻回應著相似的生存課題。以重量取得平衡,以交疊形成庇護,以彼此承擔回應自然。 這些看似尋常的建造方式,凝聚著島民長久以來與環境相處的智慧。

《同舟》從這份島嶼特有的生存經驗出發,將「壓」與「承載」轉化為一艘懸浮於老宅之中的船。五百面圓盤層層交錯、相互疊合,既像覆蓋屋頂的瓦片,也像海洋生物身上的鱗片。圓盤之間保留疏密有致的間隙,讓風得以穿越、光得以滲入,使整體構造呈現一種介於遮蔽與通透、輕盈與厚重之間的狀態。看似漂浮的形體,卻由無數細小的單元共同構成,彷彿每一片圓盤都在替另一片圓盤承擔重量。

當老宅原有的屋頂已經消失,這艘船便成為一座重新被想像的屋頂。它懸浮於曾經有人生活的空間之上,如同一道由記憶編織的樑架,重新連結屋舍、海洋與人的生活經驗。陽光透過圓盤之間的孔隙,在牆面與地面留下流動的光影;風穿越層層構造,使原本靜止的空間再次感受到島嶼的呼吸。曾經作為居住場所的老宅,因為這艘船的進駐,重新成為人們聚集、觀看、交談與交換記憶的所在。

在這樣的空間裡,人的身體與記憶也成為另一種無形的重量。當一個人走進老宅、坐下、聆聽,當另一個人開始訴說家族與海洋的故事,這艘船才逐漸獲得完整的意義。「同舟共濟」於是從一句熟悉的語言,轉化為一種可以被身體感知、被生活經驗的共同狀態。

一座島嶼之所以能在風裡站穩,仰賴的從來不只有石頭的重量,還有無數人之間彼此牽引、彼此扶持的力量。房屋如此,船如此,人與人之間亦如此。同舟的人,互為壓艙石。

客廳百科,一部沒有被寫下來的書。

馬祖的海洋知識,有很大一部分存在於日常生活之中。它留在餐桌上的一道菜、長輩口中的一句叮嚀、漁民對潮汐與季節的判斷,也藏在一道道世代相傳的料理工序裡。哪個季節的黃魚最為肥美,哪片礁岩上的佛手最為飽滿,淡菜何時採收,哪些魚種曾經豐盛,如今卻逐漸難以相遇。這些知識隨著家庭生活被反覆講述、實踐與傳承,形成一套細緻而龐大的地方知識體系。每一戶人家的客廳,都收藏著一部尚未被完整寫下的百科。

《同舟:馬祖客廳百科》試圖讓這些散落於家庭、餐桌與個人記憶中的知識重新相遇。作品以馬祖漁產為線索,建立一份持續開放的生活索引,邀請居民共同補充與書寫。從一種魚的地方稱呼、一個家族的料理方式,到某次出海的經驗、一道逐漸失傳的家常菜,每個人的記憶都可以成為百科中的一頁。知識在參與者之間流動,逐漸形成一部由島民共同編寫的生活文獻。

五百面圓盤,是這部百科的具體載體。每一面圓盤,同時是一片屋瓦、一片魚鱗,也是一盤盛載生活記憶的菜餚。 圓盤的表面記錄漁產的形態、名稱與家庭料理的故事,並透過泥染與藍曬的創作方式,將島嶼的土地、陽光與海洋意象轉化為視覺語言。泥土留下土地的色澤,日光使圖像逐漸顯影,而居民親手製作的痕跡,則讓每一面圓盤保有獨一無二的生活溫度。

當五百面圓盤共同懸掛於老宅之中,便形成一場屬於整座島嶼的集體餐敘。層層交錯的圓盤,如同元宵擺暝時鋪滿供桌的菜餚,呈現出豐盛、分享與共同聚集的節慶意象。只是這一次,供桌被輕輕托起,懸浮在老宅的半空之中,成為一艘由眾人生活記憶共同構成的船。

在這艘船上,每一道菜都代表一段生活,每一段記憶都承載著一個家庭與地方的關係。原本分散於島嶼各處的知識,透過創作被重新收集、排列與觀看。五百面圓盤彼此相依,正如島民的生活經驗相互交織。每增加一面圓盤,便為這艘船增添一份記憶的重量,也讓共同承載的意義更加清晰。

而《同舟》的生命,並不止於展覽期間。當展覽結束,五百面圓盤將逐步回到參與者的家庭,重新懸掛於客廳、屋舍或日常生活的角落。曾經在老宅裡共同構成一艘船的圓盤,將再次散布於島嶼各處,成為不同家庭保存與傳遞記憶的媒介。作品的完整形體雖然消失,卻以另一種方式延續了它與地方的關係。

一艘船,從五百個生活片段中聚合,又重新回到五百個生活現場。藝術在此成為一種持續發生的共同記憶。它讓居民有機會重新觀看自己的生活,也讓原本隱藏在日常之中的地方知識,獲得被理解、分享與傳承的可能。展覽的結束,是記憶的散開。船可以離開,承載彼此的力量,仍留在島上。




Im selben Boot: Matsus Wohnzimmer-EnzyklopädieIn the Same Boat: Matsu Living-Room Encyclopedia

Wer im selben Boot sitzt, wird dem anderen zum Ballaststein.

Ballaststeine: wie eine Insel im Wind standhält. Auf Matsu ist Wind seit jeher mehr als eine klimatische Erscheinung. Er durchquert die Meerenge, streicht über Hänge, trifft auf Siedlungen und prägt seit Langem das Inselleben. Die Menschen richten ihre Häuser nach dem Wind aus und ihre Fahrten nach dem Rhythmus des Meeres. Zwischen diesen Naturkräften haben sie allmählich ein Wissen über Gleichgewicht, Belastbarkeit und Zusammenleben entwickelt.

Ein Schiff braucht für die Überfahrt Ballaststeine im Laderaum, um das Gleichgewicht zu halten; ein Haus braucht gegen den Monsun Steine auf dem Dach, die seine Ziegel sichern. Bei traditionellen Wohnhäusern greifen gewölbte und muldenförmige Ziegel ineinander. Darüber liegen Steine in mehreren Schichten, deren Gewicht starken Winden widersteht. Die überlagerte Konstruktion bildet zugleich feine räumliche Abstufungen. Schiffe auf See und Häuser an Land tragen unterschiedliche Lebenswelten, beantworten jedoch ähnliche Fragen des Überlebens: Gleichgewicht durch Gewicht, Schutz durch Überlagerung und gemeinsames Tragen angesichts der Natur. In diesen alltäglichen Bauweisen verdichtet sich das über Generationen gewachsene Umweltwissen der Inselbewohner.

Im selben Boot geht von dieser besonderen Inselerfahrung aus und verwandelt das Beschweren und Tragen in ein Boot, das in einem alten Haus schwebt. Fünfhundert runde Scheiben überlagern sich in Schichten und erinnern an Dachziegel ebenso wie an die Schuppen von Meerestieren. Unterschiedlich dichte Zwischenräume lassen Wind und Licht hindurch. Die Konstruktion bewegt sich zwischen Schutz und Durchlässigkeit, Leichtigkeit und Schwere. Die scheinbar schwebende Gestalt entsteht aus unzähligen kleinen Einheiten, als würde jede Scheibe einen Teil der Last einer anderen tragen.

Wo das ursprüngliche Dach des alten Hauses verschwunden ist, wird dieses Boot zu einem neu vorgestellten Dach. Über einem einst bewohnten Raum schwebend, gleicht es einem aus Erinnerungen gewobenen Tragwerk, das Haus, Meer und menschliche Lebenserfahrung erneut verbindet. Sonnenlicht fällt durch die Zwischenräume und zeichnet wandernde Muster auf Wände und Boden. Wind durchzieht die Schichten und lässt den stillen Raum wieder den Atem der Insel spüren. Mit dem Boot wird das frühere Wohnhaus erneut zu einem Ort des Zusammenkommens, Betrachtens, Gesprächs und Austauschs von Erinnerungen.

In diesem Raum werden auch Körper und Erinnerungen zu einem unsichtbaren Gewicht. Wenn jemand das Haus betritt, sich setzt und zuhört und ein anderer von Familie und Meer erzählt, erhält das Boot nach und nach seine vollständige Bedeutung. Die vertraute Vorstellung, im selben Boot gemeinsam Schwierigkeiten zu überwinden, wird zu einem gemeinsamen Zustand, der körperlich spürbar und im Alltag erfahrbar ist.

Dass eine Insel im Wind standhält, verdankt sie neben dem Gewicht der Steine auch der Kraft unzähliger Menschen, die einander Halt geben. Das gilt für Häuser, für Boote und für menschliche Beziehungen. Wer im selben Boot sitzt, wird dem anderen zum Ballaststein.

Die Wohnzimmer-Enzyklopädie: ein noch ungeschriebenes Buch. Ein großer Teil des maritimen Wissens von Matsu lebt im Alltag. Es liegt in einem Gericht auf dem Tisch, in einer Mahnung der Älteren, im Urteil der Fischer über Gezeiten und Jahreszeiten sowie in überlieferten Kochverfahren. In welcher Jahreszeit sind Gelbfische am fettesten? An welchen Felsen wachsen die kräftigsten Entenmuscheln? Wann werden Miesmuscheln geerntet? Welche Fischarten waren früher reichlich vorhanden und sind heute kaum noch zu finden? Im Familienleben wird dieses Wissen immer wieder erzählt, angewendet und weitergegeben. So entsteht ein umfangreiches, fein gegliedertes lokales Wissenssystem. Jedes Wohnzimmer bewahrt eine Enzyklopädie, die noch nicht vollständig niedergeschrieben wurde.

Im selben Boot: Matsus Wohnzimmer-Enzyklopädie möchte dieses auf Haushalte, Esstische und persönliche Erinnerungen verteilte Wissen wieder zusammenführen. Ausgehend von Matsus Meeresprodukten schafft die Arbeit ein fortlaufend offenes Verzeichnis des Alltags und lädt die Bewohner ein, daran mitzuschreiben. Ein örtlicher Fischname, ein Familienrezept, eine Ausfahrt aufs Meer oder ein allmählich verschwindendes Hausgericht: Jede Erinnerung kann zu einer Seite der Enzyklopädie werden. Das Wissen zirkuliert unter den Beteiligten und bildet nach und nach eine von den Inselbewohnern gemeinsam verfasste Dokumentation ihres Lebens.

Fünfhundert runde Scheiben geben dieser Enzyklopädie eine greifbare Form. Jede ist zugleich Dachziegel, Fischschuppe und ein Teller voller Lebenserinnerungen. Ihre Oberflächen halten Formen und Namen von Meeresprodukten sowie Geschichten der Familienküche fest. Erdfärbung und Cyanotypie übersetzen den Boden, das Sonnenlicht und maritime Vorstellungen der Insel in eine Bildsprache. Erde hinterlässt die Farben des Landes, Sonnenlicht lässt Bilder allmählich hervortreten, und die Spuren der beteiligten Hände verleihen jeder Scheibe eine unverwechselbare menschliche Wärme.

Wenn die fünfhundert Scheiben gemeinsam im alten Haus hängen, entsteht ein gemeinsames Mahl für die ganze Insel. Ihre überlagerten Schichten erinnern an die Speisen, die beim Baiming-Ritual zum Laternenfest die Opfertische bedecken. Sie vermitteln Fülle, Teilen und festliches Zusammenkommen. Dieses Mal wird der Opfertisch sanft angehoben und schwebt im alten Haus als Boot, das aus den Lebenserinnerungen vieler Menschen zusammengesetzt ist.

Auf diesem Boot steht jedes Gericht für einen Lebensabschnitt, jede Erinnerung trägt die Beziehung einer Familie zu ihrem Ort. Einst über die Inseln verstreutes Wissen wird durch das Gestalten neu gesammelt, geordnet und betrachtet. Die fünfhundert Scheiben stützen einander, wie sich auch die Lebenserfahrungen der Inselbewohner verweben. Jede weitere Scheibe fügt dem Boot das Gewicht einer Erinnerung hinzu und verdeutlicht die Bedeutung des gemeinsamen Tragens.

Das Leben von Im selben Boot reicht über die Ausstellung hinaus. Nach ihrem Ende werden die fünfhundert Scheiben nach und nach in die Haushalte der Beteiligten zurückkehren und in Wohnzimmern, Häusern oder anderen Alltagsräumen hängen. Die Scheiben, die im alten Haus ein einziges Boot bildeten, verteilen sich wieder über die Inseln und helfen verschiedenen Familien, Erinnerungen zu bewahren und weiterzugeben. Obwohl die vollständige Gestalt des Werkes verschwindet, setzt sich seine Beziehung zum Ort auf andere Weise fort.

Ein Boot entsteht aus fünfhundert Lebensfragmenten und kehrt in fünfhundert Lebenszusammenhänge zurück. Kunst wird hier zu einer gemeinsamen Erinnerung, die sich fortwährend ereignet. Sie gibt den Bewohnern Gelegenheit, ihr eigenes Leben neu zu betrachten, und macht verborgenes Alltagswissen verständlich, teilbar und überlieferbar. Mit dem Ende der Ausstellung breitet sich die Erinnerung aus. Das Boot kann fortgehen; die Kraft, einander zu tragen, bleibt auf der Insel.