2026年9月3日 星期四

城市‧土地‧文化敘事(二十九) 漢諾威的詩人之旅

漢諾威的詩人之旅

2009 年三月底,我在寒冷漢諾威街道漫遊。日曆上已經是春天,北德不理會這件事。風從街口灌進來,先找到手腕跟耳朵。我把領子拉高,手插進口袋,依然漫步城市中。照片裡的我穿著厚外套,臉是僵的。那幾天我一直在走,從車站走到學校,從學校走到河邊,再走回市中心。走路幾乎是那趟旅行的全部內容。
朋友住在漢諾威,陪我走了一段。有人帶路的城市會縮小。她知道哪條路可以斜切過去,哪一段其實不必走,我因此省下很多會被地圖吃掉的時間。今天回想,我對漢諾威的記憶一直帶著這個人的體溫。我是為了學校去的,最後記得的不只是學校。

那趟旅行有一個很實際的任務。那一年我申請上漢諾威大學的景觀建築系,另一個選項是 TU Dresden大學,兩邊都要在很短的時間裡回覆。我沒辦法在紙上決定,所以我把自己搬到現場,讓身體投票。
心裡的搖擺跟街上的樣子很像。走幾步是古典的立面,再走幾步是戰後的水泥街廓,轉個彎又碰上玻璃與鋼構。我看不出它們為什麼排在一起,只覺得走起來斷斷續續。後來才知道那跟我的眼力沒有關係。這座城市的舊城在戰爭裡消失了九成,重建的時候選擇了速度,把巴洛克的軸線放掉,換成寬到難以橫越的大道。我在裡面被切開的感覺,是它真的被切開過。

那天最讓我困惑的東西,在系館外面。三個隆起的綠色土丘,草修得很短,形狀乾淨到像是被誰放上去的模型。我更早就看過它,它出現在學校寄來的入學資料封面上。真的站到旁邊,我看到的還是土丘。我不知道它從哪裡來,看著旁邊立牌子告訴我。它叫《詩人之園》Garten des Poeten。1959 年,瑞士景觀建築師 Ernst Cramer 在蘇黎世的一場園藝展裡做了它,四座長草的土金字塔、一座土錐、一片淺水池。園子裡幾乎沒有花。展覽結束以後它就被拆掉,很多年之後才被寫進景觀建築史。2003 年,漢諾威大學把其中三座用原尺寸做回來,放在自己的所區前面。所以我站著的地方,是一件已經消失的作品的局部。
那時候我看不懂它,現在覺得它很像當年的自己。我也是一個局部。我拿到了入學資格,還不知道要走去哪裡。我走進一座城市,還沒有足夠的經驗判斷它適不適合我。我只能一塊一塊地撿,看一棟建築,走一條街,進一所學校,認識一個藝術家,再把這些東西放回自己身上。

Cramer 教我的那件事,我等了很久才有能力說出來。土地本身就是材料。 它有高度,有坡度,有陰影,有走上去的難度。把土當成材料以後,空間的骨架先由地形決定。我後來做地景,做公共空間,一直在用這修概念,有很長一段時間並不知道自己在用一個 1959 年蘇黎世湖邊的東西。

也是在漢諾威,我第一次認真注意到 Niki de Saint Phalle。
我有她的畫冊,卻沒想過她和這座城市的關係這麼深。1974 年,三座將近五公尺高的 Nana 被放到 Leine 河岸的大道旁邊。市民的反應很直接,作品被塗污,有人發起連署要求把她們搬走,收到將近兩萬個簽名,反對的理由裡有一條是擔心開車的人分心。三十多年後,這座城市把榮譽市民給了她。她把四百多件作品留給 Sprengel Museum,最後的計畫是 Herrenhausen 花園裡的 Grotte,她沒有等到開放的那一天。
 
那時候我只覺得奇妙,躺在畫冊裡的作品就矗立在街上,跟車流、行人、市政府一起生活。今天我知道那跟奇妙沒有關係,那是時間。一件作品要到被使用很久以後才算完成。 兩萬份反對的簽名沒有讓那三個女人消失,反過來變成她們身上的一部分。

那幾天我其實一直在替一個可能的人生打分數。有些街道漂亮,有些地方讓我沒有感覺。我把這些都記下來,當成城市的性格。那幾天的冷是季節給的,我把它記成了城市性格。

最後我沒有選漢諾威,景觀建築也沒有成為我真正念下去的科系。
以前我把這件事講成錯過,現在不會了。我後來做過景觀設計,一直在處理公共空間、地形與人的移動,今天的工作甚至比當年想像的更靠近這些問題。我曾經想把它講成命運,講成當年沒走的那條路自己繞了回來。這樣講很浪漫,可惜不老實。我會走到今天,原因是案子的類型、拿得到的委託與一路上的運氣。那趟旅行沒有替我安排任何事情。它是一個座標,沒有埋伏筆。

判斷永遠在資訊不夠的時候發生。 二十六歲的我讀不懂那幾座草坡,也讀不出腳下的都市計畫,還是得在幾天之內決定要不要把接下來幾年交給這座城市。這件事到現在沒有變過。我今天看基地、決定接不接一個案子,掌握的資訊比例並沒有比當年高多少。差別只在我學會先把資料讀完再進場,然後讓現場負責告訴我什麼不行。

我重新打開那批照片。厚外套、手套、僵掉的臉,還有那座未明的土丘。記憶的準確度跟當時的理解程度沒有關係。 我那時候完全不懂它們,還是把它們記了十七年。

我現在很喜歡回頭書寫。沒有整理過的經驗留在心裡會慢慢變成模糊的不安,寫出來以後,時間、城市、人物與自己的選擇會各自回到位置。二十六歲的我看不清楚所有事情,那也沒有關係。那個年紀的我做了當時唯一能做的事,我真的去了。我在刺骨的冷風裡走進那座城市,看了學校,看了建築,看了一個只在簡章封面上出現過的花園,然後決定不去。
沒有留下來,也是一種確認。

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Die Reise des Poeten in Hannover


Ende März 2009 streifte ich durch die kalten Straßen Hannovers. Auf dem Kalender war längst Frühling, doch Norddeutschland kümmerte das nicht. Der Wind drang von den Straßenecken herein und fand zuerst meine Handgelenke und Ohren. Ich zog den Kragen hoch, steckte die Hände in die Taschen und ging weiter durch die Stadt. Auf den Fotos trage ich einen dicken Mantel, mein Gesicht ist vor Kälte erstarrt. In jenen Tagen war ich ständig zu Fuß unterwegs: vom Bahnhof zur Universität, von dort zum Fluss und wieder zurück in die Innenstadt. Das Gehen war beinahe der gesamte Inhalt dieser Reise.

Eine Freundin lebte in Hannover und begleitete mich ein Stück. Eine Stadt schrumpft, wenn jemand den Weg zeigt. Sie wusste, wo man ein Viertel diagonal durchqueren konnte und welche Strecke man gar nicht erst gehen musste. So ersparte sie mir viel Zeit, die sonst von der Karte verschluckt worden wäre. Wenn ich heute zurückdenke, trägt meine Erinnerung an Hannover noch immer die Wärme dieses Menschen. Ich war wegen der Hochschule gekommen, doch am Ende erinnerte ich mich an mehr als nur die Hochschule.

Die Reise hatte einen sehr praktischen Auftrag. In jenem Jahr war ich für Landschaftsarchitektur an der Leibniz Universität Hannover zugelassen worden; die andere Möglichkeit war die TU Dresden. Beide verlangten innerhalb kurzer Zeit eine Antwort. Auf dem Papier konnte ich mich nicht entscheiden, also brachte ich meinen Körper an die Orte und ließ ihn abstimmen.

Mein inneres Schwanken ähnelte dem Straßenbild. Nach wenigen Schritten erschien eine klassische Fassade, etwas weiter ein Betonblock der Nachkriegszeit, und hinter der nächsten Ecke traf ich auf Glas und Stahl. Ich verstand nicht, warum all das nebeneinanderstand; der Weg fühlte sich lediglich abgehackt an. Erst später erfuhr ich, dass dies nichts mit meiner Beobachtungsgabe zu tun hatte. Neunzig Prozent der Altstadt waren im Krieg verschwunden. Beim Wiederaufbau entschied man sich für Geschwindigkeit, gab die barocken Achsen auf und ersetzte sie durch Straßen, die so breit waren, dass man sie nur schwer überqueren konnte. Ich fühlte mich in dieser Stadt zerschnitten, weil sie tatsächlich zerschnitten worden war.

Was mich an diesem Tag am meisten verwirrte, lag vor dem Institutsgebäude: drei ansteigende grüne Erdhügel, kurz gemäht und so klar geformt, als hätte jemand Modelle dort abgestellt. Ich hatte sie schon zuvor gesehen, auf dem Titelblatt der Zulassungsunterlagen der Universität. Als ich wirklich danebenstand, sah ich trotzdem nur Hügel. Erst ein Schild erklärte mir, woher sie kamen. Das Werk hieß Garten des Poeten. 1959 hatte der Schweizer Landschaftsarchitekt Ernst Cramer es für eine Gartenausstellung in Zürich geschaffen: vier mit Gras bewachsene Erdpyramiden, einen Erdkegel und ein flaches Wasserbecken. Blumen gab es in diesem Garten fast keine. Nach der Ausstellung wurde er abgebaut und erst viele Jahre später in die Geschichte der Landschaftsarchitektur aufgenommen. 2003 rekonstruierte die Universität drei der Formen im ursprünglichen Maßstab und stellte sie vor ihrem Institut auf. Der Ort, an dem ich stand, war somit ein Ausschnitt eines längst verschwundenen Werkes.

Damals verstand ich es nicht. Heute glaube ich, dass es mir von damals ähnelte. Auch ich war nur ein Ausschnitt. Ich hatte einen Studienplatz, wusste aber noch nicht, wohin ich gehen sollte. Ich betrat eine Stadt, ohne genug Erfahrung zu besitzen, um beurteilen zu können, ob sie zu mir passte. Ich konnte sie nur Stück für Stück aufsammeln: ein Gebäude betrachten, eine Straße entlanggehen, eine Hochschule betreten, einen Künstler kennenlernen und all diese Dinge anschließend wieder auf mich selbst beziehen.

Ich musste lange warten, bevor ich in Worte fassen konnte, was Cramer mich gelehrt hatte. Der Boden selbst ist Material. Er besitzt Höhe, Gefälle und Schatten, und es kostet Kraft, ihn hinaufzugehen. Sobald Erde als Material verstanden wird, bestimmt die Topografie zuerst das Gerüst des Raumes. Später, als ich Landschaften und öffentliche Räume gestaltete, benutzte ich dieses Konzept immer wieder. Lange Zeit wusste ich nicht, dass ich etwas verwendete, das 1959 am Zürichsee entstanden war.

In Hannover nahm ich auch Niki de Saint Phalle zum ersten Mal ernsthaft wahr.

Ich besaß einen Bildband von ihr, hatte aber nie geahnt, wie tief ihre Beziehung zu dieser Stadt war. 1974 wurden drei fast fünf Meter hohe Nanas an einer Straße am Leineufer aufgestellt. Die Reaktion der Bürgerinnen und Bürger war unmittelbar: Die Werke wurden beschmiert, und eine Petition für ihre Entfernung sammelte beinahe zwanzigtausend Unterschriften. Ein Einwand lautete, Autofahrer könnten abgelenkt werden. Mehr als dreißig Jahre später verlieh die Stadt ihr die Ehrenbürgerwürde. Sie vermachte dem Sprengel Museum über vierhundert Werke. Ihr letztes Projekt war die Grotte in den Herrenhäuser Gärten, deren Eröffnung sie nicht mehr erlebte.

Damals erschien es mir einfach wunderbar, dass Werke aus einem Bildband auf der Straße standen und mit Verkehr, Fußgängern und Stadtverwaltung zusammenlebten. Heute weiß ich, dass es dabei nicht um ein Wunder ging, sondern um Zeit. Ein Werk ist erst vollendet, nachdem es lange benutzt worden ist. Zwanzigtausend Unterschriften gegen diese drei Frauen ließen sie nicht verschwinden; der Widerstand wurde vielmehr zu einem Teil von ihnen.

In jenen Tagen bewertete ich fortwährend ein mögliches Leben. Manche Straßen waren schön, andere Orte ließen mich kalt. Ich schrieb alles auf und behandelte es als Charakter der Stadt. Die Kälte jener Tage stammte von der Jahreszeit, doch ich notierte sie als Eigenschaft Hannovers.

Am Ende entschied ich mich nicht für Hannover, und Landschaftsarchitektur wurde auch nicht das Fach, das ich tatsächlich weiterstudierte.

Früher erzählte ich diese Geschichte als verpasste Gelegenheit. Heute tue ich das nicht mehr. Später arbeitete ich in der Landschaftsplanung und beschäftigte mich fortwährend mit öffentlichem Raum, Topografie und der Bewegung von Menschen. Meine heutige Arbeit liegt diesen Fragen sogar näher, als ich damals erwartet hatte. Eine Zeit lang wollte ich darin Schicksal sehen, als wäre der damals nicht gewählte Weg von selbst zu mir zurückgekehrt. Das klingt romantisch, ist aber nicht ehrlich. Ich bin dort angekommen, wo ich heute bin, weil es bestimmte Projektarten gab, weil ich bestimmte Aufträge bekam und weil mich unterwegs Glück begleitete. Jene Reise hat nichts für mich arrangiert. Sie ist eine Koordinate, keine Vorahnung.

Urteile fallen immer dann, wenn die Informationen noch nicht ausreichen. Mit sechsundzwanzig konnte ich weder jene Grashügel noch die Stadtplanung unter meinen Füßen lesen, musste aber innerhalb weniger Tage entscheiden, ob ich dieser Stadt die nächsten Jahre anvertrauen wollte. Daran hat sich bis heute nichts geändert. Wenn ich heute einen Ort besichtige und entscheide, ob ich ein Projekt annehme, ist der Anteil verfügbarer Informationen kaum größer als damals. Der Unterschied besteht nur darin, dass ich gelernt habe, vor dem Betreten des Ortes zunächst alle Unterlagen zu lesen und anschließend den Ort selbst sagen zu lassen, was nicht möglich ist.

Ich öffnete die Sammlung von Fotos erneut: dicker Mantel, Handschuhe, ein vor Kälte erstarrtes Gesicht und jener unerklärte Hügel. Die Genauigkeit einer Erinnerung hat nichts damit zu tun, wie viel man damals verstand. Ich verstand all das überhaupt nicht und behielt es dennoch siebzehn Jahre lang im Gedächtnis.

Heute schreibe ich gern rückwärts in mein eigenes Leben. Ungeordnete Erfahrungen werden im Inneren allmählich zu einer diffusen Unruhe. Sobald sie aufgeschrieben sind, kehren Zeit, Stadt, Menschen und die eigenen Entscheidungen jeweils an ihren Platz zurück. Es macht nichts, dass ich mit sechsundzwanzig nicht alles klar erkennen konnte. In diesem Alter tat ich das Einzige, was mir möglich war: Ich fuhr wirklich hin. Im schneidend kalten Wind betrat ich die Stadt, sah die Hochschule, sah die Architektur, sah einen Garten, der zuvor nur auf dem Titel einer Broschüre erschienen war, und entschied mich dann dagegen.

Nicht zu bleiben war ebenfalls eine Form der Gewissheit.