2026年9月22日 星期二

城市‧土地‧文化敘事(五十)霧台,從石板屋到花冠

霧台,從石板屋到花冠


我想把2017年霧台的經驗重新記錄下來。那一年,我騎著單車環島,把聚落與部落踏查當成旅程的重要目的。一路進入那些平常不太容易抵達的地方,想看看不同聚落的尺度、生活方式,以及那些過去沒有真正注意過的文化細節。其中一段旅程,就是屏東霧台。

那天很早從屏東市區出發,沿著山路一路往上騎,將近八個小時才抵達。騎單車進入一個地方,有一種和搭車完全不同的感受。距離不再只是地圖上的公里數,山也不再只是遠方的一片風景。坡度、氣溫、汗水與疲累,一點一點經過身體,土地因此有了重量。身體先理解了地理,之後才開始遇見文化。


到了神山部落,我走進耶穌聖心堂。最先吸引我的,是石板、木雕、座椅與整個室內空間的配置。那時候的我還無法完整理解背後的文化脈絡,只覺得這座教堂和過去看過的教堂很不一樣。後來才逐漸明白,這裡留下的是文化彼此交會的痕跡。天主教的信仰與空間形式進入魯凱族部落,地方原有的石板、木雕、人物造型與工藝也進入教堂。新的信仰落在土地上,經過時間重新生長,最後形成屬於這個地方的面貌。


這也讓我開始注意霧台的石板屋。石板來自山,也構成了人的生活空間。牆面、地坪、屋頂,以及人在其中工作、休息與生活的方式,共同形成聚落的樣貌。當一種材料長時間存在於生活之中,它逐漸超越單純的建築材料,成為人與土地之間最直接的關係,也成為一個地方辨認自己的方式。


真正吸引我的,反而是部落裡的人。我開始注意女性頭上的花飾,紅色植物垂落在額頭前,和綠葉、黃色、紫色的花朵交錯在一起。妝容不需要昂貴的彩妝,植物本身就已經足夠漂亮。魯凱族的植物頭飾有自己的文化脈絡,其中百合更牽涉榮譽、身分與傳統配戴資格。當時我把那些紅色穗狀植物聯想到紅藜,也想到土地收成之後的豐盛。多年後再看這些照片,我已經不太執著它究竟是哪一種植物,真正留在記憶裡的,是土地裡生長出來的東西,經過人的雙手整理、編織,最後又回到人的身體。

即使只是路邊做生意的婦人,也可以戴著鮮豔的花飾工作。這件事情讓我印象很深。美感沒有被特別收進博物館,也不一定等到節慶或儀式才出現,它就在衣服、頭飾、器物與每天的生活裡。一個地方真正有力量的文化,往往就存在於這些普通到幾乎不會被特別說明的日常之中。


在霧台,我遇見一位當時已經95歲的奶奶。她住在石板屋裡,坐在椅子上做著手上的編織。她似乎聽得懂我說的話,卻沒有辦法用中文回答。我就在旁邊跟她說話,她安靜地聽著,手上的工作也沒有停下來。我一直記得那個畫面,頭上是鮮豔的花冠,頸間掛著一串串飾物,手裡編著生活使用的器物;身旁同時放著電話、剪刀、塑膠椅與拖鞋,腳下則是石板,屋子裡有著深沉而溫暖的色調。傳統與現在,就這樣待在同一個房間裡。

我並沒有能力理解每一個圖紋、飾物與植物背後的意義,只覺得非常漂亮。多年後重新整理這些照片,我才慢慢知道,當年真正吸引我的,也許就是它們彼此之間的關係。石板來自山,植物來自土地,工藝來自人的雙手,而這些東西最後全部回到生活。心裡豐盛,土地豐盛,生活才可能長出這樣的面貌。


多年後再回頭看,那段路真正留下來的,是那些石板、花冠、手工編織,以及一位95歲奶奶低著頭繼續工作的身影。霧台讓我第一次很具體地看見,一個地方的文化不一定需要被陳列。它可以被居住、被使用、被穿著,也可以直接戴在人的身上。

後來回到雲科大,我協助老師進行原住民族學校運動相關的展覽工作。到了那個時候,我才發現,先前那些看似只是旅行的經驗,開始重新回到我的工作裡。因為有些部落我真的走過,我知道山路有多遠,知道聚落如何依著地形存在,也曾經走進石板屋與教堂,看過人們如何生活。當後來需要進行研究、尋找地方資源或與地方溝通時,腦中已經有真實的空間與人物可以對照。資料因此不再只是一個地名,地名後面開始有人、房子、道路、植物,以及我曾經走過的距離。

多年後重新整理「土地・城市・文化敘事」,我才越來越確定,旅行真正留下來的,往往是我們曾經如何進入一個地方。有些經驗當下看不出用途,有些地方只是走過,有些人甚至只有短暫的一面之緣,可是生命繼續往前,那些看過的空間、接觸過的人、讀過的資料與身體走過的路,會在另一個時間重新連接起來。

2017年的霧台,後來進入我的策展工作,如今又重新回到我的土地敘事。很多走過的路都沒有浪費,它們只是需要時間,才知道會在生命的哪一個地方重新出現。


Wutai, von Steinplattenhäusern zu Blütenkronen

Ich möchte meine Erfahrung in Wutai aus dem Jahr 2017 neu festhalten. Damals umrundete ich Taiwan mit dem Fahrrad und machte die Erkundung von Siedlungen und indigenen Gemeinschaften zu einem wichtigen Ziel der Reise. Ich fuhr in Orte hinein, die im Alltag nur schwer zu erreichen sind, um die Maßstäbe verschiedener Siedlungen, ihre Lebensweisen und jene kulturellen Einzelheiten zu sehen, die ich zuvor nie wirklich wahrgenommen hatte. Einer dieser Wege führte mich nach Wutai im Landkreis Pingtung.

An jenem Morgen brach ich früh in Pingtung auf und fuhr die Bergstraße immer weiter hinauf. Fast acht Stunden dauerte es, bis ich ankam. Einen Ort mit dem Fahrrad zu betreten fühlt sich völlig anders an als die Ankunft mit dem Auto. Entfernung ist keine Kilometerzahl auf der Karte mehr, und der Berg ist nicht länger bloß eine Landschaft in der Ferne. Steigung, Temperatur, Schweiß und Müdigkeit durchlaufen nach und nach den Körper; dadurch erhält das Land Gewicht. Zuerst versteht der Körper die Geografie, erst danach beginnt die Begegnung mit der Kultur.

In Kucapungane betrat ich die Herz-Jesu-Kirche. Zuerst zogen mich die Steinplatten, Holzschnitzereien, Sitzmöbel und die gesamte Anordnung des Innenraums an. Damals konnte ich den kulturellen Hintergrund noch nicht vollständig verstehen. Ich spürte lediglich, dass diese Kirche anders war als alle Kirchen, die ich zuvor gesehen hatte. Erst später begriff ich allmählich, dass hier Spuren einer kulturellen Begegnung erhalten waren. Der katholische Glaube und seine Raumformen waren in eine Gemeinschaft der Rukai gelangt; zugleich waren die örtlichen Steinplatten, Holzschnitzereien, Figuren und handwerklichen Formen in die Kirche eingezogen. Ein neuer Glaube fiel auf diesen Boden, wuchs mit der Zeit neu und nahm schließlich eine Gestalt an, die zu diesem Ort gehört.

Dadurch begann ich auch, auf die Steinplattenhäuser Wutais zu achten. Der Stein kommt aus dem Berg und bildet zugleich den Lebensraum der Menschen. Wände, Böden und Dächer sowie die Art, wie Menschen darin arbeiten, ruhen und leben, prägen gemeinsam das Bild der Siedlung. Wenn ein Material über lange Zeit im Alltag gegenwärtig bleibt, geht es über die Rolle eines Baustoffs hinaus. Es wird zu einer unmittelbaren Beziehung zwischen Mensch und Land und zu einer Weise, in der ein Ort sich selbst erkennt.

Am stärksten zogen mich jedoch die Menschen der Gemeinschaft an. Ich achtete auf den Blumenschmuck der Frauen: rote Pflanzen hingen über die Stirn und verschränkten sich mit grünen Blättern sowie gelben und violetten Blüten. Teure Schminke war unnötig; die Pflanzen selbst waren schön genug. Die pflanzlichen Kopfschmuckformen der Rukai besitzen eigene kulturelle Zusammenhänge. Besonders die Lilie ist mit Ehre, Status und traditionellen Voraussetzungen des Tragens verbunden. Damals erinnerten mich die roten, ährenartigen Pflanzen an roten Quinoa und an die Fülle nach der Ernte. Wenn ich die Fotografien heute wiedersehe, ist mir weniger wichtig, um welche Pflanze es sich genau handelte. Im Gedächtnis blieb vielmehr, wie etwas aus dem Boden Wachsende durch menschliche Hände geordnet und verflochten wurde und schließlich an den menschlichen Körper zurückkehrte.

Selbst eine Frau, die am Straßenrand ihre Waren verkaufte, konnte bei der Arbeit leuchtenden Blumenschmuck tragen. Das beeindruckte mich tief. Schönheit war nicht eigens in einem Museum verwahrt und musste auch nicht auf ein Fest oder Ritual warten. Sie lebte in Kleidung, Kopfschmuck, Gebrauchsgegenständen und im täglichen Leben. Die wirksamste Kultur eines Ortes liegt oft in einem Alltag, der so gewöhnlich ist, dass kaum jemand ihn besonders erklärt.

In Wutai begegnete ich einer Großmutter, die damals bereits 95 Jahre alt war. Sie lebte in einem Steinplattenhaus und saß auf einem Stuhl, während ihre Hände weiterflochten. Sie schien meine Worte zu verstehen, konnte jedoch nicht auf Mandarin antworten. Ich sprach neben ihr, sie hörte still zu und unterbrach ihre Arbeit nicht. Dieses Bild ist mir geblieben: die farbige Blütenkrone auf ihrem Kopf, die vielen Schmuckketten um ihren Hals und in ihren Händen ein geflochtener Gegenstand für den täglichen Gebrauch. Daneben lagen Telefon, Schere, Plastikstuhl und Hausschuhe; unter ihren Füßen befanden sich Steinplatten, und der Raum war von tiefen, warmen Farbtönen erfüllt. Tradition und Gegenwart hielten sich einfach im selben Zimmer auf.

Ich war nicht in der Lage, die Bedeutung jedes Musters, Schmuckstücks und jeder Pflanze zu verstehen. Ich fand alles lediglich sehr schön. Erst Jahre später, beim erneuten Ordnen dieser Fotografien, erkannte ich allmählich, dass mich vielleicht gerade ihre Beziehungen zueinander angezogen hatten. Die Steinplatten kamen aus dem Berg, die Pflanzen aus dem Boden und das Handwerk aus menschlichen Händen; am Ende kehrte alles ins Leben zurück. Nur wenn Herz und Land reich sind, kann das Leben eine solche Gestalt hervorbringen.

Im Rückblick blieben von jenem Weg die Steinplatten, Blütenkronen, Flechtarbeiten und das Bild einer 95-jährigen Großmutter, die mit gesenktem Kopf weiterarbeitete. In Wutai sah ich zum ersten Mal ganz konkret, dass die Kultur eines Ortes nicht ausgestellt werden muss. Man kann in ihr wohnen, sie gebrauchen, tragen und unmittelbar am eigenen Körper zeigen.

Später, nach meiner Rückkehr an die National Yunlin University of Science and Technology, half ich meinem Lehrer bei einer Ausstellung zur indigenen Schulbewegung. Erst damals bemerkte ich, dass jene Erfahrungen, die zuvor wie bloßes Reisen gewirkt hatten, in meine Arbeit zurückkehrten. Einige Gemeinschaften hatte ich tatsächlich durchquert. Ich wusste, wie lang die Bergstraßen waren, wie sich Siedlungen an das Gelände schmiegten, und ich hatte Steinplattenhäuser und Kirchen betreten und gesehen, wie die Menschen lebten. Als ich später recherchieren, lokale Ressourcen finden oder mit den Orten kommunizieren musste, konnte ich bereits wirkliche Räume und Menschen vor meinem inneren Auge sehen. Informationen waren nicht länger nur Ortsnamen. Hinter jedem Namen standen Menschen, Häuser, Straßen, Pflanzen und die Entfernung, die ich selbst zurückgelegt hatte.

Als ich Jahre später Stadt, Land und kulturelle Erzählungen neu ordnete, wurde mir immer klarer, dass eine Reise vor allem die Art hinterlässt, wie wir einst einen Ort betreten haben. Manche Erfahrungen zeigen zunächst keinen Nutzen, manche Orte durchqueren wir nur, und manchen Menschen begegnen wir für einen kurzen Augenblick. Doch während das Leben weitergeht, verbinden sich die gesehenen Räume, die berührten Menschen, die gelesenen Materialien und die vom Körper gegangenen Wege zu einem anderen Zeitpunkt erneut.

Das Wutai des Jahres 2017 ging später in meine kuratorische Arbeit ein und kehrt nun in meine Erzählung vom Land zurück. Viele gegangene Wege sind nicht verloren. Sie brauchen lediglich Zeit, bis wir erkennen, an welcher Stelle des Lebens sie wieder erscheinen.